VW-Abgas-Skandal: Bei Volkswagen macht sich verhaltener Optimismus breit

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VW-Abgas-Skandal: Bei Volkswagen macht sich verhaltener Optimismus breit

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Bei der "Auto-Trophy" räumten VW-Produkte groß ab.

von Franz W. Rother

Es war ein Stimmungstest unter Auto-Käufern: Bei der Leser-Wahl Auto-Trophy räumte VW groß ab - trotz Abgasskandal. Auch Analysten fassen wieder Hoffnung, bei der Aktie ging es bergauf.

Das Cruise Center Altona ist ein Ort zum Träumen. Vor wenigen Tagen brach von hier aus die „Magellan“ zu einer Kreuzfahrt in die Karibik auf, am 8. Januar wird hier an der Norderelbe die Queen Elisabeth 2 Anker werfen. Es riecht nach Fisch und Tang, noch stärker nach Abenteuer und Urlaub, auch wenn in dem stylischen Gebäude am Elbufer an diesem Tag keine Reisenden einchecken, sondern Spitzenmanager der Autoindustrie: Unter dem Thema „World's Best Cars“ prämiert die im Bauer-Verlag erscheinende "Autozeitung" die Gewinner einer internationalen Leserwahl – die besten Autos des Jahres in zwölf Klassen, dazu das beste Design, die beste Marken, das innovativste Fahrzeug, aber auch die Marke mit dem besten Qualitätsimage.

Die Wahl barg jede Menge Spannung, aber auch Sprengstoff. Denn die Verleihung der so genannten Auto-Trophys stand dieses Jahr, na klar, ganz im Zeichen des VW-Abgasskandals: Abgegeben wurden die insgesamt 74.921 Stimmen im Oktober, als die Tricksereien und Betrügereien an Dieselfahrzeugen aus dem Konzern längst Schlagzeilen machen. Die Wahl war insofern auch ein Stimmungstest, ein Seismograph, wie es Chefredakteur Volker Kordt formulierte: Würde der VW-Konzern abgestraft – oder haben die Berichte über manipulierte Abgaswerte die Autofahrer in Deutschland wie im Ausland kalt gelassen?

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Von den Vorständen des Volkswagen-Konzerns, die in der Abenddämmerung vor dem Hamburger Kreuzfahrtterminal aus ihren Dienstwagen klettern, sehen einige aus, als könnten sie einen Urlaub gut gebrauchen: Bald acht Wochen ist es her, dass im fernen Amerika Cynthia Giles von der US-Umweltbehörde EPA den VW-Abgasskandal lostrat. Seitdem steht der Konzern Kopf, ging die Aktie auf Talfahrt, wurden einige Manager gefeuert, etliche mehr beurlaubt. Es gab Beförderungen und Versetzungen, Hausdurchsuchungen und Mitarbeiterversammlungen, Anhörungen und allerlei unangenehme Gespräche, mit Ministern und Behördenleitern, die mit Milliardenstrafen für den Konzern drohten, mit Steuernachzahlungen und Schadenersatzforderungen.

Vor allem aber gab es jede Menge Überstunden, für die Manager, aber noch mehr für die Ingenieure: Seit Ende September laufen auf den Prüfständen in Wolfsburg und auf der Teststrecke im nahen Ehra-Lessien Dieselautos beinahe im Dauerbetrieb. Erst galt es, die Ursachen für die auffälligen Schadstoffwerte zu ermitteln. Dann mussten die technischen Maßnahmen entwickelt werden, mit denen in den kommenden Monaten rund elf Millionen Autos in aller Welt nachgebessert werden sollen.

Das alles hat an den Kräften und Nerven gezehrt. Audi-Chef Rupert Stadler sieht jedenfalls bei seinem Eintreffen in Hamburg deutlich blasser aus als sonst, auch der frischgebackene VW-Marketingvorstand Jürgen Stackmann war schon besser drauf. Bernhard Maier, seit Anfang November Vorstandschef von Skoda, muss sich in seiner neuen Rolle wie in seiner neuen Heimat Tschechien erst noch zurechtfinden. Am lockersten gibt sich im Kreuzfahrtterminal noch Eckhard Scholz drauf, der Vorsitzende des Markenvorstands von VW Nutzfahrzeuge. Dabei sind auch rund 1,8 Millionen Fahrzeuge aus seiner Produktion vom Abgasskandal betroffen: „Da hilft kein Abtauchen  – da müssen wir jetzt durch“, lautet seine Devise. Freddy Quinn hätte an der Stelle vermutlich das Lied vom unerschütterlichen Seemann angestimmt.

Die vergleichsweise gute Laune von Scholz erklärt sich später mit dem Ergebnis der Leserwahl in der Kategorie „Bester Van“ – die Trophäe gab es für den neuen VW Multivan. Auch die Mienen seiner Kollegen hellten sich rasch auf: Audi-Chef Stadler konnte gleich fünf Preise mit nach Ingolstadt nehmen – für den A1, den A3, R8 und Q7 und das beste Design weltweit. Stackmann nahm einen Preis für den neuen VW Tiguan in Empfang, Skoda-Chef Maier zum Einstand gleich zwei für den neuen Octavia und die beste Importmarke des Jahres. Und gefreut hat sich Maier sicher auch über gleich drei Preise für den Porsche 911 – vor seiner Berufung nach Tschechien war Maier bei der Sportwagenmarke fünf Jahre lang für Marketing und Vertrieb verantwortlich.

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