Volkswagen: Was Piëchs Ausstiegs-Pläne bedeuten

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Volkswagen: Was Piëchs Ausstiegs-Pläne bedeuten

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Ferdinand Piëch steht vor dem endgültigen Bruch mit VW.

von Sebastian Schaal und Martin Seiwert

Der VW-Konzern ohne Ferdinand Piëch – das war für viele kaum denkbar. Jetzt zeichnet sich der Ausstieg des Firmenpatriarchen ab – und sein Bruch mit Volkswagen hinterlässt viele offene Fragen. Eine Übersicht der Fragen, die den Hauptinvestor von Volkswagen in den kommenden Tagen und Wochen beschäftigen wird.

Autopatriarch, VW-König, Jahrhundert-Manager: Es gab viele Versuche, die überragende Bedeutung von Ferdinand Piëch für Volkswagen in Worte zu fassen. Nun könnte das Kapitel bald enden. Spätestens bei der Hauptversammlung der Porsche SE Ende Mai wäre Piëch ohnehin stark unter Druck geraten. Mit den am Freitag bekannt gewordenen Plänen zum Ausstieg aus der Porsche Holding dürfte er den Vorgang beschleunigt haben. Eine Übersicht der drängendsten Fragen.

Kommt Piëchs vollständiger Bruch mit Volkswagen?
Alles deutet darauf hin. Die Porsche SE bestätigte am Freitag, dass Ferdinand Piëch den Verkauf seiner Anteile plane. Der Ausgang der Verhandlungen sei aber offen. In der Porsche SE (PSE) haben die Familien Porsche und Piëch ihre Anteile an der Volkswagen AG gebündelt. Die Holding hält 52,2 Prozent der VW-Anteile, Ferdinand Piëch ist wiederum Eigentümer von 14,7 Prozent der Porsche-SE-Aktien. Mit seinem Ausstieg aus der Beteiligungsgesellschaft würde Piëch auch bei VW aussteigen, da er außerhalb der Holding keine VW-Aktien besitzt.

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Man könnte auch sagen: Piëch geht auf Distanz zu Volkswagen.

Aktionärsverteilung der Volkswagen AG

  • Porsche Holding PSE

    Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte PSE hält 52,2 Prozent der Volkswagen-Stammaktien.

    Quelle: Unternehmen, eigene Recherchen

  • Land Niedersachsen

    Das Land Niedersachsen ist in Besitz von 20,0 Prozent der Stammaktien. Damit hat die Staatskanzlei bei wichtigen Entscheidungen – etwa einer Kapitalerhöhung – ein Vetorecht, da bei Volkswagen solche Entscheidungen mit 80 Prozent der Stimmen plus einer Aktie getroffen werden müssen. Weitere Vorzüge für das Land Niedersachsen wurden nach einem EuGH-Urteil 2007 gestrichen.

  • Qatar Investment Authority

    Die Kataris haben sich im Zuge der Porsche-Übernahme 2009 mit 17 Prozent der Stammaktien eingekauft. Den Anteil hält der Staatsfonds bis heute, es sitzen auch zwei Vertreter Katars im Aufsichtsrat.

  • Freefloat

    10,8 Prozent der Stammaktien befinden sich in Streubesitz.

Wie schnell könnte der Verkauf über die Bühne gehen?
Die Familien wollen die endgültige Trennung offenbar so schnell wie möglich über die Bühne bringen. „Die Verhandlungen sind ernsthaft“, sagte ein Eingeweihter der Nachrichtenagentur Reuters. Der Insider rechnet damit, dass die Übernahme des Aktienpakets in den nächsten Wochen abgeschlossen wird, womöglich noch im März.

Welche Rolle spielt Piëch noch im VW-Konzern?
Ein Posten ist dem heute 79-jährigen Ex-Patriarchen geblieben: Er sitzt im Aufsichtsrat der Porsche SE. Bei der Hauptversammlung der Porsche SE am 30. Mai steht jedoch die komplette Neuwahl des Aufsichtsrats an. Wie die „Bild am Sonntag“ berichtete, soll laut einem Familienbeschluss Ferdinand Piëch keine Rolle mehr spielen. „Durch die Neuwahl gibt es die einmalige Chance, Ferdinand Piëch aus dem Gremium zu werfen“, sagte eine mit der Sache vertraute Person. Das könnte der Stein des Anstoßes gewesen sein, dass Piëch nun über den Verkauf seiner Beteiligung verhandelt.

