VW-Abgas-Affäre: Was Volkswagen in den Werkstätten tun muss

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VW-Abgas-Affäre: Was Volkswagen in den Werkstätten tun muss

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VW-Dieselgate: Was Volkswagen bei der Rückrufaktion machen muss.

von Katja Joho

Volkswagen ruft nach dem Skandal um Abgas-Manipulationen die betroffenen Autos zurück in die Werkstatt. Das korrigiert zwar die Verfehlungen des Autobauers, macht die Motoren aber nicht besser. Im Gegenteil.

Nach dem Abgas-Skandal muss VW handeln. VW-Dieselwagen werden ab sofort zurückgerufen und „ausgebessert“, so der Schlachtplan des Wolfsburger Autobauers. Von einem Software-Update ist die Rede. Der Makel soll so mit einem Werkstattbesuch behoben werden können. Der Schritt ist notwendig für Kundenvertrauen, Imagekorrektur und nicht zuletzt auch aus rechtlichen Gründen.

„Wir arbeiten mit Hochdruck an einer technischen Lösung, die wir so rasch wie möglich dem Handel, unseren Kunden und der Öffentlichkeit präsentieren werden“, betonte etwa Herbert Diess, Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen Pkw. Ziel sei es, die Kunden schnellstmöglich zu informieren, „damit ihre Fahrzeuge vollumfänglich den Vorschriften entsprechen. Ich versichere Ihnen, dass Volkswagen alles Menschenmögliche unternehmen wird, um das Vertrauen unserer Kunden, der Händler und der Öffentlichkeit wieder zu gewinnen“, so Diess.

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Cover WiWo 41 Quelle: Torsten Wolber, Dmitri Broido; Foto: Getty Images

Rund fünf Millionen Fahrzeuge der Marke VW sollen zurück in die Werkstatt. Darunter der VW Golf der sechsten Generation, der Passat (7. Generation) und die erste Baureihe des Geländewagens Tiguan. Betroffene Kunden erfahren per Post, wenn auch ihr Fahrzeug nachgebessert werden muss. Audi-Kunden können inzwischen über eine eigens eingerichtete Website erfahren, ob ihr Auto betroffen ist. Die notwendigen technischen Lösungen, die bei dem angekündigten Rückruf nachgerüstet werden sollen, werden laut einem Unternehmenssprecher aber noch erarbeitet und den zuständigen Behörden im Oktober vorgestellt. Bis dahin heißt es erst einmal warten.

Der Schummel-Motor wird nicht mehr gebaut

Entscheidendes Stichwort: die Motornummer EA 189. Dieser Diesel-Motortyp mit 1,6- und 2-Litern Hubraum ist es, um den sich der Manipulationsskandal bislang dreht. Der EA (Entwicklungsauftrag) 189 wurde zwischen 2008 und 2013 verbaut und war eine Art Allzweckwaffe des Konzerns. Er kam bei VW vom Beetle bis zum Multivan zum Einsatz und auch in zahlreichen Modellen bei Audi, Seat und Skoda. Eventuell könnten laut Verkehrsminister Alexander Dobrindt darüber hinaus auch die 1,2-Liter-Diesel-Motoren betroffen sein. Sicher ist das aber noch nicht.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

In den neueren Modellen wie dem aktuellen Golf, Passat oder A3, die auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) des Konzerns basieren, kommt der Motor nicht mehr zum Einsatz – da wird der EA 288 verbaut.
Viele Umwelt-Experten fordern seit Bekanntwerden der Manipulationen einen solchen Rückruf. Für VW-Kunden heißt das zum einen, dass sie eine Zeit lang auf ihre Autos verzichten müssen. Zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Autos anders zurückkommen sehr hoch und das nicht nur in Bezug auf die Manipulationssoftware, sondern auch in Sachen Verbrauch und Leistung.

Ein sparsamerer Motor, ein erhöhter Verbrauch

Wenn Volkswagen die betroffenen Modelle zurückruft, bekommen die Fahrzeuge in den Werkstätten größter Wahrscheinlichkeit nach einfach ein Software-Update, um die Manipulationssoftware zu überspielen.
Konkret bedeutet das im positiven Sinne, dass die VW-Autos dann so fahren, wie es von vorneherein der Umwelt zuliebe hätte sein sollen – also in erster Linie mit niedrigeren Stickoxidwerten.

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Der oberste Auto-Lobbyist sieht den Abgas-Skandal als ein Problem von VW und sieht deutsche Hersteller beim Elektroantrieb gut gerüstet.

Matthias Wissmann Quelle: dpa

Diese Veränderung könnte gleichzeitig aber auch bedeuten, dass sich der Verbrauch der Fahrzeuge erhöht oder die Leistung beeinträchtigt wird: „Alle Abgasnachbehandlungsmaßnahmen haben Auswirkungen auf die Motorleistung und damit die Fahrbarkeit des Autos“, sagt Wolfgang Eifler, Inhaber des Lehrstuhls für Verbrennungsmotoren in der Fakultät für Maschinenbau der Ruhr-Universität Bochum (RUB). „Je mehr man zur Einhaltung der Abgasgrenzen vom optimalen Motorbetriebspunkt abweichen muss, desto mehr verliert der Motor an Drehmoment und an Beschleunigungsverhalten.“ Soll heißen: Die Abgase des Autos enthalten weniger Stickoxide, aber das Auto beschleunigt langsamer.

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