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KommentarVon Amtsmüdigkeit keine Spur: Volkswagen ohne Piëch? Ja, aber nicht jetzt

von Franz W. Rother

Die Spekulationen über einen Rücktritt des 76-jährigen Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch können nur der VW-Konkurrenz recht sein.

Der VW-Konzern eilt von einem Rekord zum nächsten. Mitverantwortlich für diesen fast märchenhaften Aufstieg: Der Aufsichtsratsvorsitzender Ferdinand Piëch.

Nun hat ihm der Automobilclub ADAC den "Gelben Engel" verliehen. "Mit der Ehrung würdigt das ADAC Präsidium die langjährige Innovations- und Visionskraft des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG, der heute als Aufsichtsratschef den zwölf Marken umfassenden Konzern zum erfolgreichsten Automobilhersteller der Welt entwickeln möchte", wie der Automobilclub am Mittwoche mitteilte.

Bild: dapd

Keiner ist unsterblich. Auch Ferdinand Karl Piëch nicht, der VW-Großaktionär und allmächtige Aufsichtsratsvorsitzende des Konzerns. Gut 76 Jahre ist er mittlerweile alt und natürlich nicht mehr so drahtig und forsch wie in jüngeren Jahren. Das Alter hat auch bei ihm seine Spuren hinterlassen. Wenn er in der kommenden Woche wieder über die IAA wandelt, wird seine Frau Uschi an seiner Seite sein, ihn stützen und schützen müssen. Auf der Frankfurter Automesse sind die Wege besonders lang, da kommen auch junge Leute ins Schwitzen und Schnaufen. F.K.P. wird es ruhig angehen lassen. Die Augen sind nicht mehr so gut, die Gelenke schmerzen. Beim Gang von Stand zu Stand immer mal wieder eine Pause einlegen, sich Ausstellungsstücke von seinen steten Begleitern erklären lassen und Gespräche mit anderen Granden der Autoindustrie führen. Die tun gut daran, den alten Mann nicht zu unterschätzen – in der mitunter etwas gebrechlich wirkenden Gestalt steckt immer noch ein scharfer Verstand und hellwacher Geist. Von Amtsmüdigkeit, hört man aus Piëchs Umgebung, könne keine Rede sein.

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Entsprechend heftig fiel das Dementi von Volkswagen auf Medienspekulationen aus, Piëch bereite aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug vom Posten des VW-Aufsichtsratsvorsitzenden vor. F.K.P. sei bei bester Gesundheit und bleibe „noch lange Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswagen AG.“ Und auch Martin Winterkorn werde „noch lange“ Vorstandschef von VW bleiben – er wird als Nachfolger von Piëch an der Spitze des Aufsichtsrats gehandelt. Beim pompösen Markenabend des VW-Konzerns am Vorabend der IAA-Eröffnung, heißt es in Wolfsburg, werde Piëch unter Beweis stellen, dass er körperlich fit und alles andere als amtsmüde sei – der Abend verspricht spannend zu werden.

Richtig an den Spekulationen ist: In Wolfsburg und in der Familie der VW-Großaktionäre Piëch-Porsche macht man sich – zu Recht - schon geraume Zeit Gedanken darüber, wer dereinst Piëch und Winterkorn an der Spitze des Konzerns nachfolgen könnten. Dass der VW-Chef an die Spitze des VW-Aufsichtsrats wechseln soll, ist ein offenes Geheimnis und wird derzeit auch von niemandem im engeren Führungskreis ernsthaft in Zweifel gezogen. Aber Winterkorn ist entschlossen, seinen noch bis 2016 laufenden Vertrag als Vorstandschef zu erfüllen, um den Konzern wie in der Strategie 2018 geplant an die Weltspitze zu führen. In der Zwischenzeit sollen andere, jüngere Spitzenmanager zeigen, dass sie das Zeug haben, von Winterkorn dereinst die Leitung des Konzerns zu übernehmen. Audi-Chef Rupert Stadler hat derzeit die besten Chancen dazu und auch die Fähigkeiten. Aber auch andere Kandidaten werden gehandelt: China-Vorstand Jochem Heizmann beispielsweise oder der aktuelle Skoda-Chef Winfried Vahland. Die Herren ahnen natürlich, dass über sie getuschelt wird. Aber sie hüten sich, darüber zu sprechen – denn wer zuckt, hat schon verloren. Zumal das Personalkarussell sich weiter schnell dreht und der eine oder andere auch schon hinausgeschleudert wurde. Karl Thomas Neumann ereilte dieses Schicksal und auch Wolfgang Dürheimer: Der eine scheiterte in China, der andere als Entwicklungschef von Audi.

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Wie es weitergeht, weiß wohl nur der liebe Gott und Ferdinand Piëch selbst, wobei manche in der VW-Welt glauben, dass es sich bei beiden um die gleiche Person handelt. F.K.P. selbst hält sich bedeckt: Er spielt seine Karten stets dicht vor der Brust und lässt allenfalls seine Frau hineinschauen. Natürlich ist auch er nicht vor Schicksalsschlägen gefeit. Aber verglichen mit Berthold Beitz, dem kürzlich im Alter von 99 Jahren verstorbenen Generalbevollmächtigten der Krupp-Stiftung, steht er noch im besten Alter.

Dass F.K.P. den Posten an der Spitze des Aufsichtsrats freiwillig abgibt, ist ohnehin nicht zu erwarten. „Wenn ich es geschafft habe oder sehe, dass nichts mehr schief gehen kann, dann wird es sehr eintönig“, schrieb er in seiner Auto-Biographie. Schief gehen aber kann im VW-Konzern auf dem Weg zum Global Champion noch eine ganze Menge. Und da ist es gut, wenn vorerst zwei erfahrene Skipper auf der Brücke bleiben. Auch wenn der eine gelegentlich unter Seekrankheit leidet.

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