Volkswagen schafft eigenen Zulieferer: Fünf Faktoren für den Erfolg der VW-Komponentenwerke

Volkswagen schafft eigenen Zulieferer: Fünf Faktoren für den Erfolg der VW-Komponentenwerke

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VW will seine Komponentenwerke bündeln und einen eigenen Zulieferer schaffen.

von Sebastian Schaal

Volkswagen muss sich nach dem Abgasskandal neu erfinden. Dazu gehören Pläne, die VW-Komponentenwerke als eigenen Zulieferer zu bündeln. Auch andere Autobauer haben das schon getan – mit großen Risiken.

Mehr Elektroautos, mehr digitale Dienste, die Transformation vom reinen Autobauer zum Mobilitätsanbieter – und das alles mit weniger Geld. Das sind, stark verkürzt, die Eckpunkte der Strategie 2025, die VW-Chef Matthias Müller im Juni vorgestellt hat.

Eine Passage aus seiner Rede, die er wenige Tage später bei der Hauptversammlung fast wortgleich wiederholte, ist jedoch seltener aufgegriffen worden, obwohl sie einen radikalen Kurswechsel bedeutet: Die Komponentenwerke des Konzerns sollen strategisch neu ausgerichtet und gebündelt werden. Das bedeutet nicht weniger, als dass Volkswagen sich seinen eigenen Zulieferer schafft.

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Bislang waren die Werke, in denen 67.000 Mitarbeiter an 26 Standorten nicht Autos, sondern Bauteile fertigen, an die jeweiligen Marken angebunden oder sogar eigenständig unterwegs. Absprachen und Synergien waren die Ausnahme, oft wurde parallel gearbeitet – von einer gemeinsamen Bilanzführung einmal abgesehen.

Die Komponentenwerke in Deutschland

  • Wolfsburg

    Beschäftigte: 60.452 Mitarbeiter (Anteil der Komponentenwerke nicht gesondert ausgewiesen)

    Komponenten: Presswerk, Fahrwerk, Kunststofftechnik

    Modelle: Golf, Golf Sportsvan, e-Golf, Tiguan, Touran

    Quelle: Volkswagen

  • Braunschweig

    Beschäftigte: 7.031 Mitarbeiter

    Komponenten: Lenkung, Hinter-/Vorderachse, Feder/Dämpfer, Hilfsrahnem/Schwenklager, Batteriesysteme

  • Kassel

    Beschäftigte: 16.536 Mitarbeiter

    Komponenten: Getriebe, Gießerei, Presswerk, Abgasanlagen

  • Salzgitter

    Beschäftigte: 6.906 Mitarbeiter

    Komponenten: Motoren

  • Chemnitz

    Beschäftigte: 1.837 Mitarbeiter

    Komponenten: Motoren

  • Ingolstadt

    Beschäftigte: 43.192 Mitarbeiter (Anteil der Komponentenwerke nicht gesondert ausgewiesen)

    Komponenten: Karosserie- Fahrwerk- und Motorkomponenten; Fahrzeug-, Press- und Alugusskomponenten

    Modelle: A3, A4, A5, Q5

  • SiTech Sitztechnik GmbH

    Beschäftigte: 2.497 Mitarbeiter

    Komponenten: Sitztechnik

    Standorte: Wolfsburg, Emden und Hannover

  • MAN Truck & Bus

    Beschäftigte: 15.743 Mitarbeiter (Anteil der Komponentenwerke nicht gesondert ausgewiesen)

    Komponenten: Fahrerhäuser, angetriebene Achsen, Kurbelwellen, Achsen,

    Standorte: München, Nürnberg und Salzgitter

  • MAN Diesel & Turbo

    Beschäftigte: 7.679 Mitarbeiter (Anteil der Komponentenwerke nicht gesondert ausgewiesen)

    Komponenten: Turbolader, Kompressoren, Reaktoren, Hochdruck- und Spezialapparate, Dampf- und Gasturbinen

