VW: Winterkorn bleibt Vorstandschef

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VW: Winterkorn bleibt Vorstandschef

, aktualisiert 17. April 2015, 12:14 Uhr
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Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, bleibt im Amt

von Sebastian Schaal

Der Machtpoker bei Volkswagen ist entschieden: Vorstandschef Martin Winterkorn bleibt, sein Vertrag soll sogar verlängert werden. Für VW-Patriarch Ferdinand Piëch ist das eine Niederlage mit Seltenheitswert.

Sechs Tage und 22 Stunden dauerte der Machtpoker bei Volkswagen. Am vergangenen Freitag um Punkt 14 Uhr veröffentlichte „Spiegel Online“ einen Artikel mit dem bereits heute legendären Satz von VW-Patriarch Ferdinand Piëch, er sei „auf Distanz“ zu seinem Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn. Der stets vorgezeichnete Weg, wonach Winterkorn Piëch eines Tages an der Spitze des Aufsichtsrates beerben würde, schien von jetzt auf gleich verbaut.

Seit diesem Freitagmittag steht nun fest: Winterkorn bleibt. Mehr noch: Sein Vertrag soll sogar verlängert werden. Das beschloss das mächtige Aufsichtsrats-Präsidium bei einer Sondersitzung in Salzburg. Für VW-Übervater Piëch ist das eine krachende Niederlage. Seinem Machtwort hatte sich noch niemand im Konzern widersetzt. Bis zum 18. April 2015, seinem 78. Geburtstag.

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Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

In knappen Worten erklärte das Präsidium, es habe festgestellt, dass „Professor Dr. Martin Winterkorn der bestmögliche Vorsitzende des Vorstands für Volkswagen“ sei. „Das Präsidium legt großen Wert darauf, dass Herr Professor Dr. Winterkorn seine Funktion als Vorsitzender des Vorstands auch weiterhin so aktiv und erfolgreich wie bisher verfolgt und hat hierbei die uneingeschränkte Unterstützung des Gremiums“, heißt es in der Mitteilung. „Das Präsidium wird dem Aufsichtsrat jetzt vorschlagen, den Vertrag von Herrn Professor Dr. Winterkorn in der Februar-Aufsichtsratssitzung des Jahres 2016 zu verlängern.“

Winterkorn hat in Salzburg gekämpft

Fast drei Stunden saß das sechsköpfige Gremium am Donnerstagnachmittag in Salzburg beisammen und verhandelte über die Zukunft des 67-Jährigen Das Präsidium ist der Kern des 20-köpfigen Aufsichtsrats und bereitet entscheidende Weichenstellungen des Kontrollgremiums vor. Die restlichen 14 Mitglieder des Aufsichtsrats folgen den Entscheidungen des Präsidiums in der Regel. Das Sextett bilden neben Ferdinand Piëch Berthold Huber (IG Metall), VW Konzernbetriebsrat Bernd Osterloh, dessen Vize Stephan Wolf, Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und der Sprecher des Porsche-Familienzweigs Wolfgang Porsche.

Winterkorn hat die seit Tagen schwelende Führungskrise überstanden. Der Schwabe hatte bis zuletzt gekämpft, hatte selbst an der Präsidiumssitzung in Salzburg teilgenommen, um sich zu verteidigen. Dabei soll er die Forderung nach einer Vertragsverlängerung aufgestellt haben. Und so kam es dann auch.

Bereits im Vorfeld der entscheidenden Sondersitzung hatten sich zwei Mitglieder des Präsidiums auf Winterkorns Seite geschlagen: Betriebsratschef Osterloh und Ministerpräsident Weil. Wolfgang Porsche ließ erklären, die strittige Äußerung seines Cousins Ferdinand sei dessen „Privatmeinung“ und „sachlich und inhaltlich nicht mit der Familie abgestimmt“. Ob man in diese Aussage eine Distanzierung zu Piëchs Aussage hineininterpretieren kann, bleibt Ansichtssache.

Piëch selbst dürfte sich der Folgen seines Zitats voll bewusst gewesen sein. Öffentliche Äußerungen des 78-Jährigen sind selten und wenn sie kommen, sind sie wohlüberlegt. Ein kurzer, prägnanter Satz, der seine Wirkung erst nach und nach entfaltet.

Mit bissigen Zitaten hatte er bereits den früheren VW-Vorsitzenden Bernd Pischetsrieder („Ich kenne keinen Vorstand in einem deutschen Unternehmen, der mit zehn Stimmen der Arbeitnehmerseite gegen sich überleben konnte“) und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking (auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“) öffentlich angezählt – kurze Zeit später verloren beide Manager ihre Posten. Winterkorn nicht.

Noch am Montag hatte er bei seinem Auftritt auf der Hannover Messe seine zu diesem Zeitpunkt als wahrscheinlich geltende Demission souverän weggelächelt. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel und Indiens Premier Narendra Modi während ihres Rundgangs den VW-Stand besuchten, gab der Konzernboss ganz den Profi und verzog keine Miene. Nach der fünfminütigen Visite verließ Winterkorn wortkarg die Messehalle durch einen Nebenausgang. Auf die Frage eines Reporters nach seiner Zukunft rief er nur kurz: „Es gibt eine.“

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