VW-Abgas-Skandal: Volkswagen droht sofortige Rückzahlung von EU-Krediten

VW-Abgas-Skandal: Volkswagen droht sofortige Rückzahlung von EU-Krediten

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Die Antibetrugsbehörde der EU droht mit Konsequenzen im VW-Abgas-Skandal.

Von der Europäischen Investitionsbank hatte Volkswagen für den Bau umweltfreundlicher Motoren Kredite in Milliardenhöhe bekommen. Jetzt könnte die sofortige Rückzahlung von noch ausstehenden Krediten drohen.

Die EU-Antibetrugsbehörde Olaf hat Volkswagen wegen der Abgas-Affäre vor finanziellen Konsequenzen gewarnt. Der Autobauer habe von der Europäischen Investitionsbank EIB günstige Kredite erhalten, um umweltfreundliche Motoren zu entwickeln sagte Olaf-Chef Giovanni Kessler in einem Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Samstagausgabe). "Das hat das Unternehmen aber vielleicht gar nicht gemacht, und dann wäre das Betrug."

Im schlimmsten anzunehmenden Fall müsste Volkswagen die noch ausstehenden Kredite sofort zurückzahlen. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, würde VW Kessler zufolge von der EIB auch keine neuen Kredite mehr bekommen. "Bis das Ergebnis unserer Untersuchung vorliegt, wird es einige Monate dauern", sagte er.

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So könnte VW die "Dieselgate"-Kosten schultern

  • Kann sich der Konzern das leisten?

    Der Abgas-Skandal kratzt nicht nur am Image des Volkswagen-Konzerns - er dürfte vor allem sehr teuer werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Kosten des Skandals und wie VW sie stemmen könnte.

    Quelle: dpa

  • Mit welchen Kosten muss VW rechnen?

    Darüber rätseln Beobachter derzeit. Bislang bekannt ist: Volkswagen hat 6,5 Milliarden Euro für Kosten aus dem Abgas-Skandal zurückgelegt. Das Geld ist aber wohl in erster Linie für eine technische Umrüstung der Autos mit Manipulations-Software bestimmt, wie Finanzchef Hans Dieter Pötsch laut dem Fachblatt „Automobilwoche“ kürzlich vor VW-Managern erklärte. Unklar ist, welche Strafzahlungen auf VW zukommen. Dazu dürften noch mindestens drei andere mögliche Kostenblöcke kommen: Strafzahlungen, Schadenersatzforderungen, Anwaltskosten. Wie hoch diese Ausgaben sein werden, lässt sich derzeit nur grob schätzen. Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet derzeit mit einem Schaden von 47 Milliarden Euro für den Konzern. Ein möglicher Imageverlust und damit verbunden ein Rückgang der Autoverkäufe ist dabei noch nicht eingerechnet. Allerdings werden die Kosten wohl nicht auf einmal anfallen, sondern sich über Jahre verteilen.

  • Wie viel Geld hat VW auf der hohen Kante?

    Vergleichsweise viel. VW hat sich in den vergangenen Jahren ein stattliches Kapitalpolster zugelegt. Zur Jahresmitte hatte der Konzern rund 18 Milliarden Euro Bargeld auf dem Konto. Das ist mehr als ganze Dax-Konzerne wie Adidas oder Lufthansa einzeln an der Börse wert sind. „Über den Daumen gepeilt kann VW davon die Hälfte verwenden, um mögliche Kosten zu begleichen“, sagt Nord-LB-Analyst Frank Schwope. Dazu kommen bei VW noch schnell veräußerbare Wertpapiere über 15 Milliarden Euro und Schätzungen zufolge mindestens 5 Milliarden Euro aus dem Verkauf der Beteiligungen am ehemaligen Partner Suzuki und an einer niederländischen Leasingfirma.

  • Könnte VW durch den Abgasskandal pleitegehen?

    Das ist sehr unwahrscheinlich. VW könnte sich über Anleihen und Kredite Geld leihen, auch wenn einige Ratingagenturen ihre Bewertungen der Kreditwürdigkeit des Konzerns zuletzt angepasst hatten. Wenn es irgendwann hart auf hart käme, könnte Volkswagen immer noch sein Tafelsilber verkaufen. Am einfachsten ließen sich wohl die Luxusmarken Bentley, Bugatti und Lamborghini aus dem Konzern herausnehmen. Nord-LB-Analyst Schwope schätzt den möglichen Verkaufserlös für die drei Marken und den Motorradhersteller Ducati auf 5 bis 10 Milliarden Euro. Durch einen Verkauf der Lastwagenbauer MAN und Scania ließen sich nach seinen Berechnungen sogar 30 bis 35 Milliarden Euro erzielen. Das wertvollste Juwel in der Sammlung, den Sportwagenbauer Porsche, dürften die VW-Anteilseigner kaum abgeben wollen.