    Standorte: Augsburg, Berlin, Deggendorf, Hamburg und Oberhausen

  • MAN SE / Renk AG

    Beschäftigte: 1.913 Mitarbeiter (Anteil der Komponentenwerke nicht gesondert ausgewiesen)

    Komponenten: Getriebe, Gleitlager und Kupplungen

    Standorte: Augsburg, Hannover und Rheine

Von der Neuaufstellung der Werke verspricht sich Müller mehr Transparenz und Wettbewerb. „Wir sind davon überzeugt: Wir haben in der Komponente noch viel ungenutztes Potenzial, und dieses Potenzial wollen wir heben!“

Wie groß dieses Potenzial ist und in welchen Bereichen der Konzern Luft nach oben sieht, hat Müller noch nicht verkündet. Selbst über grundlegende Entscheidungen – etwa ob auch an Dritte geliefert werden soll – und den Zeitplan der Zusammenlegung will VW frühestens im Herbst sprechen.

Gemessen an der Mitarbeiterzahl könnte es ein hauseigener VW-Zulieferer gleich mit etablierten Branchengrößen wie etwa Mahle aufnehmen. Doch welche Auswirkungen hat es auf den bereits hart umkämpften Zulieferer-Markt, wenn mit den gebündelten VW-Komponenten ein neuer Konkurrent mitspielt?

1. Können die Komponentenwerke zu wettbewerbsfähigen Konditionen produzieren?

Ob noch Platz für einen weiteren Groß-Zulieferer ist, hängt nicht zuletzt vom weltweiten Absatz ab. Und da hakt es: „Das Wachstum der globalen Auto-Nachfrage geht mit großer Wahrscheinlichkeit zurück“, prognostiziert Thomas Gronemeier. „Wir hatten fünf, sechs gute Jahre, der Trend wird sich aber umkehren“, glaubt der Commerzbank-Analyst und Co-Autor der Studie „Branchenbericht Autozulieferer“. „Wir reden von keinem Weltuntergangs-Szenario, da die Industrie sich auf einem sehr hohen Ertragsniveau befindet. Aber der Wettbewerb wird ab 2017 noch intensiver und damit der Kostendruck.“

Die Komponentenwerke in Europa

  • Bosnien und Herzegowina

    Unternehmen: Volkswagen Sarajevo, d.o.o.

    Komponenten: Zahnkränze, Achszapfen, Radnaben

    Quelle: Volkswagen

  • Polen

    Unternehmen: Volkswagen Poznan Sp. z o.o.
    Komponenten: Gießerei für Caddy- und T6-Fertigung

    Unternehmen: Volkswagen Motor Polska Sp. z o.o.
    Komponenten: Motoren

  • Slowakei

    Unternehmen: Volkswagen Slovakia a.s.

    Komponenten: Getriebe (Bratislava, nur Montage), Getriebe- und Fahrwerkkomponenten (Martin)

  • Spanien

    Unternehmen: Seat
    Komponenten: Presswerk (Barcelona)

    Unternehmen: Seat Componentes
    Komponenten: Getriebe, Gießerei (El Prat)

  • Tschechien

    Unternehmen: Skoda Auto

    Komponenten: Gießerei, Schmiede (Mlada Boleslav), Getriebe (Vrchlabi)

  • Ungarn

    Unternehmen: Audi Hungaria Motor Kft.

    Komponenten: Motoren

  • England

    Unternehmen: Bentley Motors Ltd.

    Komponenten: Motoren

Dazu kommt: VW will nicht nur bei den eigenen Komponentenwerken „Potenziale heben“, sondern auch im Einkauf. Den externen Zulieferern droht also eine weitere Sparrunde, sie müssen noch knapper kalkulieren und günstiger produzieren.

Hier fangen die unangenehmen Fragen für VW an: Können die Komponentenwerke, wenn sie eigenständig auf dem Markt aktiv sind, im Preiskampf bestehen? Da der Beschluss laut Müller im Einvernehmen mit der Arbeitnehmerseite getroffen wurde, ist eine Bezahlung der Angestellten nach VW-Haustarif wahrscheinlich. Damit wären die Personalkosten vergleichsweise hoch – und die Margen eher gering.

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