VW: Volkswagen will Marken in vier Einheiten gruppieren

VW: Volkswagen will Marken in vier Einheiten gruppieren

, aktualisiert 15. Juni 2015, 15:00 Uhr
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VW-Chef Winterkorn gibt die Richtung vor: Neue Führungsstruktur soll den Konzern schlanker und effizienter machen.

Nach dem Machtkampf bei VW standen die zentralisierten Strukturen in der Kritik. VW-Boss Martin Winterkorn will den Konzern jetzt schlanker aufstellen, indem die Zentrale in Wolfsburg Macht abgibt.

Der Machtkampf bei Volkswagen hatte eine Debatte über die Struktur des Autokonzerns losgetreten – nun nimmt der Umbau offenbar konkrete Formen an. Wie das "Handelsblatt" unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, sollen die zwölf Marken des Autobauers in vier Holdings gruppiert werden, die deutlich unabhängiger von Wolfsburg agieren sollen als bisher. Das soll der engere Führungszirkel um VW-Chef Martin Winterkorn bei einem Geheimtreffen am Braunschweiger Flughafen am Freitag diskutiert haben.

Demnach soll es neben der bereits geplanten Lkw-Holding unter Führung von Andreas Renschler mit den Marken Scania, MAN und VW Nutzfahrzeuge drei weitere Gruppen geben:

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- Volkswagen, geleitet von Ex-BMW-Manager Herbert Diess soll zusammen mit Seat und Skoda den Massenmarkt abdecken,

- Porsche soll unter Matthias Müller die Luxus-Sparte mit Bugatti und Bentley führen,

- während Rupert Stadler die Verantwortung über die Marken Audi, Lamborghini und Ducati behält.

Die neue VW-Konzernstruktur

  • Konzernvorstand

    Bestehend aus dem Vorstandschef, einem Finanzvorstand, Einkaufsvorstand und Personalvorstand. Das achtköpfige Gremium komplettieren die Vorstände der vier Marken-Holdings.

  • Volkswagen

    Die Marken Volkswagen, Skoda und Seat werden in eine Gruppe zusammengefasst. Geleitet wird sie von Herbert Diess, der von BMW kommt. Auf Holding-Ebene wird es weitere Bereichs-Vorstände geben, zum Beispiel für Forschung, Entwicklung und Vertrieb.

  • Nutzfahrzeuge

    Bereits bekannt war, dass VW seine Lkw-Marken Scania, MAN und VW Nutzfahrzeuge in einer Holding unter dem ehemaligen Daimler-Manager Andreas Renschler bündeln wird.

  • Porsche

    Porsche-Chef Matthias Müller, seit kurzem auch Mitglied des aktuellen Konzernvorstands, soll auch die Verantwortung über die Luxusmarken Bugatti und Bentley übernehmen.

  • Audi

    Bei Audi soll sich nichts ändern: Die Ingolstädter haben bereits heute die Kontrolle über den Sportwagenbauer Lamborghini und die Motorradmarke Ducati. Das soll auch so bleiben.

Jede der vier Holdings soll eigene Vorstände und Bereichsvorstände erhalten. Viele Entscheidungen sollen nicht mehr zentral in Wolfsburg, sondern bedarfsgerecht in den Holdings gefällt werden. Das hat auch Auswirkungen auf den Konzernvorstand: Dieser soll laut dem diskutierten Modell noch aus dem Vorstandsvorsitzenden, den Ressorts Finanzen, Einkauf und Personal sowie den vier Vorständen der Holdings bestehen.

Themen wie Vertrieb, Verkaufsstrategie und Entwicklung sollen nicht mehr auf Konzernebene, sondern direkt in den einzelnen Holdings entschieden werden.

Konzernstruktur für Volkswagen VW-Aufsichtsräte beraten Konzernstrategie

Heimliches Spitzentreffen in Braunschweig: Die Aufsichtsräte treffen sich mit Konzernchef Martin Winterkorn, um eine Modernisierung der Konzernstruktur zu beraten. VW will für sein künftiges Wachstum beweglicher werden.

VW Schild Quelle: dpa

Ebenfalls diskutiert wurde offenbar ein Modell, bei dem Porsche und Audi in einer Gruppe gebündelt werden sollten – beide Marken gehören zu den Ertragsperlen des VW-Konzerns. Nach dem Treffen vom Freitag ist dieses Thema aber offenbar vom Tisch. "Bei Porsche und Audi läuft das Geschäft, diesen Erfolg dürfen wir nicht riskieren", begründet ein Insider den Schritt gegenüber dem "Handelsblatt".

