Volkswagen und die CO2-Falschangaben: Whistleblower steckt hinter neuen VW-Enthüllungen

ThemaVolkswagen

exklusivVolkswagen und die CO2-Falschangaben: Whistleblower steckt hinter neuen VW-Enthüllungen

Bild vergrößern

Der neue VW-Chef Matthias Müller wurde nach Informationen der WirtschaftsWoche von einem Whistleblower auf die CO2-Unregelmäßigkeiten aufmerksam gemacht.

von Martin Seiwert und Franz W. Rother

Offiziell hat Volkswagen bei internen Untersuchungen von den falschen CO2-Angaben bei VW-Autos erfahren. Nach Informationen der WirtschaftsWoche kam der Fall aber durch einen internen Whistleblower ans Licht.

Die möglichen Manipulationen der CO2-Emissionsangaben von VW-Fahrzeugen kamen nach Informationen der WirtschaftsWoche durch einen internen Whistleblower ans Licht. Wie ein hochrangiger VW-Insider der WirtschaftsWoche berichtete, habe sich nach dem Aufruf von VW-Chef Matthias Müller, eine neue Unternehmenskultur zu schaffen, ein VW-Mitarbeiter direkt bei Müller gemeldet. Er habe ihm berichtet, dass bei Messungen auf dem Rollenprüfstand und bei der Auswertung der Messdaten aus dem europäischen NEFZ-Zyklus betrogen wurde.

Ziel des Betrugs war es offenbar, die Autos in die Effizienzklasse A des seit 2011 gültigen Öko-Labelings zu hieven. Dafür darf ein Auto nicht mehr als 99 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren. VW habe, so der Insider, nach dem Hinweis des Mitarbeiters die Tests nachgefahren und festgestellt, dass die Emissionen tatsächlich höher sind.

Anzeige

VW-Abgasaffäre Hat Volkswagen auch beim CO2 geschummelt?

Die Probleme für VW reißen nicht ab: Mit den "Unregelmäßigkeiten" bei CO2-Angaben erhält die Abgasaffäre eine neue Dimension – auch wenn es offenbar keine technische Manipulation war. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Bei einem Protest von Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace vor dem VW Werk in Wolfsburg (Niedersachsen) ist eine Pinocchio-Figur mit langer Nase zu sehen. Quelle: dpa

Mit seiner Darstellung widerspricht der Insider der offiziellen Version von VW, dass die möglichen Manipulationen im Rahmen der derzeit laufenden Überprüfungen von Prozessen und Abläufen bei Dieselmotoren aufgedeckt worden seien. Warum der Betrug zuvor unentdeckt blieb, ist unklar. Bei VW hegen hochrangige Manager den Verdacht, dass es Komplizen bei Prüforganisationen geben könnte. Ohne sie seien die Manipulationen kaum durchführbar.

VW bereitet sich auf Fahrzeugrückkäufe vor

Volkswagen will nach Informationen der WirtschaftsWoche eine neue Website für Kunden einrichten und bereitet sich auch auf Fahrzeugrückkäufe vor. Diese könnten bei gefälschten CO2-Angaben unausweichlich sein, weil damit auch die Berechnungen des Spritverbrauchs nicht korrekt wären. Kunden könnten mit dieser Begründung ihre Fahrzeuge zurückgeben.

Volkswagen hatte am Dienstagabend per Ad-Hoc-Mitteilung bekanntgegeben, man habe bei internen Untersuchungen "Unregelmäßigkeiten bei CO2-Werten" festgestellt. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien rund 800.000 Fahrzeuge des Konzerns betroffen , unter anderem von den Marken VW, Audi, Seat und Skoda. Die falschen CO2-Angaben bei Volkswagen betreffen laut Verkehrsminister Alexander Dobrindt auch 98.000 Benzinfahrzeuge.

VW US-Behörde untersucht mögliche Vertuschung von Sicherheitsmängeln

Für Volkswagen wird die Lage in den USA immer bedrohlicher: Die Verkehrssicherheitsbehörde überprüft, ob VW Sicherheitsprobleme und technische Mängel verschwiegen hat. Den Wolfsburgern drohen Milliardenklagen.

Quelle: dpa

"Betroffen sind ganz überwiegend Fahrzeuge mit Dieselmotoren", so die Mitteilung. Während die Benziner in dem Stickoxid-Skandal als unbelastet galten, ist bei der CO2-Unregelmäßigkeit auch mindestens ein Otto-Motor betroffen.

Die wirtschaftlichen Risiken im aktuellen CO2-Fall beziffert Volkswagen mit rund zwei Milliarden Euro – bei 800.000 betroffenen Fahrzeugen also rund 2.500 Euro pro Auto. Ob der Konzern für die neuen Risiken auch erneute Rückstellungen bildet, ist noch nicht klar. Für die zu erwarteten Kosten wegen des Manipulationsskandals bei den Stickoxid-Werten hatte Volkswagen im dritten Quartal bereits 6,7 Milliarden Euro zurückgestellt – und musste deshalb den ersten Quartalsverlust seit 15 Jahren verzeichnen.

Weitere Artikel

Mitte September hatte der damalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn eingestanden, dass der Autobauer bei 482.000 Dieselfahrzeugen in den USA eine Software eingesetzt hat, welche die Abgaswerte auf dem Prüfstand manipuliert. Innerhalb weniger Tage wurde jedoch bekannt, dass weltweit über elf Millionen Autos unterschiedlicher Konzernmarken mit dem sogenannten "Defeat Device" ausgestattet sind. Winterkorn musste zurücktreten, seit dem leitet der ehemalige Porsche-Chef Matthias Müller den Wolfsburger Konzern.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
WiWo Guide Unternehmenssuche

Finden Sie weitere Unternehmen aus der für Sie relevanten Branche. z.B.

  • Branchenführer: Luther Rechtsanwaltgesellschaft
  • Branchenführer: Rödl & Partner
  • Branchenführer: Flick Gocke Schaumburg
WiWo Guide Personensuche

Finden Sie weitere Spezialisten auf dem für Sie relevanten Fachgebiet, z.B.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%