VW: Ja zur VW-Batteriefabrik - in Baden-Württemberg!

KommentarVW: Ja zur VW-Batteriefabrik - in Baden-Württemberg!

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Ladezustandsanzeige der Batterie in einem Fahrzeug mit Elektroantrieb

von Martin Seiwert

Angeblich denkt Volkswagen darüber nach, die Batterien für Elektroautos selbst zu produzieren - und zwar in Deutschland. Das ist eine gute Idee. Aber bitte nicht in Niedersachsen. Denn die Kompetenz liegt woanders.

Just an dem Tag, an dem Volkswagen mit Überlegungen zum Bau einer eigenen Batteriefabrik in Niedersachsen Schlagzeilen macht, verkünden die Branchenkollegen von Daimler eine große Startup-Initiative in Stuttgart. Nicht weniger als einen Silicon-Valley-Konkurrenten wollen die Schwaben in Stuttgart erschaffen, ein Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk von Startups und Weltkonzernen, das nicht nur bei Software den Amerikanern das Wasser reichen kann.

Gerade auch bei der industriellen Hardware – ohnehin eine Domäne der deutschen Industrie – soll das Netzwerk namens „Startup Autobahn“ weit vorne mitspielen. Um Mobilität soll es dabei vordringlich gehen, wie der Name und der Initiator Daimler unschwer vermuten lassen.

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Die zeitliche Koinzidenz der Nachrichten aus Wolfsburg und Stuttgart war wohl zufällig. Dennoch haben die Nachrichten eine ganze Menge miteinander zu tun. Die Erkenntnis des heutigen Tages muss lauten: Ja zur Batteriefabrik – aber dort, wo das Projekt „Startup Autobahn“ angelaufen ist, in Baden-Württemberg, und nicht in der wirtschaftlichen Monokultur Niedersachsens, die so sehr am Tropf des angeschlagenen VW-Konzerns hängt.

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Mehr Wertschöpfung in Deutschland

Ob Deutschlands Autobauer für ihre E-Mobile eigene Fabriken für Batteriezellen brauchen, darüber lässt sich vortrefflich streiten. Klar ist: Es geht dabei eher um Volks- als um Betriebswirtschaft. Denn Batteriezellen sind ein Rohstoff. Die Krux ist, aus hunderten Zellen eine gute Batterie zu bauen. Darin sind deutsche Autobauer gar nicht schlecht.

Deshalb lassen sich eigenständige, deutsche E-Autos auch wunderbar mit importierten Zellen aus Asien realisieren. Doch weil der größte Teil der Herstellungskosten eines E-Autos auf die Batteriezellen entfällt, stellt sich eine andere, eine volkswirtschaftliche Frage: Will Deutschland tatsächlich auf 20 oder 30 Prozent der Wertschöpfung mit Automobilen verzichten, wenn E-Autos massenhaft Benziner und Diesel ersetzen?

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Batteriezellen für Elektroautos brauchen die richtige chemische Zusammensetzung, worüber in Deutschland nicht wirklich viel Know-how existiert. Batteriezellen müssen aber auch mit viel Elektronik zu großen Batterieeinheiten zusammengefügt und intelligent angesteuert werden. Und wenn sie preislich mit asiatischen Zellen mithalten sollen, dann braucht es dafür auch die effizienteste Produktionstechnik. Elektronik und Produktionstechnik, das können die Deutschen, und da vor allem der Süden Deutschlands. Stuttgart liegt inmitten eines in Deutschland unvergleichlichen Netzes von mächtigen Autokonzernen, cleveren Mittelständlern, agilen Zulieferern, innovativen Maschinenbauern und führenden Forschungseinrichtungen.

Beim chemischen Know-how sollten die Deutschen besser erst gar nicht versuchen, den Rückstand auf die Asiaten aufzuholen, sondern gleich mit der nächsten Generation von Zellen an den Start gehen. Wer verfügt hier über eine der vielversprechendsten Technologien? Bosch in Stuttgart. Der weltgrößte Autozulieferer hat sich die Technik für enorm leistungsfähige Akkus unlängst durch eine Unternehmensübernahme einverleibt.

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Wenn alle gut zusammenspielen, könnte in Baden-Württemberg eine Batteriefertigung entstehen, die den Vergleich mit Teslas Riesenfabrik in Nevada nicht scheuen muss. Eine deutsche Fabrik, die nicht nur Batteriezellen produziert, sondern Wissen über Batteriezellen. Baden-Württembergs grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann würde für so ein hübsches, grünes Vorzeigeprojekt sicherlich nicht nur einen tollen Standort finden, sondern gleich auch noch ein paar nette Subventionen (ohne die wäre auch die Batteriefabrik von Tesla undenkbar) dazu servieren.

Bleibt bloß die Frage, ob das Land Niedersachsen als VW-Großaktionär da mitmachen würde. Wohl nur ungern. Aber ein anderer VW-Großaktionär könnte Überzeugungsarbeit leisten: Die Porsche Automobil Holding, die über die Hälfte von VW kontrolliert - und in Stuttgart sitzt.

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