  • Könnte sich Volkswagen über eine Kapitalerhöhung Geld besorgen?

    Nur begrenzt. Eine Kapitalerhöhung - also die Ausgabe neuer Aktien - ist bei VW nicht so leicht wie in anderen Konzernen. Damit die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen als Anteilseigner ihre Macht im Konzern nicht verlieren, darf sich deren jeweiliger Anteil an den Stammaktien nicht stark verringern. Vor allem Niedersachsen dürfte aber derzeit kaum ein Interesse daran haben, weitere Stammaktien zu kaufen und Geld in den VW-Konzern zu stecken. VW könnte deshalb wohl höchstens neue Vorzugsaktien ausgeben, das sind Aktien ohne Stimmrecht auf der Hauptversammlung des Konzerns. Laut Aktiengesetz darf die Zahl dieser Vorzugsaktien die Zahl der Stammaktien allerdings nicht übersteigen. VW könnte deshalb höchstens rund 114 Millionen neue Aktien ausgeben und damit auf Basis derzeitiger Kurse rund 11 Milliarden Euro einsammeln.

  • An welchen Stellen kann VW für die Bewältigung der Krise sparen?

    In der Regel setzen Sparmaßnahmen bei großen Konzernen zuerst bei den Mitarbeitern an: Weniger Gehalt, Einstellungsstopps, bis hin zu Stellenstreichungen und Entlassungen. Bei Volkswagen wäre das allerdings nicht so einfach. Die Arbeitnehmervertreter haben in Wolfsburg deutlich mehr Macht als in anderen Konzernen. Einfacher wäre die Kürzung geplanter Investitionen. Hier hatte Volkswagen angepeilt, bis 2019 eine Summe von mehr als 100 Milliarden Euro in Standorte, Modelle und Technologien zu stecken. Laut Experte Schwope könnte VW hier den Rotstift ansetzen und so 2 Milliarden Euro jährlich sparen, vor allem bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Nur: Dann besteht die Gefahr, von der Konkurrenz abgehängt zu werden. Der Zeitpunkt wäre denkbar ungünstig - die Autoindustrie steht durch Digitalisierung und Elektroantriebe vor einem Umbruch.

Die EIB hatte bereits im Oktober erklärt, sie prüfe wegen des Abgas-Skandals eine Rückforderung von noch nicht zurückgezahlten Krediten von 1,8 Milliarden Euro. Die EIB hat Volkswagen nach eigenen Angaben seit 1990 rund 4,6 Milliarden Euro an günstigen Krediten gewährt, mit denen unter anderem die Entwicklung sauberer Motoren vorangetrieben werden sollte

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3 Kommentare zu VW-Abgas-Skandal: Volkswagen droht sofortige Rückzahlung von EU-Krediten

  • VW hat doch bereits zugegeben, bei den Abgaswerten manipuliert zu haben. Von daher verstehe ich nicht, was es da noch monatelang zu prüfen gibt. Meiner Ansicht nach wurden die Kredite zum Bau umweltfreundlicher Motoren zu Unrecht vergeben und sind selbstverständlich zurück zu zahlen.

    Bedauerlicherweise wird das vermutlich wieder auf dem Rücken der Arbeitnehmer stattfinden. Denjenigen, die das Ganze veranlasst haben, wird vermutlich wieder einmal nicht ein Haar gekrümmt werden.

  • Frau Dörr, ich bezweifle, dass das Ganze ohne Rückendeckung der Politik möglich war. Jetzt tut die Politik so als hätten sie nichts gewusst. Wer hat den diese völlig weltfremden Testszenarien zugelassen? Die Spatzen haben es von den Dächern gezwitschert, dass die angegebenen Verbrauchswerte völliger Quatsch sind. Und lesen Sie auch einmal den Artikel von Prof. Otte hier. Die Amerikaner machen hier klare Industriepolitik gegen deutsche Diesel-PKW mit absurd niedrigen Emissionswerten, lassen ihre Diesel-LKW-Wahnsinns-Dreckschleudern aber selbst völlig unbehelligt fahren. Nicht, dass ich den Betrug gut finde, aber der Gesamtkontext der Geschichte ist aus meiner Sicht von allen Seiten total verlogen.

  • Herr Grumbel, der Artikel von Prof. Otte ist wirklich sehr gut und die Zusammenhänge werden sachlich erklärt. Vielen Dank für den Hinweis. Man kann dem nur zustimmen.

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