VW-Image: Diesel-Skandal befleckt die Marken Volkswagen und Audi

exklusivVW-Image: Diesel-Skandal befleckt die Marken Volkswagen und Audi

von Stephan Happel

Neben VW-Fahrzeugen selbst sind auch Millionen Pkw von Seat, Skoda und Audi vom Diesel-Skandal betroffen. Das richtet die Abgas-Affäre beim Image der VW-Marken an.

Eine gute Woche nach dem Auffliegen der Betrügereien hat die Abgas-Affäre das Image von VW auf einen neuen Tiefpunkt gedrückt. Im BrandIndex der Marktforscher von YouGov stürzte das Unternehmen zuletzt deutlich auf nur noch 9,0 Punkte ab. Damit erreicht die Marke Volkswagen aktuell einen ähnlichen Wert wie Smart (8,8 Punkte).

Zum Vergleich: Im August erreichte die Marke VW im Durschnitt mehr als 40 Punkte, das bedeutet einen gegenwärtigen Verlust von rund 31 Punkten im Vergleich zum Durschnitt des Vormonats. Für den BrandIndex befragt YouGov täglich rund 2000 deutsche Verbraucher zur Wahrnehmung von mehr als 700 Marken verschiedenster Branchen.

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Das Image von VW ist seit Bekanntwerden der Abgas-Affäre im freien Fall. Das belegen Umfragewerte, die der WirtschaftsWoche vorab vorliegen. YouGov-Markenexperte Holger Geißler erklärt, was sie bedeuten.

Das Volkswagen Logo auf einem VW Golf. Quelle: dpa

Die Probleme mit den manipulierten VW-Motoren haben längst auch die Konzerntöchter erreicht. Erst am Montag wurde bekannt, dass bei Audi 2,1 Millionen Fahrzeuge fast aller Baureihen betroffen sind - 577.000 allein in Deutschland. Seat, Skoda, und VW Nutzfahrzeuge haben den kritischen Dieselmotoren des Typs EA 189 ebenfalls in Modellen verbaut.

Zumindest der Premiumhersteller ist deshalb von der Imageschwäche betroffen. „Vor allem Audi verliert, wenn auch weniger stark“, wertet YouGov aus. Der Autobauer aus Ingolstadt kommt im Markenmonitor gegenwärtig  auf 29,5 Punkten. Im August waren es mehr als  40. Die kleineren VW-Töchter wie Seat (10,2 Punkte) und Skoda (26,5 Punkte) seien vergleichsweise stabil, heißt es von den Markenforschern.

Auch die Markenstärke von Wettbewerber BMW litt, nachdem Gerüchte laut wurden, dass der Premiumhersteller ebenfalls manipuliere. Gegenwärtig kommt die Marke BMW auf 31,5 Punkte, der August-Durchschnitt lag leicht über 34 Punkten.

Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Stabil bleiben laut YouGov derzeit VW-Konkurrenten wie Opel oder Ford. Auf sie scheint sich der Abgas-Skandal in der Wahrnehmung der Deutschen nicht auszuwirken. Allerdings liegen sie bei den Deutschen ohnehin weniger hoch im Kurs.

Dauerhaft muss der Imageschaden für den Volkswagen-Konzern übrigens nicht sein. Abhängig davon, wie schnell VW die Probleme jetzt in den Griff bekommt, könnte das Unternehmen zumindest auf dem Heimatmarkt aber bald wieder besser dastehen.  

„VW ist eines der Deutschen liebsten Kinder“, sagt YouGov-Vorstand Holger Geißler im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. „Das erklärt einerseits den tiefen Fall. Anderseits sind wir Deutschen deshalb aber auch bereit, schneller über die Probleme hinwegzusehen.“

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