VW-Abgasaffäre: Das Institut, das VW auffliegen ließ

VW-Abgasaffäre: Das Institut, das VW auffliegen ließ

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Für das Team der West Virginia University ist die VW-Abgasaffäre nicht der erste Schummelei, die sie aufdecken.

Es war ein Forschungsteam der West Virginia University, das dabei half, den Abgas-Test-Skandal bei VW aufzudecken. Schon in der Vergangenheit kam die Einrichtung Tricksereien rund um Emissionswerte auf die Schliche.

Probleme beim Abgas-Ausstoß von Autos aufzudecken, ist für das Center for Alternative Fuels, Engines and Emissions der West Virginia University nicht neu. Die US-Forschungseinrichtung, die bei der Aufdeckung des Abgas-Test-Skandals bei Volkswagen half, war vor knapp zwei Jahrzehnten eine andere Emissionsuntersuchung mit ähnlichen Ergebnissen involviert.

So entdeckte das Center im Oktober 1998, dass mehr als 1,1 Millionen Lastwagen, deren Dieselmotoren Abgas-Inspektionen in der Fabrik bestanden hatten, für eine deutlich stärkere Verpestung verantwortlich waren als erlaubt. Grund dafür seien Geräte gewesen, die dazu entworfen waren, Emissionskontrollen zu bestehen, erklärte der Interimsdirektor der Forschungseinheit, Dan Carder.

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Das Justizministerium gab die Erkenntnisse in dem Fall öffentlich bekannt. Anschließend stimmten mehrere Hersteller einem Vergleich in Höhe von einer Milliarde Dollar (rund 895 Millionen Euro) zu.

Stimmen zum Abgas-Skandal bei VW

  • Bernd Osterloh, VW-Betriebsratschef

    Osterloh fordert im Skandal um manipulierte Abgastests in den USA ein entschiedenes Durchgreifen auch innerhalb des Konzerns. „Das muss jetzt mit aller Konsequenz und Offenheit aufgeklärt werden; und wir müssen Konsequenzen daraus ziehen“, sagte er dem Magazin „Stern“. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Osterloh, der als einer der mächtigsten Männer bei Volkswagen auch Mitglied des Aufsichtsrats ist, äußerte sich geschockt über die Vorwürfe und forderte: „Wir müssen verloren gegangenes Vertrauen bei unseren Kunden zurückgewinnen.“ Vor allem Konzernchef Martin Winterkorn stehe dabei nun in der Pflicht.

  • Stephan Weil, Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Kontrolleur

    „Eine Manipulation von Emissionstests ist völlig inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen“, sagte der SPD-Politiker, der als amtierender Regierungschef in Niedersachsen Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrates von VW ist. „Es muss selbstverständlicher Anspruch des VW-Konzerns sein, die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten.“ Er habe die Nachricht "mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Die gegen VW in den USA erhobenen Vorwürfe wiegen schwer“, sagte Weil. Er gehe davon aus, dass diese Vorfälle „schnell und gründlich aufgeklärt werden. Erst danach kann über mögliche Folgen entschieden werden."

  • Angela Merkel, Bundeskanzlerin

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine rasche und volle Aufklärung der Abgas-Manipulationen des Volkswagen-Konzerns gefordert. Merkel sprach sich „angesichts der schwierigen Lage“ für „volle Transparenz“ aus und forderte: „Ich hoffe, dass möglichst schnell die Fakten auch auf den Tisch kommen.“

  • Sigmar Gabriel, Wirtschaftsminister

    Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Abgas-Manipulationen scharf kritisiert. Der Vizekanzler geht aber von keinem nachhaltigen Schaden für die deutsche Industrie insgesamt aus. „Dass das ein schlimmer Vorfall ist, ist glaube ich klar“.Natürlich gebe es Sorge, dass der exzellente Ruf der deutschen Automobilindustrie und vor allem von Volkswagen darunter leidet: „Ich bin aber sicher, dass das Unternehmen schnell und restlos den Fall aufklären und die denkbar eingetreten Schäden wieder gut machen wird.“ Der Fall sei aber nicht typisch. „Der Begriff „Made in Germany“ ist weltweit ein Qualitätsbegriff.“ Deshalb müsse schnell aufgeklärt werden: „Aber ich glaube nicht, dass das ein dauerhafter und prinzipieller Schaden für die deutsche Industrie ist.“ Gabriel sprach sich dafür aus, Messfehler oder Manipulationen vielleicht einmal insgesamt zu überprüfen.

