VW und Prevent: Volkswagen verhandelt ab Mittag mit den Zulieferern

VW und Prevent: Volkswagen verhandelt ab Mittag mit den Zulieferern

, aktualisiert 22. August 2016, 14:08 Uhr
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Bis zum 27.8. werden keine Golfs gebaut.

Seit Samstag ruhen die Bänder der Golf-Produktion in Wolfsburg. Fortschritte in den Verhandlungen mit den beiden Zulieferern gibt es keine – ab Mittag soll wieder über die fehlenden Teile und Zahlungen gesprochen werden.

Im schwelenden Streit zwischen dem Zulieferer ES Automobilguss und Volkswagen gibt es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur auch Querelen um eine Rechnung für Juli. Demnach muss der sächsische Teilehersteller, dessen Lieferstopp derzeit Teile der VW-Produktion lahmlegt, fürchten, fast 400.000 Euro für Leistungen aus dem Monat Juli nicht wie verlangt bis spätestens zum 25. August gezahlt zu bekommen. Der angebliche Grund dafür lässt aufhorchen: VW-intern scheint es bei dem Vorgang im Verwaltungssystem einen Differenzbetrag von rund 80 Euro zu geben – das sind nur ungefähr 0,02 Prozent der Rechnungssumme für Juli.

Aus dem Hause Volkswagen war am Montag zu hören, dass es sich um keinen ungewöhnlichen Vorgang handele. In der Rechnungsbearbeitung tauche manchmal Klärungsbedarf auf. Das Geld sei daher derzeit in der Tat noch nicht überwiesen. Das heiße aber noch lange nicht, dass das auch bis zum Fälligkeitsdatum 25. August so bleiben müsse.

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Bei ES Automobilguss sieht man das dagegen anders: „Ich hoffe sehr, dass diese Handlungsweise nicht einem ungerechtfertigten VW-seitigen Embargo wegen unserer derzeitigen Auseinandersetzung hinsichtlich der Belieferung Ihres Hauses geschuldet ist“, schreibt der Verantwortliche auf Zuliefererseite an VW und betont, dass „die Juli-Rechnung in keinem kausalen Zusammenhang mit unserem Lieferstopp seit Anfang August in Verbindung steht“. Der dpa liegen Unterlagen dazu im Wortlaut vor. Sie reichen jedoch nur bis zum Donnerstag der vergangenen Woche (18.). Von VW hieß es am Montag, die Rechnung werde „nach erfolgter abschließender Prüfung fristgemäß überwiesen“.

Diese VW-Werke waren von dem Lieferstopp betroffen

  • Emden

    Modell: Passat
    Betroffene Mitarbeiter: rund 7.500

    Quelle: Volkswagen

  • Wolfsburg

    Modell: Golf (Tiguan- und Touran-Fertigung laufen weiter)
    Betroffene Mitarbeiter: rund 10.000

  • Zwickau

    Modell: Passat und Golf
    Betroffene Mitarbeiter: rund 6.000

  • Kassel

    Modell: Teilbereiche der Getriebe- und Abgasanlagenfertigung
    Betroffene Mitarbeiter: rund 1.500

  • Salzgitter

    Modell: Teilbereiche der Motorenfertigung
    Betroffene Mitarbeiter: rund 1.400

  • Braunschweig

    Modell: Teilbereiche der Fahrwerkteile- und Kunststoffteile-Fertigung
    Betroffene Mitarbeiter: rund 1.300

Damit erscheint der Vorgang wie ein Sturm im Wasserglas – zeigt aber auch, wie sensibel die Situation derzeit ist. Nach dpa-Informationen trafen sich beide Seiten am Montag in einem Hotel in Wolfsburg, um weiterzuverhandeln und den Lieferstopp möglichst rasch beizulegen. Beide Seiten hatten zuvor betont, sich zusammenraufen zu wollen.

Bis Samstag wird kein Golf gebaut

Entsprechende Engpässe wegen des Öieferstopps zwingen VW zunächst bis einschließlich zum Samstag (27. August), die Fertigung des Golf im Stammwerk Wolfsburg komplett herunterzufahren. Wie aus dem Konzern zu hören war, sollen die vor dem Wochenende abgebrochenen Gespräche beider Seiten gegen Mittag fortgesetzt werden.

In Wolfsburg prüft Europas größter Autobauer Kurzarbeit, in Emden wurde diese schon für zahlreiche Beschäftigte angemeldet. Auch in Zwickau ruht ab Montag die Golf- und Passat-Montage. Das Getriebewerk in Kassel, das wegen der fehlenden Guss-Teilen ebenfalls betroffen ist, plant jedoch keine Kurzarbeit. Bis zu 30.000 Beschäftigte können laut dem Unternehmen in dieser Woche nicht wie geplant arbeiten. „Da die weitere Entwicklung nicht absehbar ist, hat Volkswagen Flexibilisierungsmaßnahmen bis hin zur Kurzarbeit vorbereitet“, erklärte der Konzern am Montag in Wolfsburg.

VW-Zuliefererstreit Experten warnen vor Kettenreaktion

Der Streit zwischen VW und seinen Zulieferern könnte in der Branche weite Kreise ziehen - und andere Lieferanten in Bredouille bringen.

Blick auf das Werksgelände des Teilezulieferers ES Automobilguss in Schönheide (Sachsen) Quelle: dpa

Der Produktionsstopp hängt aus Sicht von Betriebsratschef Bernd Osterloh zweifelsfrei am Verhalten von Prevent. „Nach unserer Auffassung liegt die Verantwortung eindeutig beim Zulieferer. Oder glauben Sie, wir als Betriebsrat fragen nicht, wessen Schuld es ist, dass unsere Kollegen zu Hause bleiben müssen“, sagte Osterloh der „Bild“-Zeitung.

Die beteiligten Zulieferer sehen die Lage anders als Osterloh und der Konzern. Sie reklamieren für sich, VW zwinge sie zu dem Lieferstopp, weil der Autobauer „frist- und grundlos“ Aufträge gekündigt habe und einen finanziellen Ausgleich dafür ablehne. Es geht dabei um einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Der Lieferstopp geschehe zum Selbstschutz und im Kampf um die Zukunft der eigenen Mitarbeiter.

Osterloh warnte indes angesichts des Zulieferstreits und der Abgasaffäre bei Volkswagen vor betriebsbedingten Kündigungen. „Stammbelegschaft ist Stammbelegschaft“, sagte Osterloh der Zeitung. „Wenn sich jemand trauen sollte, dort abbauen zu wollen, müssten wir auch den Vorstand verkleinern!“ Über die Personalentscheidungen müsse man sich im Aufsichtsrat – in dem Osterloh selbst sitzt – unterhalten, sagte er der Zeitung.

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