VW-Übernahmepoker: Kein Prozess gegen Porsche und Piëch

VW-Übernahmepoker: Kein Prozess gegen Porsche und Piëch

Die Ermittlungen gegen die Porsche-Aufsichtsräte Porsche und Piëch werden eingestellt. Laut der Ermittler lässt sei der Verdacht der Marktmanipulation unbegründet. Gleiches soll für Wiedeking und Härter gelten.

Die Porsche-Eigner Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche müssen sich nicht wegen Beihilfe zur Marktmanipulation im Zusammenhang mit dem Übernahmepoker um den VW-Konzern verantworten. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigte am Freitag, dass die Ermittlungen gegen den gesamten Aufsichtsrat eingestellt worden seien. Eine Sprecherin sagte, die Begründung für die Verfahrenseinstellung solle am Montag nachgeliefert werden. Die Porsche SE hatte zuvor mitgeteilt, die Staatsanwaltschaft habe ihre Ermittlungen eingestellt, weil sich die Vorwürfe als unbegründete erwiesen hätten.

Vor wenigen Tagen waren bereits die Ermittlungen gegen Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück eingestellt worden. Er ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche Automobil-Holding SE. Dem zwölfköpfigen Kontrollgremium gehörten 2008 neben Ferdinand Piëch und Wolfgang Porsche auch die Familienmitglieder Hans Michel Piëch, Ferdinand Oliver Porsche und Hans Peter Porsche an. Ferdinand Piëch war nach einem öffentlich ausgetragenen Machtkampf im April als Aufsichtsratschef von Volkswagen zurückgetreten. Sein Cousin Wolfgang Porsche leitet weiter den Kontrollrat von Porsche.

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Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart war dem Verdacht nachgegangen, die Aufsichtsräte hätten dem früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und Ex-Finanzvorstand Holger Härter bei der Marktmanipulation geholfen. Der Strafprozess gegen Wiedeking und Härter beginnt am 22. Oktober vor dem Stuttgarter Landgericht. Den beiden wird vorgeworfen, die Anleger gezielt getäuscht zu haben, indem sie offiziell die Absicht der Holdinggesellschaft Porsche SE zur Übernahme des Volkswagen-Konzerns bestreiten ließen. Wolfgang Porsche erklärte am Freitag, er sei zuversichtlich, dass sich auch die Anklage gegen Wiedeking und Härter als unbegründet erweisen werde.

Weitere Artikel

Dutzende Investoren machen geltend, sie hätten durch die damaligen Kurskapriolen an der Börse Verluste erlitten und streiten vor mehreren deutschen Gerichten mit Porsche um Entschädigungen von mehr als fünf Milliarden Euro. Sie sehen sich über die wahren Absichten von damals hinters Licht geführt. Porsche hält die Forderungen für unbegründet. Der Konzern musste damals den Übernahmeversuch wegen Überschuldung abblasen. Daraufhin drehte Volkswagen den Spieß um. Seitdem gehört der Stuttgarter Sportwagenbauer als zwölfte Marke zu dem Wolfsburger Konzern. Die von den Familien Porsche und Piëch kontrollierte Porsche SE ist mit knapp 51 Prozent größter VW-Eigner.

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