VW-Abgas-Skandal: Autozulieferer erwarten harte Preisrunde

VW-Abgas-Skandal: Autozulieferer erwarten harte Preisrunde

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Die Zuliefererindustrie erwartet wegen des VW-Skandals mit harten Preisverhandlungen.

Volkswagen will im Zuge des Abgas-Skandals offenbar rund drei Milliarden Euro bei den Zulieferern einsparen. Die spüren davon noch nichts – stellen sich aber auf harte Preisverhandlungen ein.

Die Autozulieferer stellen sich offenbar auf harte Preisverhandlungen mit dem Volkswagen-Konzern ein. Wie das Fachmagazin "Automobilwoche" berichtet, äußerten sich mehrere Zulieferer im Zuge des Abgasskandals kritisch zu den nächsten Verhandlungen. Medienberichten zufolge will VW wegen des Abgasskandals bei den Zulieferern rund drei Milliarden Euro einsparen.

"Man wartet, dass die Bombe platzt", zitiert die "Automobilwoche" den Vertriebschef eines Zulieferers, der nicht namentlich genannt werden wollte. Andere Manager kündigen jedoch offenen Widerstand gegen die Sparpläne an. "An unsere vertraglich zugesicherten Preisreduzierungen werden wir uns natürlich halten", sagte Elring-Klinger-Chef Stefan Wolf zu dem Blatt. "Aber wenn wir merken sollten, dass versucht wird, zusätzlich etwas zu holen, um die Belastungen aus dem Diesel-Skandal bei den Zulieferern abzuladen, dann werden wir uns auf die Hinterbeine stellen."

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VW-Abgasskandal: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. Quelle: dpa Picture-Alliance

Dem Verband der Automobilindustrie (VDA) sind noch keine Forderungen bekannt. "Ich kenne keinerlei geplante Sonderaktionen", so Arndt G. Kirchhoff, Sprecher der Zulieferer im VDA und Geschäftsführer der Kirchhoff-Holding. Der europäische Zuliefererverband CLEPA sieht jedoch auf kleinere Lieferanten große Probleme zukommen. "Der VW-Skandal wird das Geschäft verändern. Jeder Hersteller will jetzt in umweltfreundliche Technologien investieren, doch nicht alle haben die finanziellen Mittel", sagte CLEPA-Chef Paul Schockmel der "Automobilwoche". "Der Kostendruck auf die Zulieferer wird damit noch zunehmen."

Continental spürt noch keine Auswirkungen

Bis sich die Folgen des Skandals auf die Bilanzen der Zulieferer durchschlagen, dürfte es noch etwas dauern. Bei Continental, wo Volkswagen einer der größten Kunden ist, hat die Abgasaffäre nach Aussage des Finanzchefs noch keine Spuren hinterlassen. „Wir sehen da keine Veränderung in den letzten acht Wochen“, sagte Wolfgang Schäfer bei der Vorlage der Quartalszahlen im November. „Weder in den USA noch in Europa sehen wir eine Verschiebung von Diesel hin zu Benziner oder einen stärkeren Rückgang im Dieselmarkt.“ Der Manager gab aber gleichzeitig zu bedenken, dass es noch zu früh sei für Aussagen zu möglichen mittelfristigen Folgen.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Conti gehört neben Konkurrenten wie Bosch zu den weltgrößten Autozulieferern und ist einer der größten VW-Partner. Schäfer sagte, dass Dieselmotoren technisch aufwendiger seien und damit tendenziell auch mehr Umsatz und Ertrag brächten. Da es bei Benzinmotoren aber auch den Trend gebe, mit zusätzlicher Technik wie Turboladern die gleiche oder mehr Leistung trotz sinkender Hubräume zu realisieren („Downsizing“), sei das Ottomotoren-Geschäft in der Summe für Conti nicht zwangsläufig weniger interessant als das mit Dieseln.

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