Volkswagen: Wie der Autobauer in Hamburg die Mobilität fördern will

Volkswagen: Wie der Autobauer in Hamburg die Mobilität fördern will

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Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (rechts) und Volkswagen Konzernchef Matthias Müller.

Die viel beschworene „Mobilität der Zukunft“ ist oft wirklich noch Zukunftsmusik. Hamburg und VW wollen das Thema nun voranbringen. Vieles ist bisher erst im Planungsstadium – und es gibt schon Kritik.

Bei der neuen VW-Strategie für mehr Elektroautos und Mobilitätsdienste in Ballungsräumen bekommt Hamburg eine Schlüsselrolle. Der Konzern und die Hansestadt verabschiedeten am Montag ein Grundsatzpapier, das Vorstandschef Matthias Müller und Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) im Hamburger Rathaus unterschrieben.

Es geht um neue Ansätze in der Verkehrssteuerung, aber auch um autonomes Fahren und Parken, gemeinschaftlich genutzte Auto-„Pools“, E-Busse und die Senkung von Emissionen. Das Projekt läuft über drei Jahre. Viele Einzelvorhaben sind noch in Planung - und Skeptiker hinterfragen, warum sich ausgerechnet VW und Hamburg zusammentun.

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Müller sagte, bei Umwelt, Verkehr und Güteraustausch gebe es jede Mengen „Herausforderungen“: „Wo, wenn nicht in den Metropolen sollten wir diese Aufgaben lösen?“ Hamburg habe hier bereits viel Vorarbeit geleistet – es könne Modellstadt werden. Scholz sagte: „Aufgabe ist es, den wachsenden Verkehr zu bewältigen und sicherzustellen, dass die Lebensqualität unserer Bürger damit vereinbar ist.“

Der neue VW-Konzernvorstand

  • Matthias Müller

    Vorstandsvorsitzender und kommissarischer Vertriebsvorstand

  • Herbert Diess

    Markenvorstand Volkswagen-Pkw

  • Hans Dieter Pötsch

    Finanzvorstand (soll Vorsitzender des Aufsichtsrats werden)

  • Jochem Heinzmann

    China-Geschäft

  • Francisco Javier Garcia Sanz

    Beschaffung

  • Horst Neumann

    Personal und Organisation

  • Andreas Renschler

    Nutzfahrzeuge

  • Rupert Stadler

    Vorstandsvorsitzender Audi AG

  • Thomas Ulbrich

    Der Vorstandsbereich Produktion, derzeit noch kommissarisch geleitet von Thomas Ulbrich, entfällt.

Dienstleistungen neben dem reinen Automobilbau, die E-Mobilität und das autonome Fahren sind Kernpunkte in Volkswagens „Strategie 2025“. Sie soll den Umbau von Europas größtem Autohersteller vorantreiben. Parallel dazu muss VW wegen der Abgas-Affäre aber auch stark sparen.

„Verzichtsappelle oder Verbote werden nicht ans Ziel führen“, mahnte Müller mit Blick auf die innerstädtische Luftbelastung aus Verbrennungsmotoren. Die jüngste Debatte um die „blaue Plakette“ und schärfere Regeln in Umweltzonen waren allerdings auch von der von Volkswagen ausgelösten Diesel-Affäre mit angeheizt worden.

Die Tochter MAN beschloss mit den Verkehrsbetrieben Hamburg-Holstein und der Hamburger Hochbahn schon einen „intensiven Austausch bei der Entwicklung von E-Bussen“. In der Vereinbarung mit Hamburg heißt es jedoch auch: „Zurzeit steht Hamburg im Bereich der Luftqualität vor großen Herausforderungen, insbesondere was die Einhaltung des Stickstoffdioxid-Grenzwertes angeht.“ Anfang August hatte der Senat angekündigt, ein Verwaltungsgerichts-Urteil anzufechten, wonach die Stadt bis Ende Juni 2017 einen neuen Luftreinhalteplan vorlegen muss. „Wir machen nicht irgendetwas, was ganz hübsch aussieht, sondern es geht um reale Veränderungen einer ganzen Industrie“, sagte Scholz.

