VW-Aufsichtsrat: Ferdinand Piëch steht mit Kritik alleine da

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VW-Aufsichtsrat: Ferdinand Piëch steht mit Kritik alleine da

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Ferdinand Piech findet in seiner Kritik an der Berufung seiner Nichten in den VW-Aufsichtsrat keine Unterstützer.

Ferdinand Piëch soll mit der Berufung seiner Nichten Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch in den VW-Aufsichtsrat unzufrieden sein. Doch damit steht er isoliert: Der Betriebsrat begrüßte die Entscheidung und Niedersachsens Ministerpräsident Weil erklärte den Machtkampf bei Europas größtem Autobauer am Freitag für beendet.

Nach den Neubesetzungen im VW-Aufsichtsrat betrachtet Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil den Machtkampf bei Europas größtem Autobauer als beendet. „Die Entscheidungen sind getroffen, das Registergericht Braunschweig hat den Aufsichtsrat nach dem Rücktritt von Prof. Piëch und seiner Frau wieder vervollständigt“, sagte der SPD-Politiker der „Bild“-Zeitung. Interne Diskussionen zwischen den Mitinhaber-Familien Piëch und Porsche wollte er nicht kommentieren.

Laut „Bild“ missfällt Ferdinand Piëch die Berufung seiner Nichten. Louise Kiesling (57) und Julia Kuhn-Piëch (34) waren am Donnerstag als Aufsichtsratsmitglieder neu auf die Kapitalseite des Kontrollgremiums berufen worden, nachdem VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch und seine Ehefrau Ursula am vergangenen Samstag zurückgetreten waren.

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Der "Bild" zufolge kritisiert der Porsche-Enkel die mangelnde fachliche Kompetenz seiner beiden Verwandten in der Automobilindustrie. Er habe stattdessen den ehemaligen Linde-Chef und jetzigen Conti -Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle sowie die frühere Siemens-Managerin Brigitte Ederer vorgeschlagen. Damit schadet Piëch Branchenkennern zufolge seiner eigenen Familie, weil er ihnen die Eignung abspricht. Die Benennung sei juristisch wasserdicht. Weder VW noch das Büro des ehemaligen Aufsichtsratschefs oder die Porsche SE wollten sich zu dem Streit äußern.

Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

Volkswagens einflussreicher Konzernbetriebsrat hat mit Freude auf die Nachrückerinnen im Aufsichtsrat des Autobauers reagiert. „Wir begrüßen diesen Schritt der Komplettierung des Aufsichtsrats und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Frau Kiesling und Frau Julia Kuhn-Piëch“, sagte ein Konzernbetriebsratssprecher am Freitag. „Frau Julia Kuhn-Piëch kennen und schätzen wir bereits aus der Zusammenarbeit bei MAN Truck & Bus und in der Salzach Privatstiftung.“

Die erst 34-Jährige sitzt schon als Aufsichtsrätin beim Münchner Nutzfahrzeughersteller MAN in dessen zentralen Gesellschaft Truck & Bus. MAN ist eine Volkswagen-Tochter. Außerdem ist die Nichte des zurückgetretenen VW-Patriarchen Piëch als junges Mitglied der PS-Dynastie Porsche/Piëch aktiv in der Salzach Privatstiftung. Über diese Einrichtung kontrolliert die Belegschaft indirekt zwei Prozent der stimmberechtigten VW-Stammaktien, die aus dem Fundus der VW-Eigentümerfamilien Piëch und Porsche kommen. Die Dividende aber bleibt beim PS-Clan.

Die Stiftung ist vielmehr ein Vehikel, das die Begegnung der Großaktionäre - vor allem ihrer jungen Generation - und der Mitarbeiterseite fördern soll. Dabei geht es nicht zuletzt um den Austausch zweier Welten: Die der abhängig Beschäftigten, das sind im VW-Konzern fast 600.000, und die der wohlhabenden Großaktionäre. Die Stiftung ist ein Forum dafür, dass beide Seiten sich zusammen über den Kurs von Europas größtem Autobauer austauschen und ihr Abstimmungsverhalten koordinieren.

Mit Louise Kiesling erhält das Kontrollgremium Verstärkung von einer Frau, die in der Ästhetik und Formgebung zu Hause ist. Die 57-Jährige hat nach Studienabschlüssen in Modedesign (Universität für Angewandte Kunst, Wien) und Automobildesign (Royal College of Art, London) als Designerin in Deutschland, Österreich und Großbritannien gearbeitet. Ihre Expertise verbindet sie mit langjährigen Erfahrungen als Geschäftsfrau: So ist die Gesellschafterin und Geschäftsführerin mehrerer Wirtschaftsunternehmen, darunter die Textilmanufaktur Backhausen GmbH (Hoheneich, Österreich). Das Unternehmen stattet Repräsentationsbauten weltweit aus, darunter etwa das Kanzleramt und die Staatsoper in Wien oder das Königliche Schloss in Kopenhagen.

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Auch nach dem Einzug von Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch in das 20-köpfige Kontrollgremium ist bis auf weiteres unklar, wer der nächste Aufsichtsratsvorsitzende wird und damit für Ferdinand Piëch nachrückt. Aktuell führt erst einmal der Aufsichtsratsvize Berthold Huber von der Gewerkschaft IG Metall kommissarisch die Geschäfte. Nach Meinung von Ingo Speich, Fondsmanager von Union Investment, hat die Suche nach einem Nachfolger "aus Investorensicht jetzt höchste Priorität".

Der ideale Kandidat müsse laut Speich vor allem über eine "hohe Automobilexpertise und Autorität" verfügen, "sollte aber möglichst von außen kommen und neutral sein.“ Da Ferdinand Piëch noch immer einer der größten Anteilseigner bei VW ist, dürfte er "auch weiter viel Einfluss haben", so Speich. "VW wird strategisch nichts unternehmen, was Herrn Piëchs Linie diametral widerspricht.“ Weiter sagte er, es sei sehr zu begrüßen, "wenn sich die Führung bei VW stärker in Richtung eines Team-Ansatzes bewegt, wo die Lasten auf mehrere Schultern verteilt werden.“

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