VW-Aufsichtsrat: Hans Dieter Pötsch wird bei VW nichts ändern

KommentarVW-Aufsichtsrat: Hans Dieter Pötsch wird bei VW nichts ändern

von Martin Seiwert

Die Familien Porsche und Piech wollen den VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum Aufsichtsratschef von Volkswagen machen. Sie wollen Kontinuität – offenbar um jeden Preis.

Mehr Kontinuität geht nicht. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn darf offenbar an der Spitze des Konzerns bis 2018 weitermachen, wie wir seit gestern wissen. Heute folgte die Mitteilung der Porsche SE, dass die Eigentümer der SE – also die sieben Stämme der Familien Porsche und Piech – gedenken, den jetzigen VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch zum VW-Aufsichtsratschef zu machen. Wenn die Familienstämme, die über die SE knapp 51 Prozent an VW halten, das wollen, dann wird es wohl geschehen.
Als VW-Urgestein und enger Vertrauter von Winterkorn bringt Pötsch alles – bloß keinen Wandel.

Die neue VW-Konzernstruktur

  • Konzernvorstand

    Bestehend aus dem Vorstandschef, einem Finanzvorstand, Einkaufsvorstand und Personalvorstand. Das achtköpfige Gremium komplettieren die Vorstände der vier Marken-Holdings.

  • Volkswagen

    Die Marken Volkswagen, Skoda und Seat werden in eine Gruppe zusammengefasst. Geleitet wird sie von Herbert Diess, der von BMW kommt. Auf Holding-Ebene wird es weitere Bereichs-Vorstände geben, zum Beispiel für Forschung, Entwicklung und Vertrieb.

  • Nutzfahrzeuge

    Bereits bekannt war, dass VW seine Lkw-Marken Scania, MAN und VW Nutzfahrzeuge in einer Holding unter dem ehemaligen Daimler-Manager Andreas Renschler bündeln wird.

  • Porsche

    Porsche-Chef Matthias Müller, seit kurzem auch Mitglied des aktuellen Konzernvorstands, soll auch die Verantwortung über die Luxusmarken Bugatti und Bentley übernehmen.

  • Audi

    Bei Audi soll sich nichts ändern: Die Ingolstädter haben bereits heute die Kontrolle über den Sportwagenbauer Lamborghini und die Motorradmarke Ducati. Das soll auch so bleiben.

Das Winterkorn-Pötsch-Gespann kann ungestört weiter machen wie bisher. Dieses Signal der Großaktionäre ist eindeutig: Sie wollen in Wolfsburg Kontinuität um jeden Preis. Sie hoffen, dass ein eingespieltes Team die Brandherde im Konzern schneller löscht als Manager, die zwar einen echten Aufbruch verkörpern, dafür aber erst einmal Unruhe verbreiten und Reibungsverluste produzieren.
Pötsch ist ein brillianter Finanzjongleur

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Wer ist der Mann, der künftig wohl die Geschicke von Deutschlands bekanntestem und größtem Unternehmen lenken wird? Der 64-Jährige ist seit mehr als 12 Jahren bei Volkswagen. Als Finanzvorstand erlebte er turbulente und extrem herausfordernde Jahre. Der Übernahmeangriff von Porsche auf VW hielt ihn zwischen 2005 und 2008 auf Trab. Nach dessen Scheitern musste er eine hoch komplizierte Einigung mit Porsche erarbeiten, die eine Integration des operativen Geschäfts des Sportwagenbauers in die Volkswagen AG beinhaltete.

Auch der Kauf der LKW-Bauer Scania und MAN fiel in seine Amtszeit. Pötsch brillierte als Steuerfuchs (VW vermied 1,5 Milliarden Euro Steuern bei der Übernahme von Porsche) und cleverer Finanzjongleur: Durch die Umschuldung einer zweistelligen Milliardensumme sparte er dem Konzern hunderte Millionen Zinsen – pro Jahr. Wenn Porsche SE-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche heute über Pötsch sagt, dass er „entscheidenden Anteil an der erfolgreichen Entwicklung der Volkswagen AG in den vergangenen Jahren hatte“, dann ist das mehr als nur eine Floskel.

Volkswagen Die drei Probleme des Martin Winterkorn

Zum Halbjahr war Volkswagen erstmals der größte Autobauer der Welt. Doch die Krisen in China, Brasilien und Russland bringen die Probleme des größten deutschen Konzerns ans Licht: Schnell-Operationen reichen nicht aus.

VW-Märkte in China, Russland und Brasilien Quelle: imago, Montage

Pötschs Ansehen im Konzern war in den vergangenen Jahren so gut, dass er als möglicher Nachfolger von Winterkorn gehandelt wurde, obwohl er als Mann der Finanzen nach der üblichen VW-Logik dafür gar nicht in Frage kommt. VW macht in der Regel nur Manager mit Technik-Hintergrund zum Chef. Doch Pötsch hatte Winterkorn beerben können, wenn dieser an die Spitze des Aufsichtsrats gewechselt wäre – quasi als Interimschef, bis ein anderer, ein jüngerer Nachfolger gefunden ist.


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