VW: Volkswagen ist alles andere als ein Sanierungsfall

KommentarVW: Volkswagen ist alles andere als ein Sanierungsfall

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Martin Winterkorn kann zufrieden mit seinem Sparkurs sein.

von Franz W. Rother

Allen Unkenrufe zum Trotz ist Volkswagen kein klassischer Sanierungsfall. Die Quartalszahlen des Autoherstellers belegen: Martin Winterkorn ist auf dem richtigen Weg.

Was ist in den vergangenen drei Wochen nicht alles geschrieben worden über die Großbaustellen im Volkswagen-Konzern, nach dem der VW-Oberaufseher Ferdinand Piëch "auf Distanz" gegangen war zu Vorstandschef Martin Winterkorn.

Über der Personaldebatte, die der 78-jährige Patriarch und VW-Großaktionär vermutlich aufgrund gekränkter Eitelkeit losgetreten hatte und die vergangene Woche schließlich völlig überraschend zur Niederlegung sämtlicher Mandate im Konzern und seinen Gremien führte, sind die Probleme, mit denen Europas größter Automobilhersteller zu kämpfen hat, zu Jedermannswissen geworden.

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Die Probleme in Südamerika und Russland, die viel zu starke Abhängigkeit vom chinesischen Markt, die Lücken im Modellprogramm und die Verfehlung der hochgesteckten Ziele auf dem US-Markt, aber auch die mangelnde Flexibilität des Konzerns aufgrund einer zentralistischen Führungsstruktur und des zu starken Einflusses der Familienclans, der Politik und der Gewerkschaften: All das wurde auf allen möglichen digitalen und analogen Kanälen in Stammtischmanier von geborenen Autoexperten mit und ohne Führerschein wie von selbsternannten Autopäpsten mit und ohne Professorentitel so lange durchgekaut.

Irgendwann war auch der letzte Diskutant zum Schluss gekommen: Der Volkswagen-Konzern ist ein riesiger Sanierungsfall, der dringend umgebaut, heftig umgekrempelt und gründlich ausgemistet gehört.

Historische Zäsur

In dem 52-seitigen Quartalsbericht, den dieser Autokonzern heute vorgelegt hat, kommen die Turbulenzen der vergangenen Wochen nur in neun Zeilen vor: Ganz trocken wird dort unter "Wichtige Ereignisse" dargelegt, dass "Prof. Dr. Ferdinand K. Piëch" und seine Frau Ursula Piech am 25. April 2015 mit sofortiger Wirkung ihre Aufsichtsratsmandate niedergelegt haben und dass seitdem "Herr Berthold Huber" kommissarisch die Leitung des Aufsichtsrats übernommen hat.

Ansonsten wird, ebenfalls in trockenem Ton, aber wesentlich ausführlicher, über die Geschäftsentwicklung in den ersten drei Monaten des Jahres 2015 berichtet. Eine Zeit, die im Rückblick vermutlich eine historische Zäsur darstellen wird.

Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

Aber der Quartalsbericht ist bei allen größeren Problemen und kleineren Risiken, die natürlich pflichtschuldig auch aufgezeigt werden, insgesamt eher eine Erfolgsbilanz. Die Umsätze sind im Vergleich zum Vorjahresquartal um über zehn Prozent gestiegen, der operative Gewinn gegenüber Vorjahr sogar um 16,6 Prozent. Vor Steuern erzielte der Konzern einen Gewinn von immerhin knapp vier Milliarden Euro.

Zur Erinnerung: Am Ende des 1. Quartals 2013 stand hier lediglich eine Summe von knapp 2,7 Milliarden Euro. Der Kurs von Vorstandschef Martin Winterkorn, einerseits die Umsätze durch einen Ausbau des Modellprogramms und der Fertigungskapazitäten im Ausland zu steigern und gleichzeitig durch Effizienzsteigerungen in Entwicklung, Produktion und Einkauf die Kosten zu senken, trägt also durchaus Früchte. Ein klassischer Sanierungsfall sieht jedenfalls anders aus.

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