VW-Machtkampf: Verwirrung um Piëch und Winterkorn

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VW-Machtkampf: Verwirrung um Piëch und Winterkorn

, aktualisiert 23. April 2015, 14:15 Uhr

Wieder Unruhe bei VW: Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch will Martin Winterkorn angeblich schnellstmöglich absetzen, meldete der NDR. Alles Quatsch, kontert Piëch nun. Der Konzern kommt nicht zur Ruhe.

Der Wirbel bei Volkswagen ist noch nicht überstanden. Widersprüchliche Medienberichte sorgen am Donnerstag für Verwirrung.

Laut übereinstimmenden Informationen der Deutschen Presse-Agentur und des NDR soll der 78-jährige VW-Patriarch Ferdinand Piëch planen, Vorstandschef Martin Winterkorn noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai absetzen zu lassen. Piëch mache sich stark für Porsche-Chef Matthias Müller oder Skoda-Chef Winfried Vahland als mögliche Nachfolger, hieß es am Donnerstag zunächst.

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Kurz darauf folgte nun das Dementi: Piëch soll gegenüber der „Bild“-Zeitung erklärt haben, er betreibe die Ablösung des VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn nicht. Wörtlich sagte er am Donnerstag demnach: „Wir haben uns letzte Woche ausgesprochen. Und uns auf eine Zusammenarbeit geeinigt. Ich betreibe die Ablösung von Martin Winterkorn nicht.“

Zuvor hatten die Deutsche Presse-Agentur sowie der NDR berichtet, es gebe Versuche, wonach der Beschluss der Aufsichtsratsspitze vom vergangenen Freitag „unterlaufen werden solle“. Die Medien bezogen sich dabei auf "Personen, die mit der Sache vertraut sind". Damit würde Piëch die mühsam im Aufsichtsratspräsidium abgestimmte Einigung kurzerhand für null und nichtig erklären. Die Erklärung von vergangenem Freitag, wonach das Präsidium Vorstandschef Winterkorn gestärkt und angekündigt hatte, dessen bis Ende 2016 laufender Vertrag zu verlängern, wäre nichts mehr wert.

Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

„Für uns steht der Beschluss aus der vergangenen Woche. Sollte es weiteren Beratungsbedarf geben, dann müssen interne Gespräche geführt werden. Ich kann nur an alle Beteiligten appellieren, sich auf das Wohl des Unternehmens und seiner Beschäftigten zu konzentrieren“, sagte Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh der „Bild“-Zeitung.

Nach dem NDR-Bericht möchte Piëch noch vor der VW-Hauptversammlung den gesamten Aufsichtsrat mit seinen 20 Mitgliedern, nicht nur das sechsköpfige Präsidium, über seinen Kandidaten abstimmen lassen und VW-Chef Winterkorn kurzfristig ablösen. Es sei offen, ob Piëch dabei Müller oder Vahland durchsetzen möchte, hieß es.

Piëch muss die Familie Porsche umstimmen

Vor dieser Abstimmung scheint der Aufsichtsratsvorsitzende klare Verhältnisse schaffen zu wollen: Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur trafen sich am Mittwoch auf Drängen von Piëch die Familien Piëch und Porsche in Stuttgart. Dort soll der VW-Patriarch um Unterstützung für seinen Plan geworben haben, Vahland oder Müller als Nachfolger von Winterkorn durchzusetzen.

Für die Familie Piëch sitzen neben dem mächtigen Ferdinand auch dessen Frau Ursula und Bruder Hans Michel im Aufsichtsrat, die Familie Porsche wird durch Ferdinands Cousin Wolfgang und dessen Neffen Oliver vertreten.

Letztlich wolle Piëch verhindern, erneut den Machtpoker im Präsidium des VW-Aufsichtsrats zu verlieren. Über die Porsche SE halten die beiden Familien 50,73 Prozent der VW-Stammaktien. Damit halten sie nicht nur die entscheidende Mehrheit am Unternehmen. Es gilt auch als unwahrscheinlich, dass sowohl die Arbeitnehmervertreter als auch die Vertreter des Landes Niedersachsen dauerhaft an Winterkorn festhalten, wenn sich die einflussreichen Familien – anders als bislang – einig sind.

Bei dem entscheidenden Krisentreffen des Präsidiums vergangene Woche soll Piëch alleine dagestanden haben: Alle anderen fünf Mitglieder, darunter Piëchs Cousin Wolfgang Porsche, Betriebsratschef Bernd Osterloh und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil, hatten gegen den 78-jährigen Patriarchen und für Winterkorn votiert.

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Obwohl die genauen Gründe für Piëchs öffentliche Attacke gegen seinen Konzernchef mit dem Zitat „Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“ noch unklar sind, wird die Entscheidung des Präsidiums als Niederlage für Piëch gewertet – eine für ihn ungewöhnliche Schlappe. In der anschließenden Erklärung stellte das Präsidium fest, Winterkorn sei der „bestmögliche“ Vorstandschef. Das Präsidium werde dem Aufsichtsrat vorschlagen, Winterkorns Vertrag in seiner Februar-Sitzung nächstes Jahr zu verlängern, hieß es.

Allerdings betonten mehrere mit den Vorgängen in Salzburg vertraute Personen schon damals, dass das letzte Wort in der Sache noch nicht gesprochen sein dürfte. Eine Vorausahnung, die nun wahr geworden sein könnte.

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