VW und das Personal-Karussell: Wer wird was in Wolfsburg?

VW und das Personal-Karussell: Wer wird was in Wolfsburg?

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Bei VW hat der personelle Umbau begonnen.

von Rebecca Eisert und Martin Seiwert

Nach der Vertragsverlängerung für Vorstandschef Martin Winterkorn werden bei Volkswagen die Weichen für die Zukunft gestellt. Wer bleibt und wer geht.

An der Spitze von Volkswagen wird so schnell nicht wieder Ruhe einkehren. Der Machtkampf zwischen VW-Chef Martin Winterkorn und dem damaligen Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch im Frühjahr markierte nur den Startschuss für den personellen Umbau.

Nun erhöhen die Großaktionäre des Konzerns – die Familien Porsche und Piëch (51 Prozent), Niedersachsen (20 Prozent) und der Staatsfonds von Katar (17 Prozent) – die Schlagzahl.

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Nachdem in der vergangenen Woche bekannt wurde, dass Winterkorns Vertrag als Vorstandschef des größten europäischen Autokonzerns bis 2018 verlängert werden soll, folgte kurz darauf im Präsidium des Aufsichtsrats die nächste Weichenstellung: IG-Metall-Vertreter Berthold Huber soll den Vorsitz im Aufsichtsrat an den jetzigen VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch übergeben. Schon im November dürfte eine außerordentliche Hauptversammlung der VW-Aktionäre beide Personalien absegnen. Widerstand gegen die Vorschläge ist nicht zu erwarten.

Die neue VW-Konzernstruktur

  • Konzernvorstand

    Bestehend aus dem Vorstandschef, einem Finanzvorstand, Einkaufsvorstand und Personalvorstand. Das achtköpfige Gremium komplettieren die Vorstände der vier Marken-Holdings.

  • Volkswagen

    Die Marken Volkswagen, Skoda und Seat werden in eine Gruppe zusammengefasst. Geleitet wird sie von Herbert Diess, der von BMW kommt. Auf Holding-Ebene wird es weitere Bereichs-Vorstände geben, zum Beispiel für Forschung, Entwicklung und Vertrieb.

  • Nutzfahrzeuge

    Bereits bekannt war, dass VW seine Lkw-Marken Scania, MAN und VW Nutzfahrzeuge in einer Holding unter dem ehemaligen Daimler-Manager Andreas Renschler bündeln wird.

  • Porsche

    Porsche-Chef Matthias Müller, seit kurzem auch Mitglied des aktuellen Konzernvorstands, soll auch die Verantwortung über die Luxusmarken Bugatti und Bentley übernehmen.

  • Audi

    Bei Audi soll sich nichts ändern: Die Ingolstädter haben bereits heute die Kontrolle über den Sportwagenbauer Lamborghini und die Motorradmarke Ducati. Das soll auch so bleiben.

Allerdings wird sich das Personalkarussell in den nächsten Wochen weiter drehen. Ein Nachfolger für Finanzchef Pötsch muss schleunigst her, gleichzeitig werden sich die Kandidaten für die Winterkorn-Nachfolge in Position bringen. Auf einer Führungskräftetagung Mitte Oktober will Winterkorn zudem das Geheimnis lüften, wie die zwölf Marken unter dem Konzerndach künftig geordnet und geführt werden sollen, um schneller auf Veränderungen reagieren zu können.

Die Zeit drängt: In China und Russland brechen die Verkäufe ein, die Rendite der Kernmarke VW ist lausig, ebenso ihr Auftritt in Nordamerika. Mit seinem Schlussspurt muss Winterkorn beweisen, dass die Mehrheit der Aufsichtsräte ihn zu Recht gegen den Willen von Piëch gehalten hat.

Martin Winterkorn, 68, VW-Konzernchef, wird nicht dem Aufsichtsrat vorstehen. Dafür hat Exchefkontrolleur und VW-Großaktionär Ferdinand Piëch dann doch noch gesorgt, nachdem er mit seinem Versuch gescheitert war, Winterkorn abzusetzen. Vergangene Woche kürte das Präsidium des Aufsichtsrats Finanzchef Pötsch zum Oberaufseher. Der Finanzexperte soll dem Vorstand nun auf die Finger schauen. Winterkorn hätte diese Rolle lieber übernommen, als bis zum Schluss den Praxistest bestehen zu müssen, ob seine Strategie 2018 aufgeht: VW zum größten Automobilhersteller mit einer Umsatzrendite von wenigstens acht Prozent vor Steuern zu machen. Scheitert er an seinen eigenen Zielen, ist ein späterer Wechsel in den Aufsichtsrat definitiv ausgeschlossen.