  • Umweltministerium

    Die Bundesregierung fordert von den Autoherstellern „belastbare Informationen“, um mögliche Manipulationen bei Abgastests auch in Deutschland prüfen zu können. Diese Überprüfung müsse durch das Kraftfahrtbundesamt vorgenommen werden, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Er forderte zudem die Hersteller auf, eng mit den US-Behörden zusammenzuarbeiten, um eine „lückenlose Aufklärung“ zu ermöglichen. Der Sprecher sagte, seinem Haus lägen „keine weiteren Kenntnisse über mögliche Schummeleien deutscher Automobilproduzenten vor“.

  • Alexander Dobrindt, Verkehrsminister

    CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat Volkswagen aufgefordert, Kunden "vollumfänglich aufzuklären", um dadurch Vertrauen zurückzugewinnen. Er betonte, die Regierung wolle selbst aktiv dafür sorgen, dass derartige Manipulationen in Zukunft nicht wieder vorkämen.

  • Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte

    Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kann nach Meinung von Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer angesichts des Abgas-Skandals in den USA nicht im Amt bleiben. Winterkorn, in dessen Verantwortung auch die konzernweite Forschung und Entwicklung falle, habe entweder von den Manipulationen gewusst oder aber er sei ahnungslos und habe seinen Geschäftsbereich nicht im Griff, sagte der Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen der „Frankfurter Rundschau“. „In beiden Fällen würde ich sagen, dass Winterkorn an der Konzernspitze nicht mehr tragbar ist.“ Der „Westdeutschen Allgemeinen“ sagte er: „Jeder Politiker könnte bei einer solchen Angelegenheit nicht in seinem Amt bleiben.“

  • TÜV Süd

    In Europa werden die Auto-Abgaswerte nach Angaben des TÜV Süd bereits während der Produktion streng überwacht. „Da gibt es klare Regeln“, sagte ein Sprecher. Für alle Fahrzeuge, die in der EU zugelassen werden sollen, müssten die Hersteller externe Kontrollen sicherstellen. „Die Fahrzeuge werden nach dem Zufallsprinzip vom Band genommen und kontrolliert“, sagte er. Allein der TÜV Süd nehme pro Jahr mehr als tausend dieser Kontrollen vor.

  • BMW

    BMW ist nach eigenen Angaben von dem Skandal nicht betroffen. Bei Überprüfungen eines Dieselfahrzeugs habe es keine auffälligen Abweichungen der Werte gegeben, erklärte das Unternehmen. Bei BMW habe sich die EPA nicht gemeldet, hieß es in München. Wie sich der Skandal auf den Absatz von Diesel-Fahrzeugen in den USA auswirken werde, lässt sich nach Einschätzung von BMW noch nicht beurteilen. Für BMW machen diese Fahrzeuge bislang erst einen kleinen Anteil aus: In den letzten Jahren habe der Absatz von Dieselwagen in den USA drei bis sechs Prozent des gesamten Absatzes ausgemacht - höchstens rund 20.000 Fahrzeuge jährlich.

  • Daimler

    Daimler ist nach eigenen Angaben nicht von den Ermittlungen der US-Umweltschutzbehörde EPA wegen Abgas-Manipulationen betroffen. "Es gibt nach unseren Erkenntnissen keine Untersuchungen zu Mercedes-Benz", teilte der Stuttgarter Konzern am Montag mit.