Der Aufsichtsrat soll Winterkorns Pläne zur Neuausrichtung des weltweit zweitgrößten Autokonzerns Ende September genehmigen. Danach sollen sie dem Management präsentiert werden.

Wer Winterkorn nachfolgen könnte

  • Herbert Diess

    Zumindest in einem Punkt steht Herbert Diess schon jetzt als Nachfolger von Martin Winterkorn fest: Im Juli soll er das Amt des VW-Markenchefs übernehmen. Winterkorn hat den früheren BMW-Entwicklungsvorstand persönlich für diese Ausgabe ausgewählt – und vom bayrischen Konkurrenten abgeworben. In der Branche gilt Diess als fähiger Manager mit Ambitionen zu Höherem. Bis er ihm Herbst überraschend zu VW wechselte, legte er bei BMW eine steile Karriere hin. Für viele zählte er sogar zum Kreis der möglichen Nachfolger von Konzernchef Norbert Reithofer.

  • Andreas Renschler

    Seit dem Februar 2015 ist Andreas Renschler Chef der Nutzfahrzeugsparte des VW-Konzerns. Er soll aus der gelähmten LKW-Sparte um MAN und Scania endlich eine schlagkräftige Einheit formen. Für den neuen Job und den Posten im VW-Aufsichtsrat hat er seinen Job als Produktionschefs bei Daimler an den Nagel gehängt – zur Überraschung vieler Branchenkenner. Denn dort wurde er sogar als Nachfolger von Dieter Zetsche gehandelt. Wie Herbert Diess wäre Renschler wohl eher ein Interims-Nachfolger für Martin Winterkorn denn langfristige Lösung.

  • Matthias Müller

    Porsche-Chef Matthias Müller lenkt mit dem Sportwagenbauer einen der wichtigsten Gewinnbringer der VW-Gruppe. Schon allein deshalb wird der 61-Jährige als möglicher Nachfolger von Martin Winterkorn gehandelt. Etwaigen Spekulationen hat Müller schon einen Riegel vorgeschoben: „Ich bin kein potenzieller Nachfolger für Herrn Dr. Winterkorn“, erklärte Müller noch Anfang Januar. Er sei zu alt für den Job, sagte er – offenbar in der Annahme, eine Nachfolge-Debatte läge noch in weiter Ferne.

    Für Müller gibt es offenbar trotzdem kaum einen Grund, seine Position bei Porsche aufzugeben. Er fühle sich „pudelwohl hier bei der tollsten Firma der Welt“, sagte er der WirtschaftsWoche im März.

  • Hans Dieter Pötsch

    Als Aufsichtsrat-Mitglied und Finanzchef weiß Hans Dieter Pötsch schon jetzt bestens über alle Entwicklungen im VW-Konzern Bescheid. Seit er 2003 den Posten des Finanzchefs übernommen hat, musste er bereist so manche Mammutaufgabe meistern. Wie die komplizierte Integration von Porsche ins Volkswagen-Reich gelang es ihm meist ziemlich gut. Der Wirtschaftsingenieur hat es deshalb zu einigem Ansehen und Einfluss im Konzern gebracht.

  • Heinz-Jakob Neußer

    VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer wird allenfalls als Nachfolge-Kandidat aus der zweiten Reihe gehandelt. Er verantwortet zwar die Weiterentwicklung der Kernmarke VW, ist aber bislang kein Mitglied des Aufsichtsrats. Allerdings erfüllt er eine wichtige Bedingung, die Ferdinand Piëch für das Spitzenpersonal im VW-Konzern formuliert hat: Der Maschinenbau-Ingenieur verfügt er über viel technisches Know-how.

Wie die WirtschaftsWoche aus Aufsichtsratskreisen erfuhr, soll es keinen Schnellschuss geben. "Wir stehen erst am Anfang", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Wenn die Konzernstruktur im Herbst stehe, sei es möglich, dass Winterkorn an die Spitze des Aufsichtsrat wechsle. Sicher ist das aber offenbar noch nicht.

Sollte es aber dennoch so kommen, könnte Porsche-Chef Müller übergangsweise den Volkswagen-Konzern lenken, bis mittelfristig einer der jüngeren Diess, Renschler oder Skoda-Chef Winfried Vahland übernimmt. Ein anderer Name spielt in der Nachfolge-Debatte momentan keine Rolle mehr. Audi-Chef Rupert Stadler ist wohl wegen seiner Nähe zu Ferdinand Piëch aus dem Rennen. Zudem fehlt dem studierten Betriebstwirt eine oft postulierte Anforderung für den Chefsessel in Wolfsburg: ein Ingenieurs-Abschluss.

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