VW-Abgas-Skandal: Betriebsratschef: Noch keine Auswirkungen auf Verkäufe

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VW-Abgas-Skandal: Betriebsratschef: Noch keine Auswirkungen auf Verkäufe

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VW spürt im Zuge des Abgas-Skandals noch keine Auswirkungen auf die Verkäufe.

Rund einen Monat nach dem Aufkommen des Abgas-Skandals bei VW spürt der Autobauer noch keine Auswirkungen beim Absatz. Laut den obersten Arbeitnehmervertretern im Konzern ist das aber noch kein Grund zur Entwarnung.

Der Abgas-Skandal bei Volkswagen ist in der ersten Oktoberhälfte laut der Arbeitnehmervertretung noch nicht auf die Verkäufe des Konzerns durchgeschlagen. „Es gibt noch keine Anzeichen dafür“, sagte VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh am Dienstag in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Das gelte auch explizit mit Blick auf den wichtigen Heimatmarkt Deutschland und Europa. „Und das Gute ist ja auch: Unsere aktuellen EA-288 Euro-6-Diesel, die jetzt beim Händler stehen, sind gar nicht betroffen.“ Osterloh betonte aber, es sei noch viel zu früh für eine Entwarnung. „Es wäre Blödsinn, heute den Leuten zu sagen „Dein Arbeitsplatz ist sicher“, wenn ich das im Moment gar nicht sagen kann. Man muss auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.“

So könnte VW die "Dieselgate"-Kosten schultern

  • Kann sich der Konzern das leisten?

    Der Abgas-Skandal kratzt nicht nur am Image des Volkswagen-Konzerns - er dürfte vor allem sehr teuer werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Kosten des Skandals und wie VW sie stemmen könnte.

    Quelle: dpa

  • Mit welchen Kosten muss VW rechnen?

    Darüber rätseln Beobachter derzeit. Bislang bekannt ist: Volkswagen hat 6,5 Milliarden Euro für Kosten aus dem Abgas-Skandal zurückgelegt. Das Geld ist aber wohl in erster Linie für eine technische Umrüstung der Autos mit Manipulations-Software bestimmt, wie Finanzchef Hans Dieter Pötsch laut dem Fachblatt „Automobilwoche“ kürzlich vor VW-Managern erklärte. Unklar ist, welche Strafzahlungen auf VW zukommen. Dazu dürften noch mindestens drei andere mögliche Kostenblöcke kommen: Strafzahlungen, Schadenersatzforderungen, Anwaltskosten. Wie hoch diese Ausgaben sein werden, lässt sich derzeit nur grob schätzen. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet derzeit mit einem Schaden von 47 Milliarden Euro für den Konzern. Ein möglicher Imageverlust und damit verbunden ein Rückgang der Autoverkäufe ist dabei noch nicht eingerechnet. Allerdings werden die Kosten wohl nicht auf einmal anfallen, sondern sich über Jahre verteilen.

  • Wie viel Geld hat VW auf der hohen Kante?

    Vergleichsweise viel. VW hat sich in den vergangenen Jahren ein stattliches Kapitalpolster zugelegt. Zur Jahresmitte hatte der Konzern rund 18 Milliarden Euro Bargeld auf dem Konto. Das ist mehr als ganze Dax-Konzerne wie Adidas oder Lufthansa einzeln an der Börse wert sind. „Über den Daumen gepeilt kann VW davon die Hälfte verwenden, um mögliche Kosten zu begleichen“, sagt Nord-LB-Analyst Frank Schwope. Dazu kommen bei VW noch schnell veräußerbare Wertpapiere über 15 Milliarden Euro und Schätzungen zufolge mindestens 5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Beteiligungen am ehemaligen Partner Suzuki und an einer niederländischen Leasingfirma.

  • Könnte VW durch den Abgasskandal pleitegehen?

    Das ist sehr unwahrscheinlich. VW könnte sich über Anleihen und Kredite Geld leihen, auch wenn einige Ratingagenturen ihre Bewertungen der Kreditwürdigkeit des Konzerns zuletzt angepasst hatten. Wenn es irgendwann hart auf hart käme, könnte Volkswagen immer noch sein Tafelsilber verkaufen. Am einfachsten ließen sich wohl die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini aus dem Konzern herausnehmen. Nord-LB-Analyst Schwope schätzt den möglichen Verkaufserlös für die drei Marken und den Motorradhersteller Ducati auf 5 bis 10 Milliarden Euro. Durch einen Verkauf der Lastwagenbauer MAN und Scania ließen sich nach seinen Berechnungen sogar 30 bis 35 Milliarden Euro erzielen. Das wertvollste Juwel in der Sammlung, den Sportwagenbauer Porsche, dürften die VW-Anteilseigner kaum abgeben wollen.