  • DIW

    Nach Meinung von Experten des DIW wird der VW-Abgasskandal im schlimmsten Fall auch die deutsche Konjunktur belasten. "Die Autoindustrie ist technologisch eine der Schlüsselbranchen, es ist die Leitindustrie schlechthin in Deutschland", sagt Industrieexperte Martin Gornig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Wenn es zu Absatzeinbußen kommt, könnte es auch Zulieferer treffen und damit die gesamte Wirtschaft."

  • BDI

    Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, hat von VW eine schnelle Aufklärung des Abgasskandals gefordert. "Wir kritisieren jegliche Manipulation scharf", sagte er. "Jedes Unternehmen muss sich an die geltenden Regeln halten." Er begrüße aber, dass VW die Vorwürfe von unabhängigen Fachleuten prüfen lassen wolle. "Jedes Fehlverhalten muss lückenlos aufgeklärt werden. Jetzt helfen nur Transparenz, Offenheit und Tempo."

Im VW-Fall wurde das Forschungsteam des West Virginia University vom International Council on Clean Transportation, angeheuert - einer Nonprofit-Organisation, die sich für Schadstoffbekämpfung einsetzt. Das Team sollte die Emissionen bei drei Autos messen: einem VW Jetta Baujahr 2012, einem VW Passat Baujahr 2013 und einem BMW X5 SUV. Der BMW bestand die Prüfung, doch wurden bei den VW-Fahrzeugen erheblich höhere Ausstöße festgestellt, wie aus Angaben der US-Umweltbehörde EPA hervorgeht.

Die Universität und der Council meldeten ihren Fund im Mai 2014 der EPA und dem California Air Resources Board (CARB), der Emissionsschutzbehörde des US-Staates. VW führte das Dilemma aber auf technische Probleme und unerwartete Umstände zurück. Der Autobauer startete Ende letzten Jahres sogar eine Rückrufaktion, doch eine deutliche Verbesserung blieb aus, wie die EPA erklärte.

Erst als EPA und CARB sich weigerten, VWs 2016-Dieselmodellen für den Verkauf freizugeben, räumte das deutsche Unternehmen ein, verdeckte Software in Millionen seiner Fahrzeuge weltweit installiert zu haben.

PremiumDossier zum Download Das Ende des Größenwahns bei VW

Auf das Dieselgate folgt der Winterkorn-Rücktritt: Wie das System Volkswagen über Jahre funktionierte, welche Rolle die USA spielen und wie Deutschlands größter Autobauer sich neu erfinden muss.

Dossier VW: Das Ende des Größenwahns

Mit dieser Praxis konnte VW den Erkenntnissen zufolge sieben Jahre lang ungestraft agieren, bis sich die Verfechter von „clean transportation“ - sauberem Transport - an die West Virginia University wandten. Dort werden Emissionen unter Verwendung von Ausrüstung untersucht, die in die Kofferräume von Autos passt. Statt die Untersuchungen im US-Staat West Virginia auszuführen, nahmen die Forscher ihr Zubehör an die Westküste der USA, wo nicht lange nach Dieselwagen gesucht werden musste.

In der Testeinrichtung von CARB hätten die Fahrzeuge wie erwartet funktioniert, erzählte Carder. Erst als die Autos auf die offene Straße genommen wurden, habe man „die Diskrepanzen in ihrer Leistung“ gesehen.

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Zu den anderen Arbeiten der Nonprofit-Einrichtung Center for Alternative Fuels, Engines and Emissions zählt Emissionsforschung bei Sattelschlepper-Flotten für Privatfirmen und bei militärischen Kampfwagen für einen Rüstungskonzern.

Der Forschungseinrichtung gehören sieben Hochschullehrer an, fünf in Vollzeit angestellte Ingenieure, fünf Techniker sowie mehr als 30 Doktoranden und Studenten im Aufbaustudium. Es wird nicht vom Staat oder der Universität unterstützt und ist auf Verträge mit außenstehenden Behörden und Unternehmen angewiesen - normalerweise zwischen drei und vier Millionen Dollar jährlich, wie Carder sagte.

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