VW-Abgas-Skandal: Wolfgang Porsche will Arbeitsplätze bei VW erhalten

VW-Abgas-Skandal: Wolfgang Porsche will Arbeitsplätze bei VW erhalten

, aktualisiert 02. Dezember 2015, 13:26 Uhr
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Ein teilweise abgerissenes Transparent im VW-Werk Wolfsburg: "Wir brauchen Transparenz, Offenheit, Energie und Mut. Vor allem aber brauchen wir: Euch."

Zum zweiten Mal seit dem Bekanntwerden der Abgasaffäre trifft sich die VW-Belegschaft zur Betriebsversammlung. Aufsichtsrat und Vorstand wollen Ängste um Arbeitsplätze nehmen – dennoch ist die Stimmung gedrückt.

Volkswagen kann im Kampf gegen die Abgaskrise auf die Eigner-Familien Porsche und Piech zählen. Aufsichtsratsmitglied Wolfgang Porsche sagte am Mittwoch vor rund 20.000 Beschäftigten im Wolfsburger Stammwerk, Arbeitsplätze dürften nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. „Wir wissen: Arbeitsplätze sind ein sehr hohes Gut“, sagte er nach Angaben von Teilnehmern unter dem Applaus der Mitarbeiter. „Die Familien Porsche und Piech stehen zur Beschäftigungssicherung bei Volkswagen durch ein stabiles und erfolgreiches Unternehmen“, fügte er hinzu. Porsche lobte das neue Management um VW-Chef Matthias Müller für die bisherige Aufklärungsarbeit und bekannte sich zur Mitbestimmung der Beschäftigten bei VW. Damit sei der Konzern in den vergangenen Jahren nicht schlecht gefahren.

Die Aufklärung der Abgasaffäre sei derzeit das Wichtigste für Volkswagen, betonte Porsche. „Niemand darf den Kopf in den Sand stecken. Niemand darf glauben, dass der Abgasskandal wie ein Gewitter vorbeizieht und danach wie aus heiterem Himmel wieder schönes Wetter kommt.“ Er sei stolz darauf, dass Müller und Betriebsratschef Bernd Osterloh dies genauso sähen. Er selbst habe sich ebenfalls der Aufklärung verpflichtet. Porsche leitet den Sonderausschuss, der Licht in die Dieselaffäre bringen soll. Der Aufsichtsrat will Mitte Dezember eine Zwischenbilanz der Aufklärung ziehen.

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Autolobby und der "Vorfall VW" Der verzweifelte Kampf um den Diesel

Der VW-Skandal setzt den Verband der Automobilindustrie (VDA) unter Druck. Die politische Unterstützung in Berlin und Brüssel für die Autohersteller schwindet. Nun will der Verband gegensteuern.

Der Abgasskandal um VW kratzt am Image der gesamten Auto-Industrie. Quelle: rtr

Osterloh sagte, die Sorgen der Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze seien in den vergangenen Wochen nicht kleiner geworden. Trotzdem müsse der Abgasskandal lückenlos aufgeklärt werden. Es gehe darum, verlorenes Vertrauen bei Kunden, in der Öffentlichkeit und an den Kapitalmärkten zurückzugewinnen. Er forderte, Beschäftigungsmöglichkeiten für Leiharbeiter, deren Jobs in Gefahr gerieten, außerhalb des Konzerns zu suchen. Am Standort Wolfsburg könne er jedenfalls für das erste Quartal noch Entwarnung geben. „Wir hoffen aber, dass uns die Kunden die Treue halten.“ Osterloh zufolge verunsichert hierzulande vor allem die Manipulation von CO2-Angaben die Kunden. Die falschen Kohlendioxid-Werte hätten eine größere Vertrauenskrise ausgelöst als die Manipulation von Stickoxidwerten bei Dieselmotoren.

T-Shirts gegen die Krise

Zum Schluss der Rede übergab Osterloh Teilnehmern zufolge T-Shirts mit dem VW-Logo und der Aufschrift „Ein Team – eine Familie“ an Wolfgang Porsche sowie die Aufsichtsratsmitglieder Louise Kiesling und Hans Michel Piech. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel erhielt ebenfalls ein solches T-Shirt. Er war Teilnehmern zufolge bei der Betriebsversammlung dabei.

In den USA, wo der Dieselskandal seinen Ausgang nahm, sind bereits tiefe Spuren im Absatz zu erkennen. Dort brachen die Neuzulassungen von VW im November um ein Viertel ein. Auch in Deutschland brachte der Konzern im November weniger Autos auf die Straße als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Neuzulassungen der Pkw-Kernmarke VW sank im zweiten Monat nach dem Bekanntwerden des Abgas-Skandals um zwei Prozent auf 57.923 Autos, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) am Mittwoch mitteilte. Der Gesamtmarkt wuchs dagegen um 8,9 Prozent auf 272.377 neu zugelassene Autos. Im Oktober war das Minus für VW etwas kleiner ausgefallen.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

  • Die Vorgaben in Deutschland

    Neue Modelle werden in Deutschland und der EU nach dem Modifizierten Neuen Fahrzyklus (MNEFZ) getestet. Die Tests laufen unter Laborbedingungen, das heißt auf einem Prüfstand mit Rollen. Dies soll die Ergebnisse vergleichbar machen. Der Test dauert etwa 20 Minuten und simuliert verschiedene Fahrsituationen wie Kaltstart, Beschleunigung oder Autobahn-Geschwindigkeiten.

