Wendelin Wiedeking: Weitere Anklage gegen Ex-Porsche-Chef

Wendelin Wiedeking: Weitere Anklage gegen Ex-Porsche-Chef

, aktualisiert 22. Juni 2015, 16:12 Uhr
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Der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.

Die Staatsanwaltschaft hat neue Vorwürfe gegen den früheren Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und den ehemaligen Finanzchef Holger Härter erhoben. Kurz vor Beginn des Prozesses um die missglückte VW-Übernahme wurde eine nachgeschobene Anklage eingereicht.

Wenige Wochen vor Beginn des Prozesses gegen den ehemaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen früheren Finanzvorstand Holger Härter hat die Staatsanwaltschaft ihre Vorwürfe erweitert. Das Landgericht Stuttgart bestätigte am Montag den Eingang einer weiteren Anklage. Dabei gehe es um eine irreführende Pressemitteilung der Porsche SE zum Höhepunkt des Übernahmepokers mit VW vor knapp sieben Jahren. Im Oktober 2008 hatte Porsche bekanntgegeben, sich fast drei Viertel der Anteile an dem viel größeren Wolfsburger Autokonzern gesichert zu haben. Davor hatten die Stuttgarter eine Übernahmeabsicht stets dementiert.

In der Mitteilung sei der Eindruck erweckt worden, dass nur noch wenige VW-Stammaktien auf dem Markt seien. So habe Porsche einen Ansturm auf die Aktien provoziert, um einen Kursverfall zu verhindern.

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Wiedeking und Härter müssen sich vom 31. Juli an wegen informationsgestützter Marktmanipulation vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, die Anleger gezielt getäuscht zu haben, indem sie offiziell die Absicht der Holdinggesellschaft Porsche SE zur Übernahme des Volkswagen-Konzerns bestreiten ließen. Die Anleger hätten deshalb hohe Verluste an der Börse erlitten.

Die Verteidigung warf der Staatsanwaltschaft vor, sich mit der neuen Anklage von Hedgefonds "instrumentalisieren" zu lassen. "Die in der nachgeschobenen Anklage erhobenen Vorwürfe sind ersichtlich konstruiert, sachlich falsch und haltlos. Sie werden einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten", schrieben die Anwälte in einer Presseerklärung. Die Staatsanwaltschaft gefährde "bewusst den planmäßigen und zügigen Verlauf des Prozesses", heißt es weiter.

Porsche hatte in den Jahren 2008 und 2009 versucht, den viel größeren Autobauer Volkswagen zu schlucken. Der Plan scheiterte schließlich an den Entwicklungen an den Finanzmärkten und an der hohen Schuldenlast Porsches. Am Ende brachte es die Porsche-Holding nur auf 51 Prozent und musste das operative Geschäft der Porsche AG an VW verkaufen.

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Der gescheiterte Übernahmeversuch hat eine Serie von Prozessen nach sich gezogen. Dutzende Hedgefonds aus den USA haben vor deutschen Gerichten insgesamt gut fünf Milliarden Euro Schadensersatz eingeklagt. Einige dieser Zivilklagen wurden bereits von den Landgerichten in Stuttgart und Braunschweig abgewiesen, weil Porsche nach Ansicht der Richter mit den offiziellen Dementis zu dem Übernahmeplan den Klägern nicht vorsätzlich geschadet habe. Deshalb schauen viele Kläger nun mit Spannung auf den Strafprozess gegen Wiedeking und Härter in Stuttgart.

Das Landgericht muss nun entscheiden, ob es die bereits genehmigte Klage mit der von der Staatsanwaltschaft eingereichten weiteren Anklage verbindet, oder getrennt darüber verhandelt. Justizexperten rechnen nicht damit, dass dafür ein eigener Prozess eröffnet wird.

Das Landgericht hatte die erste Klage der Staatsanwaltschaft zunächst abgelehnt. Auf die Beschwerde der Strafverfolger hin beschloss aber das Oberlandesgericht im vergangenen Jahr jedoch, das Verfahren zu eröffnen. Bis Ende Oktober sind 22 weitere Prozesstermine angesetzt.

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