VW: US-Behörde untersucht mögliche Vertuschung von Sicherheitsmängeln

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Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA untersucht eine mögliche Vertuschung von Sicherheitsmängeln bei VW.

von Martin Seiwert

Für Volkswagen wird die Lage in den USA immer bedrohlicher: Die Verkehrssicherheitsbehörde überprüft, ob VW Sicherheitsprobleme und technische Mängel verschwiegen hat. Den Wolfsburgern drohen Milliardenklagen.

Nicht nur die oberste Umweltbehörde des Landes, die EPA, hat den Autokonzern Volkswagen im Visier und wirft ihm manipulierte Abgaswerte bei VW-, Audi- und Porsche-Modellen vor. Auch die nationale US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA geht nach Informationen der WirtschaftsWoche nun gegen den VW-Konzern vor.
Die Behörde, die dem amerikanischen Verkehrsministerium unterstellt ist, überprüft, ob VW möglicherweise Sicherheitsprobleme bei Fahrzeugen verschwiegen hat. NHTSA-Sprecher Gordon Trowbridge erklärte gegenüber der WirtschaftsWoche, dass die Behörde „in Diskussionen mit VW-Verantwortlichen eine Überprüfung des Sachverhalts durch einen unabhängigen, externen Gutachter angeordnet hat“. Diese Prüfung sei „Teil der Bemühungen von VW, die Sicherheitsvorschriften einzuhalten“.

Eine US-Sprecherin von VW beteuerte gegenüber der WirtschaftsWoche die Absicht mit der Behörde zu kooperieren und den Sachverhalt aufzuklären.

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Autohersteller, die auf dem US-Markt Fahrzeuge vertreiben, sind verpflichtet, die NHTSA über Unfälle mit Toten oder Verletzten zu unterrichten. Berichtspflicht besteht, wenn mögliche Geschädigte beim Hersteller Ansprüche geltend gemacht haben. Die Zahl solcher Schadenersatzforderungen, die Volkswagen gemeldet hat, war in den vergangenen Jahren derart niedrig, dass die Behörde nun der Frage nachgeht, ob VW Klagen und damit womöglich technische Mängel verschwiegen hat.

Trotz Abgasskandal Die vergessenen Baustellen des Volkswagen-Konzerns

Das Dieselgate hat Volkswagen in seinen Grundfesten erschüttert, nach dem Abgasskandal muss der neue Konzernchef Matthias Müller den Konzern neu ordnen. Dabei darf er aber die alten Baustellen nicht vergessen.

VW hat neben dem Dieselgate auch noch andere Probleme. Quelle: dpa/Montage

Die Wolfsburger haben in den USA einen ähnlich hohen Marktanteil wie BMW oder Daimler. Doch während Daimler im vergangenen Jahr 200 Schadenersatzforderungen an die Aufsichtsbehörde meldete und BMW 143, waren es bei VW nur 47. Wie eine Auswertung von NHTSA-Zahlen durch die WirtschaftsWoche ergab, waren die VW-Zahlen in den Jahren zuvor sogar noch niedriger: Zwischen 2007 und 2013 meldete VW durchschnittlich nur 18 Fälle pro Jahr.

Matthias Müller in Abgasskandal verstrickt?

„Was hinter diesen Zahlen steckt, wissen wir nicht“, sagte der Manager eines anderen deutschen Autobauers im Gespräch mit der WirtschaftsWoche, „aber nachvollziehen kann unsere Fachabteilung dies beim besten Willen nicht.“

Die größten Rückrufe der letzten Jahre

  • Rückrufaktionen

    Immer wieder müssen Autohersteller Wagen in die Werkstätten beordern. In der Abgas-Affäre steht Volkswagen mit insgesamt elf Millionen betroffenen Autos vor einer der größten Aktionen der vergangenen Jahre.

  • Oktober 2012

    Fast 7,5 Millionen Autos weltweit ruft Toyota wegen Problemen mit elektrischen Fensterhebern zurück.