  • Wer testet?

    Getestet wird von Organisationen wie dem TÜV oder der DEKRA unter Beteiligung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Dieses untersteht wiederum dem Verkehrsministerium.

  • Kritik an Prüfung

    Die Prüfungen der neuen Modelle werden von ADAC und Umweltverbänden seit längerem als unrealistisch kritisiert. So kann etwa die Batterie beim Test entladen werden und muss nicht - mit entsprechendem Sprit-Verbrauch - wieder auf alten Stand gebracht werden. Der Reifendruck kann erhöht und die Spureinstellungen der Räder verändert werden. Vermutet wird, dass etwa der Spritverbrauch im Alltag so häufig um rund ein Fünftel höher ist als im Test.

  • Weitere Prüfungen

    Neben den Tests für neue Modelle gibt es laut ADAC zwei weitere Prüfvorgänge, die allerdings weitgehend in der Hand der Unternehmen selbst sind. So werde nach einigen Jahren der Test bei den Modellen wiederholt, um zu sehen, ob die Fahrzeuge noch so montiert werden, dass sie den bisherigen Angaben entsprechen, sagte ADAC-Experte Axel Knöfel. Zudem machten die Unternehmen auch Prüfungen von Gebrauchtwagen, sogenannte In-Use-Compliance. Die Tests liefen wieder unter den genannten Laborbedingungen. Die Ergebnisse würdem dann dem KBA mitgeteilt. Zur Kontrolle hatte dies der ADAC bei Autos bis 2012 auch selbst noch im Auftrag des Umweltbundesamtes gemacht, bis das Projekt eingestellt wurde. In Europa würden lediglich in Schweden von staatlicher Seite noch Gebrauchtwagen geprüft, sagte Knöfel.

  • Geplante neue Prüfmethode

    Die EU hat auf die Kritik am bisherigen Verfahren reagiert und will ab 2017 ein neues, realistischeres Prüfszenario etablieren. Damit sollen auch wirklicher Verbrauch und Schadstoffausstoß gemessen werden ("Real Driving Emissions" - RDE). Strittig ist, inwiefern dafür die bisherigen Abgas-Höchstwerte angehoben werden, die sich noch auf den Rollen-Prüfstand beziehen.

Die VW-Töchter Audi und Skoda legten im November zu. Beide hatten ebenfalls Autos verkauft, bei denen Abgasmessungen und Verbrauchswerte manipuliert worden waren. Bei den anderen großen deutschen Herstellern Mercedes-Benz und BMW stiegen die Zulassungszahlen ebenfalls.

VW-Chef Müller erwartet, dass die Abgaskrise den Konzern noch mindestens ein Jahr in Atem halten wird. „Ich hoffe, dass wir damit Ende nächsten Jahres weitgehend durch sind“, sagte Müller dem Magazin „Stern“. Die Klärung von Kundenansprüchen und Klagen gegen den Konzern würden sich dagegen „vermutlich über Jahre“ hinziehen. Unterdessen einigte sich Volkswagen Insidern zufolge mit mehreren Banken auf einen Überbrückungskredit von 20 Milliarden Euro, um die Kosten der Krise abzufedern.

Größe werde kein Zweck mehr an sich sein. Müller will Volkswagen von einem Automobilkonzern in einen Mobilitätskonzern verwandeln. VW werde andere Autos bauen. „Die Zukunft ist elektrisch“, sagte Müller. „Wenn es auch nur annähernd so läuft, wie ich mir das vorstelle, dann wird dieser neue Volkswagen-Konzern sehr erfolgreich sein. Erfolgreicher als je zuvor.“

VW-Abgas-Skandal Volkswagen-Verkäufe in den USA brechen ein

Volkswagen bekommt die Folgen des Abgas-Skandals in den USA nun erstmals auch beim Absatz zu spüren. Trotz Rabattoffensive brechen die Verkäufe ein. Und auch in Indien steht VW ein Rückruf bevor.

Die VW-Verkäufe in den USA brechen nach dem Abgasskandal ein. Quelle: dpa

An dem von Müller geforderte Konzernumbau arbeite das Unternehmen „bereits unter Hochdruck“. Die Strategie 2025 werde Mitte nächsten Jahres fertig sein. „Man kann also davon ausgehen, dass mit Beginn des Jahres 2017 alle in die richtige Richtung ziehen“, sagte der VW-Chef. „Dann wird es die ersten Erfolge geben.“

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