Volkswagen: VW muss in China aufpassen

KommentarVolkswagen: VW muss in China aufpassen

von Sebastian Schaal

Nachdem VW 2015 in China weniger Autos verkauft hat, wollen die Wolfsburger dieses Jahr wieder Gas geben. Statt unbegrenzter Zuversicht ist aber Vorsicht angesagt – der Konzern wird zu abhängig von externen Faktoren.

Volkswagen rechnet in diesem Jahr mit einem Wachstum von rund sechs Prozent auf seinem wichtigsten Markt. „Ich bin ganz optimistisch“, sagte China-Vorstand Jochem Heizmann in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Trotz der im Vorjahr schlechten Absatzzahlen sei der Profit in China weiter „ordentlich“.

Das klingt zunächst einmal erfreulich, wenn einer der größten Konzerne Deutschlands nach einer kleinen Schwächephase auf einem so wichtigen Markt wieder wächst. China steht immerhin für einen gewaltigen Teil des Umsatzes für die Marke VW. Auch die Auswirkungen des Abgasskandals, der hierzulande seit Monaten die Schlagzeilen bestimmt, seien in China geringer, sagt Heizmann. Ohnehin seien nur wenige importierte Autos betroffen, da China ein Benziner-Land sei.

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Fahrzeugproduktion und -absatz in China seit 2008

  • 2008

    Produktion: 6,74 Millionen Autos und 2,56 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 6,76 Millionen Autos und 2,63 Millionen Nutzfahrzeuge

    Quelle: Statista.de

  • 2009

    Produktion: 10,38 Millionen Autos und 3,41 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 10,33 Millionen Autos und 3,31 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2010

    Produktion: 13,9 Millionen Autos und 4,37 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 13,76 Millionen Autos und 4,3 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2011

    Produktion: 14,49 Millionen Autos und 3,93 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 14,47 Millionen Autos und 4,03 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2012

    Produktion: 15,52 Millionen Autos und 3,75 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 15,5 Millionen Autos und 3,81 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2013

    Produktion: 18,09 Millionen Autos und 4,03 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 17,93 Millionen Autos und 4,06 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2014

    Produktion: 19,92 Millionen Autos und 3,8 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz: 19,7 Millionen Autos und 3,79 Millionen Nutzfahrzeuge

  • 2015

    Produktion (Januar-März): 5,31 Millionen Autos und 0,89 Millionen Nutzfahrzeuge

    Absatz (Januar-März): 5,31 Millionen Autos und 0,85 Millionen Nutzfahrzeuge

Wie wichtig China für Wolfsburg inzwischen ist, zeigt sich auch bei den Absatzzahlen für Januar. In Europa, Nord- und Südamerika gingen die Verkäufe teils zweistellig zurück. Dass die Kernmarke VW dennoch knapp im Plus lag, ist nur einem 15-Prozent-Wachstum in China zu verdanken – im Januar wurden sage und schreibe 58,8 Prozent aller Volkswagen im Reich der Mitte verkauft. Das wird Heizmann freuen, seine eigene Leistung ist dieses Absatzplus aber nicht: Steuerermäßigungen für Fahrzeuge mit maximal 1,6 Litern Hubraum haben den gesamten Markt angekurbelt.

VW schiebt wichtige Pläne auf

Solche Effekte wirken aber meist nur kurzfristig – bereits auf Quartalssicht kann das Januar-Plus vergessen sein. Von solchen Regierungsprogrammen darf sich Volkswagen nicht abhängig machen. Stattdessen braucht der Konzern Investitionen und neue Modelle, um die Kunden von sich aus zu überzeugen – und beides wackelt gerade gewaltig.

Die ursprünglichen Pläne, die Investitionen von mehr als vier Milliarden Euro pro Jahr in China vorsehen, ist Wolfsburg trotz der drohenden Kosten des Abgasskandals nicht abgerückt. Die geplante Aufstockung des Anteils an dem Joint Venture mit First Automotive Works wurde aber „aus Liquiditätsgründen“ um zwei bis drei Jahre verschoben.

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Der Abgasskandal hat VW erschüttert, keine Frage. Die Schuldfrage ist aber immer noch nicht beantwortet – und Volkswagen verzögert weiter. Konzernchef Müller muss die Aufklärung schneller vorantreiben. Ein Kommentar.

Volkswagen verschiebt seinen Jahresabschluss und die Hauptversammlung. Quelle: dpa

Ungleich schmerzhafter dürften jedoch die Verzögerungen beim „Budget Car“ genannten Billigauto-Projekt werden. Laut Heizmann laufen die Pläne für das Billigauto „auf Hochtouren“ – angedacht sind für 2018 oder 2019 eine Limousine und zwei SUV, die zwischen 11.000 und 16.000 Euro kosten sollen. Ob die wichtigen Modelle aber wirklich zu diesem Zeitpunkt marktreif sind, ist nach Informationen von „WirtschaftsWoche Online“ alles andere als sicher.

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Die Arbeiten an dem Projekt, das bereits seit Jahren aufgeschoben wird, ruhen laut einem Insider derzeit wieder. Der Entwicklungsauftrag sei zwar noch nicht geschlossen, als sogenanntes „Kellerprojekt“ genieße das Budget Car aber keine Priorität mehr – auch wenn öffentlich anders bekundet. Durch erneute Änderungen im Design – es soll um Details an den Lüftungsschlitzen im Innenraum gehen – verzögert sich das Projekt weiter und es entstehen erhebliche Mehrkosten.

Für Heizmann dürften das schlechte Nachrichten sein. Ohne wichtige Modelle in einem Segment, das Volkswagen bislang nicht bedient, und ohne das zusätzliche Mitspracherecht bei den chinesischen Partnern wird es für den China-Vorstand zunehmend schwieriger, das angepeilte Wachstum zu halten. Zumal die goldenen Zeiten zweistelliger Wachstumsraten ohnehin vorbei sind.

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