VW-Strategie 2025 Was Matthias Müller mit Volkswagen vor hat

Vom größten Autobauer der Welt zum größten Verlust der Konzerngeschichte: VW-Chef Mattias Müller muss den Konzern neu ausrichten. Was in seiner „Strategie 2025“ wirklich steht.

Nach VW-Skandal: Automobilkonzern im Umbau. Quelle: dpa Picture-Alliance

Die Umweltorganisation BUND und die vom grünen Koalitionspartner geleitete Umweltbehörde zeigten sich nicht überzeugt. Im Memorandum stehe „nichts, was wirklich wirksam in Richtung Lärm- und Luftschadstoff-Reduzierung gehen würde“, hieß es aus der Behörde. Man verlasse sich „nicht allein auf vage Absichtserklärungen“. Hamburgs BUND-Chef Manfred Braasch meinte: „Hier haben sich zwei angeschlagene Akteure zusammengetan, die etwas für ihr Image tun wollen.“

VW beteiligt sich mit 300 Millionen Dollar an Gett

Zum Ausbau seiner Dienstleistungssparte setzt Volkswagen auf die Partnerschaft mit dem Fahrdienst-Anbieter und Uber-Rivalen Gett. Hier beteiligt sich der Konzern mit 300 Millionen Dollar. VW-Digitalchef Johann Jungwirth hatte aber auch weitere Pläne etwa zu Roboter-Taxis angekündigt, eine Tochterfirma für die „e-mobility“ wird in Berlin angesiedelt. Für Mobilitätsdienste veranschlagt Müller bis 2025 einen zweistelligen Milliardenbetrag an Investitionen, bis dahin soll der Bereich „einen Umsatz in substanzieller Milliardenhöhe“ bringen.

Aktionärsverteilung der Volkswagen AG

  • Porsche Holding PSE

    Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte PSE hält 52,2 Prozent der Volkswagen-Stammaktien.

    Quelle: Unternehmen, eigene Recherchen

  • Land Niedersachsen

    Das Land Niedersachsen ist in Besitz von 20,0 Prozent der Stammaktien. Damit hat die Staatskanzlei bei wichtigen Entscheidungen – etwa einer Kapitalerhöhung – ein Vetorecht, da bei Volkswagen solche Entscheidungen mit 80 Prozent der Stimmen plus einer Aktie getroffen werden müssen. Weitere Vorzüge für das Land Niedersachsen wurden nach einem EuGH-Urteil 2007 gestrichen.

  • Qatar Investment Authority

    Die Kataris haben sich im Zuge der Porsche-Übernahme 2009 mit 17 Prozent der Stammaktien eingekauft. Den Anteil hält der Staatsfonds bis heute, es sitzen auch zwei Vertreter Katars im Aufsichtsrat.

  • Freefloat

    10,8 Prozent der Stammaktien befinden sich in Streubesitz.

Beim Carsharing ist VW in Deutschland noch abgeschlagen: Während BMW mit DriveNow oder Daimler mit Car2go stark vertreten sind, wurde das eigene, auf Hannover beschränkte Projekt Quicar Anfang des Jahres eingestellt. In Hamburg bewarb sich der Konzern nun mit der Stadt nach eigenen Angaben erfolgreich um das EU-Projekt „mySMARTlife“. Dabei geht es etwa um unter Nachbarn gemeinsam genutzte Autos und um weitere Ansätze der „shared mobility“ im Stadtteil Bergedorf.

Generell werden Geschäfte außerhalb der klassischen Autoproduktion für die Branche immer wichtiger. Bei jungen Leuten und in den großen Städten gilt eigener Autobesitz vielen als weniger wichtig, in der „sharing economy“ geht es mehr um geteilte und vernetzte Mobilität.

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