  • Juni 2013

    Chrysler startet einen massenhaften Rückruf in den USA. Die Verkehrssicherheitsbehörde hatte gefordert, 2,7 Millionen ältere Jeep Grand Cherokee und Jeep Liberty zu prüfen - Tanks könnten bersten, wenn die Geländewagen gerammt würden.

  • November 2013

    Volkswagen holt über 2,6 Millionen Autos in die Werkstätten. Weltweit gibt es Qualitätsprobleme. Im selben Monat treten wegen diverser Rückrufaktionen des südkoreanischen Autobauers HYUNDAI drei Manager dieses Unternehmens zurück.

  • März 2014

    General Motors weitet die Rückrufaktion wegen Problemen an Zündschlössern aus. Betroffen sind mittlerweile rund 2,6 Millionen Fahrzeuge. Sie wurden meist in den USA und Kanada verkauft. Der Konzern muss sich für mindestens 13 Tote und 31 Unfälle verantworten.

  • April 2015

    Der japanische Kleinwagen-Spezialist Suzuki Motor ruft rund zwei Millionen Autos in die Werkstätten zurück, die meisten davon in Japan. Grund sind mögliche Defekte bei Zündschlössern.

  • Mai 2015

    Der japanische Airbag-Hersteller Takata muss Gefahren bei insgesamt 19,2 Millionen Autos zugeben und läutet damit die bis dahin größte Rückrufaktion der US-Autoindustrie ein.

  • Juli 2015

    Chrysler ruft in den USA 1,4 Millionen Wagen wegen einer Sicherheitslücke zurück, die zwei Hacker aufgedeckt hatten. Durch fehlerhafte Software könnten Autos aus der Ferne manipuliert werden.

  • August 2015

    Wegen Airbag-Problemen ruft Volkswagen in den USA 420 000 Autos zurück. Schwierigkeiten mit einer Feder am Lenkrad könnten dazu führen, dass der Airbag bei einem Unfall nicht auslöst.

  • September 2015

    Fiat Chrysler muss in Nordamerika gut 1,7 Millionen Fahrzeuge wegen technischer Mängel in die Werkstätten beordern. Die Gründe sind Fehler am Lenkrad und Probleme mit Airbags.

  • Oktober 2015

    In der Diesel-Affäre ordnet das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) einen verpflichtenden Rückruf für 2,4 Millionen Volkswagen-Fahrzeuge in Deutschland an.

Sollte der von NHTSA angeordnete, externe Gutachter Belastendes finden, könnte das für VW „noch explosiver als Dieselgate sein“, sagt der US-Staranwalt Steve Berman von der Kanzlei Hagens Berman Sobol Shapiro in Seattle im US-Bundesstaat Washington. Berman hatte 1998 als leitender Rechtsberater der US-Bundesstaaten einen Schadenersatz der Tabakindustrie von rund 216 Milliarden Dollar erstritten und war in Milliardenklagen gegen etliche andere Konzerne erfolgreich.

„Die Berichte an die NHTSA sind sakrosankt“, warnt er. General Motors etwa habe bei den defekten Zündschlössern, die über 100 tödliche Unfälle verursachten, die NHTSA nicht korrekt informiert. „Die US-Regierung hat allein dafür eine Strafe von 90 Millionen Dollar verhängt“, erläutert Berman.

Der neue rechtliche Ärger kommt für VW-Chef Matthias Müller zur Unzeit. Denn seit Montag steht der Verdacht im Raum, dass der Skandal um manipulierte Abgaswerte weitere Modelle von Audi und Porsche betreffen könnte. Damit wäre erstmals auch Porsche betroffen – also jene Marke, die bis vor Kurzem von Müller selbst geleitet wurde. Eine Verstrickung Müllers in den Abgasskandal erscheint damit möglich. Sie könnte ihn als VW-Chef letztlich untragbar machen.

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