VW-Sparprogramm: Winterkorns Brandrede

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VW-Sparprogramm: Winterkorns Brandrede

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VW-Chef Winterkorn hat ein scharfes Sparprogramm angekündigt. Auszüge aus seiner Brandrede.

von Franz W. Rother

Bis 2018 will Volkswagen-Chef Martin Winterkorn eine Rendite von sechs Prozent erreichen. Doch nach seiner Analyse liegt in Wolfsburg einiges im Argen – Auszüge und Einordnungen aus Winterkorns Brandrede.

Volkswagen scheint auf den ersten Blick eine einzige Erfolgsgeschichte. Doch hinter den Kulissen gärt es mächtig – dem Konzern laufen die Kosten davon. Auf einer Führungskräftetagung im Wolfsburger „Mobile Live Campus“ las Vorstandschef Martin Winterkorn seinen über 1000 Führungskräften die Leviten.

Dass es so heftig werden würde, hatten die VW-Manager sicher nicht gedacht, als Konzernchef Martin Winterkorn ans Rednerpult trat. Auf der Bühne stand das Modell des neuen Midsize-SUV, den Volkswagen ab Ende 2016 im US-Werk Chattanooga bauen will, um den Amerikanern endlich auch einen großen Geländewagen anbieten zu können. 900 Millionen US-Dollar sollen dafür in den USA investiert und zusätzliche 2000 Jobs geschaffen werden. Und im Rest des blauen Autoimperiums? Sieht es zunehmend finster aus.

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Einsparungen von fünf Milliarden Euro jährlich

„Es ist an der Zeit, die Prozesse, Kostendisziplin und Rendite der Marke Volkswagen noch stärker, noch nachdrücklicher in den Mittelpunkt unseres Denkens und Handels zu stellen“, polterte der Vorstandschef. „Die Marke Volkswagen ist heute führend bei Produkten, Innovationskraft, Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung. Unser, mein klarer Anspruch lautet: Die Marke Volkswagen muss auch ganz vorne sein bei Prozessen, Kostendisziplin und Rendite.“ Da gebe es noch große Defizite. Nicht allein wegen der politischen, wirtschaftlichen und technischen Umbrüche stehe das Unternehmen massiv unter Druck: „Wir müssen selbstkritisch feststellen, dass wir es auch mit hausgemachten Problemen zu tun haben.“ In den kommenden zwei Jahre müsse das Unternehmen finanziell auf Zielkurs kommen: „Es gilt jetzt Maßnahmen zu ergreifen, die deutlich, wirksam und auch schmerzhaft sind.“ Es gelte die Effizienz zu steigern, die Komplexität zu senken, den Einkauf zu optimieren, die Fabrik-, aber auch die Fixkosten zu senken – in Summe auf einen Betrag von rund fünf Milliarden Euro jährlich.

Wie die VW-Sparten 2013 abgeschnitten haben

  • Volkswagen Pkw

    Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

  • Audi

    Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

  • Seat

    Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Beine. 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen Euro reduziert wurde.

  • Skoda

    Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeugen ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

  • Porsche

    Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auf 78.000 Fahrzeuge taxiert.

  • Bentley

    Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. 2013 legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

  • Lamborghini und Bugatti

    Die Ergebnisse der beiden Ultraluxus-Sparten werden im Volkswagen-Halbjahresbericht nicht gesondert ausgewiesen. Der Absatz kann bei Lamborghini um 5,1 Prozent auf 1166 verkaufte Fahrzeuge zulegen. Die französischen Ultrasportwagen von Bugatti wurden im ersten Halbjahr ganze 16 Mal verkauft.

  • VW Nutzfahrzeuge

    Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeugen. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

  • MAN

    Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchnern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legt im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

  • Scania

    Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkw steigt der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

  • VW Finanzdienstleistungen

    Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legt im Jahr 2013 um 17,5 Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Winterkorn blieb nicht nur im Allgemeinen – er nannte auch konkrete Beispiele, wo und wie er im Rahmen des Effizienzprogramms Future Tracks sparen will:

• Die technische Entwicklung muss auch bei den Entwicklungskosten Spitze sein. Diese seien aber seit 2010 um fast 80 Prozent gestiegen. „Hier gilt es dringend gegenzuhalten: mit höchster Prozesseffektivität, weniger Komplexität und mehr Tempo im Produktentwicklungsprogramm.“ Im Klartext: Die Ingenieure sollen sich nicht länger im Kleinklein verlieren.

• Der Modulare Querbaukasten (MQB) sei zwar ein großer Wettbewerbsvorteil für die Marke und den Konzern. Aber die Vereinheitlichung der Fahrzeugplattformen bringe in Entwicklung und Produktion bei weitem noch nicht die erhofften Einsparungen. Winterkorn: „Die durchgängige Umsetzung dieses großen Projekts in Entwicklung, Beschaffung, Werken und allen anderen Bereichen ist ein echter Kraftakt. Wir alle sind dafür verantwortlich, weiterhin die gesetzten Ziele beim MQB zu erreichen: Bei den Kosten, bei der Termintreue und den Produktionsprozessen, beim Verbrauch, Gewicht und bei den Innovationen.“ Im Klartext: Es passt vorne und hinten noch nicht, die Einführung der Baukasten-Strategie überfordert die Mitarbeiter.

• Die gesetzten Produktrenditen müssten durchgängig gebracht werden. So sei die Fertigung eines zusätzlichen Tiguan-Derivats (nachgedacht wird, in der nächsten Modellgeneration, die 2015 anläuft, den kompakten SUV auch in einer Langversion sowie als Coupé anzubieten) derzeit an einem deutschen Standort wirtschaftlich nicht darstellbar, weil nicht alle „Gewerke“ zusammenarbeiten: Im Klartext: Entwicklung und Produktion arbeiten nicht zusammen, wie sie sollten.

• Bei den Komponenten ist die Fertigungstiefe zu hoch. Winterkorn: „Wir müssen uns hier stärker auf Kernkompetenzen für die Mobilität von morgen fokussieren.“ Von Komponenten, die bei Lieferanten profitabler gefertigt werden können, müsse man sich verabschieden. Im Klartext: Braucht es wirklich noch eigene Getriebewerke?

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