  • Könnte sich Volkswagen über eine Kapitalerhöhung Geld besorgen?

    Nur begrenzt. Eine Kapitalerhöhung - also die Ausgabe neuer Aktien - ist bei VW nicht so leicht wie in anderen Konzernen. Damit die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen als Anteilseigner ihre Macht im Konzern nicht verlieren, darf sich deren jeweiliger Anteil an den Stammaktien nicht stark verringern. Vor allem Niedersachsen dürfte aber derzeit kaum ein Interesse daran haben, weitere Stammaktien zu kaufen und Geld in den VW-Konzern zu stecken. VW könnte deshalb wohl höchstens neue Vorzugsaktien ausgeben, das sind Aktien ohne Stimmrecht auf der Hauptversammlung des Konzerns. Laut Aktiengesetz darf die Zahl dieser Vorzugsaktien die Zahl der Stammaktien allerdings nicht übersteigen. VW könnte deshalb höchstens rund 114 Millionen neue Aktien ausgeben und damit auf Basis derzeitiger Kurse rund 11 Milliarden Euro einsammeln.

  • An welchen Stellen kann VW für die Bewältigung der Krise sparen?

    In der Regel setzen Sparmaßnahmen bei großen Konzernen zuerst bei den Mitarbeitern an: Weniger Gehalt, Einstellungsstopps, bis hin zu Stellenstreichungen und Entlassungen. Bei Volkswagen wäre das allerdings nicht so einfach. Die Arbeitnehmervertreter haben in Wolfsburg deutlich mehr Macht als in anderen Konzernen. Einfacher wäre die Kürzung geplanter Investitionen. Hier hatte Volkswagen angepeilt, bis 2019 eine Summe von mehr als 100 Milliarden Euro in Standorte, Modelle und Technologien zu stecken. Laut Experte Schwope könnte VW hier den Rotstift ansetzen und so 2 Milliarden Euro jährlich sparen, vor allem bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Nur: Dann besteht die Gefahr, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Der Zeitpunkt wäre denkbar ungünstig - die Autoindustrie steht durch Digitalisierung und Elektroantriebe vor einem Umbruch.

Das unterstreicht auch IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. „Wir können im Moment nur über Szenarien reden. Aber wenn ein Szenario eintritt, müssen wir handlungsfähig sein“, sagte Hofmann. „Und deswegen ist es eine Gratwanderung, nicht Kassandra zu rufen, wo nicht Kassandra zu rufen ist. Aber wir müssen für den Fall der Fälle vorbereitet sein“, sagte er in dem dpa-Doppel-Interview mit Osterloh.

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Hofmann betonte, dass dabei auch der SPD-Vorstoß für eine Ausweitung der Kurzarbeiterregel auf die Leiharbeiter entscheidend sei. Das Argument der Union, wonach mittelständische Firmen niemals eine solche Chance bekämen, wies Hofmann zurück. „Das ist eine ziemliche Blödsinns-Argumentation. Wer ist denn betroffen in der Wertschöpfungskette? Doch wohl in der Regel auch der mittelständische Zulieferer“, argumentierte Hofmann. Es gehe nicht um die bedingungslose Öffnung der Kurzarbeit für Leiharbeit.

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Osterloh wies zudem eine Mitschuld der Arbeitnehmerseite an dem Skandal zurück. „Wir konnten das nicht wissen. Ich bin kein Softwareentwickler. Und Mitbestimmung bei der Motorenentwicklung haben wir nun wahrlich nicht. Woher hätten wir es wissen sollen? Überschätzen sie die Mitbestimmung nicht“, sagte er. Bei der Frage, wie groß die Gruppe der Mitwisser bei den Manipulationen gewesen sein dürfte, bat er um Geduld: „Warten wir mal die Ergebnisse des Sonderausschusses ab, den der Aufsichtsrat eingesetzt hat.“

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