Hans Dieter Pötsch, 64, VW-Finanzvorstand, rückt auf den Posten des Aufsichtsratschefs des Wolfsburger Autokonzerns. Pötsch hat die milliardenschweren Übernahmen von Porsche, MAN und Scania ruhig abgewickelt. Er achtet darauf, dass die autovernarrten Techniker des Konzerns die Kosten nicht aus dem Blick verlieren. Der gebürtige Österreicher steht seit zwölf Jahren im Dienst von Volkswagen. Er ist ein Mann des Ausgleichs und genießt das Vertrauen der Familien Piëch und Porsche, für die er nun Winterkorn als Aufsichtsratschef von VW verhindert. Das Ansehen beider Clans erwarb er sich, nachdem der Übernahmeangriff von Porsche auf VW 2008 gescheitert war und er die komplizierte Einigung mit Porsche mit erarbeitete. Ihr verdanken die Piëchs und Porsches, dass sie heute Mehrheitsaktionäre eines führenden Autokonzerns anstelle eines kleinen Sportwagenbauers sind.

Herbert Diess, 56, seit Mai VW-Markenvorstand, hat gute Chancen Martin Winterkorn an der Spitze des Gesamtkonzerns zu beerben. Der smarte Ex-BMW-Einkaufschef hatte Ex-VW-Aufsichtsratschef Piëch und Vorstandschef Winterkorn überzeugt, der richtige Mann zu sein, um bei VW die Kosten zu killen. Denn bei BMW hatte er Einsparungen im Einkauf in dreistelliger Millionenhöhe geschafft. Diess weiß, dass er sich dabei mit dem mächtigen VW-Betriebsrat und der IG Metall gut stellen muss. Deshalb bemüht er sich um einen guten Draht zu VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Der hat Diess sein Vertrauen ausgesprochen – erst einmal.

Bernd Osterloh, 59, VW-Betriebsratschef, hat – auch wenn er dies öffentlich nie sagen würde – selbst Ambitionen: Er gilt in Wolfsburg als Anwärter auf den mit rund sechs Millionen Euro dotierten Posten des Personalvorstands. Amtsinhaber Horst Neumann scheidet Ende des Jahres aus, eine Vertragsverlängerung ist nicht vorgesehen. Traditionell steht der Personalchef bei VW den Gewerkschaften nahe. Bei VW, wo fast alle Mitarbeiter der IG Metall angehören, gilt ein Spruch von Exaufsichtsratschef Piëch: „Gegen die Arbeitnehmervertreter ist das Unternehmen nicht zu regieren.“ Ein direkter Wechsel vom Betriebsrat in den Vorstand wäre zwar selbst für VW-Verhältnisse heikel. Doch in Wolfsburg rechnen viele damit, dass Winterkorn Osterloh für das Amt gewinnen wird. Denn die beiden sind seit Jahren ein eingespieltes Team und sollen in den nächsten Jahren ein zehn Milliarden Euro schweres Sparprogramm durch den Konzern peitschen. Dabei gilt es, ein Kunststück zu vollbringen: Sparen, ohne die riesige Belegschaft zu verkleinern, die 70 Prozent größer ist als die von Toyota, aber nicht wesentlich mehr Umsatz schafft. Schwer vorstellbar, wie das mit einem anderen als Osterloh gehen sollte.

Audi-Chef Rupert Stadler, 52, fühlt sich nach eigenen Worten pudelwohl in Ingolstadt. Gleichwohl ist Piëchs ehemaliger Bürochef ein erster Kandidat für die Nachfolge von Pötsch als VW-Finanzchef. Stadler besitzt die Nähe zu dem VW-Patriarchen, da er im Vorstand von dessen Stiftung sitzt, die eines Tages Piëchs Nachlass verwalten soll. Nach Wolfsburg locken könnte den Zahlenmenschen die Aussicht, an zentraler Position die Strippen zu ziehen und sich so zu einem weiteren Kandidaten für die Winterkorn-Nachfolge 2018 zu machen.

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