VW-Konzernumbau: Warum die Volkswagen-Neuaufstellung Zeit braucht

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VW-Konzernumbau: Warum die Volkswagen-Neuaufstellung Zeit braucht

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VW rechnet mit einem E-Auto-Boom – und will mehr Elektro-Modelle bringen.

VW will den Konzern als Überbau und die Marke Volkswagen stärker trennen. Diesen Umbau sieht die VW-Spitze als Kraft- und Geduldsprobe. Neben der Neu-Organisation will VW-Chef Müller auch seine Strategie 2025 vorstellen.

„Aufgaben und Schnittstellen wurden neu definiert, Teams haben sich neu formiert, Kollegen haben neue Aufgaben übernommen“, schrieben Konzernchef Matthias Müller und Markenchef Herbert Diess in der aktuellen VW-Mitarbeiterzeitung, die der Deutschen Presse-Agentur am Montag vorlag. „Uns ist klar, dass eine so tiefgreifende Neuaufstellung Zeit braucht und in der Übergangsphase auch zu Reibungsverlusten führt.“

Müller und Diess bezeichneten die Trennung als heikel, „weil wir parallel die Aufarbeitung der Dieselthematik vorantreiben, die eine große Kraftanstrengung bedeutet und Kapazitäten bindet“. Am Ende entscheide aber die Sicht aufs Team. „Es gibt kein „besser“ oder „schlechter“. Kein Gegeneinander, sondern nur ein Miteinander. Gemeinsam bilden wir eine Solidargemeinschaft.“

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Europas größter Autobauer arbeitete bereits vor dem Diesel-Skandal an einer Neuaufstellung. Die zwölf Marken sollen mehr Freiheit erhalten, die Zentrale in Wolfsburg soll mehr Verantwortung delegieren. Der Konzernsitz bekommt künftig öfter klassische Holding-Funktionen wie etwa die Finanzplanung. Erste äußerlich sichtbare Zeichen dafür gibt es zum Beispiel schon im Konzernvorstand, wo die Ressorts Vertrieb und Produktion entfallen sind.

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Quelle: Illustration: WirtschaftsWoche, Fotos: Konstantin Megas, PR

In den kommenden Jahren soll die Neuausrichtung des Konzerns auch nach außen sichtbarer werden. Das will Müller mit acht großen Konzerninitiativen als Teil der Strategie 2025, die im Juni vorgestellt werden soll, umsetzen. Wie die „Automobilwoche“ berichtet, hat Müller intern die wichtigsten Eckpfeiler bereits vorgestellt. Bei der ersten „Group Management Conference“ in Wolfsburg soll der Vorstandschef vor 400 Managern die Projekte „Aufbau Geschäftsfeld Smart Mobility“ und „Nachschärfung der Konzern-Produktstrategie“ hervorgehoben haben.

Müller will sich nicht bei den Autos einmischen

Auf den Schlüsselmärkten EU, China und USA könnten reine E-Fahrzeuge bereits 2025 einen Marktanteil von 25 Prozent haben, wie laut dem Bericht interne Prognosen zeigen. Fünf Jahre später sollen Stromer schon die Hälfte des Markts ausmachen. Dem will der Konzern mit einer massiven Modelloffensive bei Elektroautos entgegen wirken. Beim Ausbau der notwendigen Infrastruktur könne man nicht auf die Politik warten, so Müller. Deshalb habe man die Initiative ergriffen und wolle mit anderen Autobauern das Thema Schnellladeinfrastruktur gemeinsam vorantreiben.

Der neue VW-Konzernvorstand

  • Matthias Müller

    Vorstandsvorsitzender und kommissarischer Vertriebsvorstand

  • Herbert Diess

    Markenvorstand Volkswagen-Pkw

  • Hans Dieter Pötsch

    Finanzvorstand (soll Vorsitzender des Aufsichtsrats werden)

  • Jochem Heinzmann

    China-Geschäft

  • Francisco Javier Garcia Sanz

    Beschaffung

  • Horst Neumann

    Personal und Organisation

  • Andreas Renschler

    Nutzfahrzeuge

  • Rupert Stadler

    Vorstandsvorsitzender Audi AG

  • Thomas Ulbrich

    Der Vorstandsbereich Produktion, derzeit noch kommissarisch geleitet von Thomas Ulbrich, entfällt.

Geht es nach dem Willen von Müller, soll sich der Vorstand künftig auf solche übergeordneten Themen wie Kooperationen und die grundsätzliche E-Auto-Strategie beschränken. „Unser und mein Job ist es nicht, in die operative Feinsteuerung einzugreifen oder mich im Detail mit der Gestaltung der Produkte zu befassen“, soll der VW-Chef gesagt haben. Seine Aufgabe sieht Müller vielmehr darin, Synergien über Marken und Geschäftsfelder hinweg zu heben.

Das ist ein radikaler Bruch mit dem Kurs seines Vorgängers Martin Winterkorn. Dieser hatte sich sehr genau über neue Modelle informiert und sie oft persönlich abgenommen. Dieses Verhalten war im Konzern gefürchtet – häufig waren späte und entsprechend teure Änderungen in letzter Minute die Folge. Das hat VW zwar im Vergleich zur Konkurrenz gute Autos beschert, aber auch in der Summe Milliarden gekostet – und über das hierüber verbreitete Betriebsklima („Hauptsache ich schaffe die Vorgaben des Chefs“) den Abgasskandal zumindest begünstigt.

Die Ankündigung unterstreicht Müller offenbar mit einer intern wichtigen Aktion: Das „Konzern-Produktstrategiekomitee“ (PSK), über das sich Winterkorn bis in die kleinsten Details der neuen Autos einmischte, wurde dem Bericht zufolge ersatzlos gestrichen.

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Mit einem gestrichenen Komitee und neuer Produktstrategie allein werden Müller und Diess die notorische Renditeschwäche von Volkswagen aber nicht ausmerzen. Im Zuge der Konzerninitiativen will der Vorstand Geschäftsfelder unter die Lupe nehmen, das Wachstum im Kerngeschäft ankurbeln, die digitale Transformation anstoßen und die Baukasten-Strategie des Mehrmarken-Konzern nachschärfen.

Details will Volkswagen noch vor der Hauptversammlung am 22. Juni vorstellen. Bis dahin soll auch die Einigung mit den US-Behörden beim Abgasskandal stehen. Es bleiben spannende Wochen in Wolfsburg.



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