VW-Dieselautos: Rückruf soll Ende Januar 2016 anlaufen

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VW-Dieselautos: Rückruf soll Ende Januar 2016 anlaufen

Im VW-Skandal fordern Verbraucherschützer schon lange Klarheit. Nun steht fest, ab wann genau die ersten Wagen in die Werkstatt sollen. Den Kunden soll das nach Willen des Konzerns keinen Ärger mehr bereiten.

Der Rückruf von gut 2,4 Millionen Diesel-Autos in Deutschland wegen des VW-Abgas-Skandals soll Ende Januar anlaufen. Die Aktion startet ab der vierten Kalenderwoche 2016, die am 25. Januar beginnt, wie Vertriebschef Jürgen Stackmann am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur in Berlin sagte. Im Januar würden die Kunden angeschrieben und zumindest grob darüber informiert, wann ihr Fahrzeug in die Werkstatt geholt wird. Der vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) angeordnete Rückruf soll dann über das gesamte Jahr hinweg in mehreren Wellen ablaufen.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

  • Die Vorgaben in Deutschland

    Neue Modelle werden in Deutschland und der EU nach dem Modifizierten Neuen Fahrzyklus (MNEFZ) getestet. Die Tests laufen unter Laborbedingungen, das heißt auf einem Prüfstand mit Rollen. Dies soll die Ergebnisse vergleichbar machen. Der Test dauert etwa 20 Minuten und simuliert verschiedene Fahrsituationen wie Kaltstart, Beschleunigung oder Autobahn-Geschwindigkeiten.

  • Wer testet?

    Getestet wird von Organisationen wie dem TÜV oder der DEKRA unter Beteiligung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA). Dieses untersteht wiederum dem Verkehrsministerium.

  • Kritik an Prüfung

    Die Prüfungen der neuen Modelle werden von ADAC und Umweltverbänden seit längerem als unrealistisch kritisiert. So kann etwa die Batterie beim Test entladen werden und muss nicht - mit entsprechendem Sprit-Verbrauch - wieder auf alten Stand gebracht werden. Der Reifendruck kann erhöht und die Spureinstellungen der Räder verändert werden. Vermutet wird, dass etwa der Spritverbrauch im Alltag so häufig um rund ein Fünftel höher ist als im Test.

  • Weitere Prüfungen

    Neben den Tests für neue Modelle gibt es laut ADAC zwei weitere Prüfvorgänge, die allerdings weitgehend in der Hand der Unternehmen selbst sind. So werde nach einigen Jahren der Test bei den Modellen wiederholt, um zu sehen, ob die Fahrzeuge noch so montiert werden, dass sie den bisherigen Angaben entsprechen, sagte ADAC-Experte Axel Knöfel. Zudem machten die Unternehmen auch Prüfungen von Gebrauchtwagen, sogenannte In-Use-Compliance. Die Tests liefen wieder unter den genannten Laborbedingungen. Die Ergebnisse würdem dann dem KBA mitgeteilt. Zur Kontrolle hatte dies der ADAC bei Autos bis 2012 auch selbst noch im Auftrag des Umweltbundesamtes gemacht, bis das Projekt eingestellt wurde. In Europa würden lediglich in Schweden von staatlicher Seite noch Gebrauchtwagen geprüft, sagte Knöfel.

  • Geplante neue Prüfmethode

    Die EU hat auf die Kritik am bisherigen Verfahren reagiert und will ab 2017 ein neues, realistischeres Prüfszenario etablieren. Damit sollen auch wirklicher Verbrauch und Schadstoffausstoß gemessen werden ("Real Driving Emissions" - RDE). Strittig ist, inwiefern dafür die bisherigen Abgas-Höchstwerte angehoben werden, die sich noch auf den Rollen-Prüfstand beziehen.

Für den wesentlichen Teil der betroffenen Fahrzeuge handele es sich um eine „reine Softwaremaßnahme“, bekräftigte Stackmann nach einem Gespräch mit Mitgliedern des Verbraucherausschusses des Bundestages in Berlin. „Das ist eine halbe Stunde Zeit in etwa, die dafür in Anspruch genommen wird.“ Angeboten werden sollen den Kunden zum Beispiel auch kostenlose Ersatzwagen. Bei allen Maßnahmen sei klar, dass sich an Verbrauch und Fahrverhalten nichts ändern solle. „Der Golf, den ich liebe, ist der Golf, den ich auch wiederbekomme nach der Reparatur.“

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Ab 2017 werden Autoabgase nicht mehr nur auf dem Prüfstand, sondern auch auf der Straße gemessen. Die EU muss aber noch viele Details klären. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Abgasuntersuchung: Bei den geplanten Straßentests sind noch viele Fragen offen. Quelle: dpa

VW hatte angekündigt, dass für Motoren mit 1,2 Litern und 2,0 Litern Hubraum nur eine Software-Änderung nötig ist. Bei 1,6-Liter-Modellen soll zusätzlich ein Bauteil eingesetzt werden. Aus allen Wagen muss eine Software entfernt werden, die Abgaswerte manipuliert. „Wir gehen davon aus, dass die technischen Maßnahmen nicht zu Veränderungen an der Charakteristik des Fahrzeugs führen“, sagte Stackmann. Damit sollten auch „weitere rückwirkende Maßnahmen auf Restwerte“ gar nicht erst zu einem Thema werden. Verbraucherschützer hatten gemahnt, ein möglicher Wertverlust oder ein Mehrverbrauch nach der Umrüstung dürften nicht zulasten der Autobesitzer gehen.

Auf eine Verjährung von Gewährleistungsansprüchen will VW bis Ende 2016 verzichten, wie der Konzern bereits mitgeteilt hatte. Auch betroffene Motoren, „die aus der Gewährleistung eigentlich schon raus waren, werden wieder in die Gewährleistung reingenommen“, sagte Stackmann. „Die Grundprämisse all unseres Handelns ist, Schaden von unseren Kunden fernzuhalten.“

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Die Vorsitzende des Verbraucherausschusses, Renate Künast, sagte, VW habe noch jede Menge Arbeit mit der weiteren Aufklärung. Bezüglich der Kunden sei dies aber „jetzt erst mal ein gutes, umfassendes Angebot“, sagte die Grünen-Politikerin der dpa. Es habe sich gelohnt, mit VW in Kontakt zu sein und den Konzern auf Lücken hinzuweisen. Daimler und BMW wiesen unterdessen Vorwürfe im Zusammenhang mit Abgaswerten zurück. „Fahrzeuge von Mercedes-Benz entsprechen in vollem Umfang den jeweils zum Zeitpunkt der Zulassung geltenden Vorschriften“, erklärte Daimler. BMW teilte mit: „In unseren Automobilen sind keine illegalen Einrichtungen verbaut.“ Zuvor hatte das ZDF-Magazin „Frontal 21“ über Tests der Fachhochschule Bern berichtet, in denen Autos von Daimler, BMW und Volkswagen deutlich höhere Abgaswerte als auf dem Prüfstand angezeigt hätten.

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