Wie ändern sich die Machtverhältnisse in der Porsche SE?
Das kommt darauf an, wer Piëchs Anteile übernimmt. Die Familien haben ein Vorkaufsrecht, der Wert des Pakets wird auf gut eine Milliarde Euro geschätzt. Eine Übernahme wäre für die Familien zwar kostspielig, aber wichtig: So können sie verhindern, dass ein familienfremder Investor über Stammaktien und damit über Stimmrechte verfügt. Die Porsche SE ist das eigentliche Machtzentrum des Volkswagen-Konzerns.

Die Machtverteilung in der Porsche SE

  • Familie Ferdinand Piëch

    Der Familienzweig von Ferdinand Piëch hält 14,7 Prozent der PSE-Anteile.

  • Familie Hans Michel Piëch

    Der Familienzweig von Ferdinands Bruder Hans Michel Piëch hält 14,7 Prozent.

  • Familie Josef Ahorner

    Der Ahorner-Zweig der Familie ist über die Ehe der 2006 verstorbenen Louise Daxer-Piëch mit Josef Ahorner mit dem Clan verbunden. Dieser Familienzweig hält 4,3 Prozent an der Porsche SE. Aus diesem Zweig stammen der Audi-Aufsichtsrat Josef Michael Ahorner und die VW-Aufsichtsrätin Louise Kiesling.

  • Ferdinand Porsche Familien-Privat-Stiftung

    In dieser Stiftung haben die Nachfahren von Ferry Porsche ihre Anteile gebündelt. Zusammen mit Louise Kiesling aus dem Piëch-Clan, die ihre Anteile ebenfalls in die Porsche Stiftung eingebracht hat, kommt dieser Zweig auf 51,7 Prozent an der Porsche SE.

  • Porsche GmbH

    Die Porsche GmbH hält 14,6 Prozent an der Porsche SE. Eigentümer der Porsche GmbH ist die Salzburger Porsche Holding Gesellschaft m.b.H. Die Porsche Holding Salzburg ist nach eigenen Angaben das größte Automobilhandelsunternehmen in Europa und seit März 2011 eine 100-prozentige Tochter der Volkswagen AG.

Wer könnte die Anteile übernehmen?
Das ist die große Frage, die die Familien jetzt klären müssen. Möglich sind viele Modelle, etwa die 14,7 Prozent entsprechend dem Anteil auf die anderen an der PSE-Aktionäre umzulegen, wenn diese finanziell dazu in der Lage sind. Damit würde der Piëch-Familienzweig allerdings an Macht einbüßen. Wenn nicht die Balance zwischen den beiden Familienzweigen beeinflusst werden soll, müsste der Piëch-Clan die Aktion alleine stemmen. Über den Verlauf und Inhalte der Verhandlungen ist jedoch noch nichts bekannt. Der von Reuters zitierte Insider sagte, „die Familien Porsche und Piëch wissen, wie sie das finanzieren“.

Wolfgang Porsche hatte allerdings erst kürzlich in Genf betont, dass die Familien auch künftig allein das Sagen haben wollen bei der PSE.

Ferdinand Dudenhöffer vom Duisburger Center Automotive Research äußerte jedoch Zweifel, ob die Mitglieder der Familien Porsche und Piëch die Übernahme finanziell überhaupt stemmen können. Daher könnte der Verkauf auch eine Chance etwa für industrielle Investoren aus China sein.

Können Ferdinand Piëchs Kinder seine Rolle übernehmen?
Das ist sehr unwahrscheinlich. Keines seiner zwölf Kinder hat im VW-Reich eine wirklich gewichtige Funktion. „Wenn Ferdinand Piëch unter seinen Kindern einen potenziellen Nachfolger sehen würde, hätte er ihn für den VW-Aufsichtsrat nominiert“, vermutet Wolfgang Fürweger, der Biograf von Ferdinand Piëch.

Dabei hatte es durchaus einen Anwärter gegeben. Piëchs Sohn Ferdinand „Nando“ Piëch ist Immobilienunternehmer und besitzt ein namhaftes Feinkostgeschäft in Stuttgart. Von 2008 bis 2010 saß er im Aufsichtsrat der damaligen Porsche AG. Das Verhältnis zu seinem Vater soll allerdings nicht sonderlich herzlich sein. Mehr über die Familienmitglieder erfahren Sie in dieser Grafik.

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