Autos sind hochemotionale Produkte

So wundert es nicht, dass schon Journalisten den Daimler-Vorstandschef auf seine dringlichste Aufgabe aufmerksam machen müssen. Nikolaus Doll schreibt in der Welt: „Zetsche muss die Marke neu aufladen. Er muss erklären, wofür Mercedes heute steht, warum man eine A-, C- oder S-Klasse kaufen soll und eben nicht einen BMW oder Audi.“
Beiden Wettbewerbern geht es glänzend. Sie arbeiten wesentlich profitabler. Den Renditerückstand erklärt Daimler-Finanzvorstand Uebber mit dem Alter der eigenen Produktpalette und mit Lücken im Portfolio. Das, schreibt der Kommentator, weckt keine Begeisterung, weder bei der Belegschaft, noch beim Kunden. Das klingt tatsächlich alarmierend.
Es fehlt an Inspiration
Autos sind ist höchst emotionales Produkt, sie brauchen Visionen. Daimler fehlt es an einer Vision. Dieter Zetsche hat offenbar keine. Marken-Visionen von Finanzvorständen zu erwarten, ist heikel. Daimler wirkt, wie viele unserer Unternehmen, uninspiriert. Doch die Wettbewerber machen es vor. Man erkennt es am Umgang mit ihren Slogans: BMW verkündet „Freude am Fahren“ - seit 1965. Audi verspricht „Vorsprung durch Technik“ - seit 1971. Beide Slogans sind visionär und motivieren das eigene Unternehmen zu Höchstleistungen - und zum täglichen Erfüllen des eigenen Versprechens. Mercedes, aktuell „Das Beste oder nichts“, hat seinen Slogan dagegen seit 1988 viermal geändert.
Bild: dpaCommerzbank - Die Bank an Ihrer Seite
Die Commerzbank hat diesen Werbeslogan bereits in den 1970er Jahren verwendet und möchte ihn laut eines Berichts des Handelsblatts nun wieder einführen. Die Absicht ist klar: Die Schuldenkrise und Bankenskandale dominieren die Schlagzeilen - und das schon seit 2008. Jetzt muss endlich wieder Ruhe ins Geschäft der Commerzbank, die teilverstaatlicht ist - unter anderem wegen der Finanzkrise.
Bild: obsAudi - Vorsprung durch Technik
Der Claim wird selbst in ausländischen Werbespots ausgestrahlt, also dort, wo viele nicht der deutschen Sprache mächtig sind. Denn Deutschland wird im Ausland immer noch mit höchster Ingenieurskunst assoziiert. Die Autobauer aus Ingolstadt müssen es wissen: Sie vertrauen diesem Werbeslogan seit 1972.
Bild: dpaPersil - Da weiß man, was man hat
Beständigkeit, Vertrauen, Kontinuität: Der Henkel-Konzern wusste nur zu gut, dass er mit diesem Claim das Gemüt eines jeden Bundesbürgers ansprach. Und das seit den 1960er Jahren. Damals führte die Düsseldorfer diesen Werbeslogan ein.

Clausthaler - Nicht immer, aber immer öfter. Alles, was ein Bier braucht. Alles, was ein Mann braucht
Diese Marke war es stets ein Ansporn, den abendlichen Fernsehzuschauer in wiederkehrenden Werbeclips von Vorzügen des alkoholfreien Vergnügens zu überzeugen. Diese Hartnäckigkeit verhalf zumindest dem Werbeslogan eine dauerhafte Präsenz im täglichen Sprachgebrauch.
Bild: dpaDuplo - Die längste Praline der Welt
Böse Zungen wenden stets ein, dass hier der Zuschauer viel falsch verstehen kann. Dennoch ist Duplo bei Erwachsenen als auch Kindern beliebt. Der Konzern jedoch hat nicht vor, diesen erfolgreichen Werbeslogan zu ändern.
Bild: dpaExquisa - Keiner schmeckt so wie dieser
Nichts mag der Magen mehr als Beständigkeit und nirgendwo ist der Mensch so zaghaft wie bei der Auswahl neuer Lebensmittel. Die Marke Exquisa strahlt mit ihrem Werbeslogan genau diese Produkt-Verlässlichkeit aus. Das Unternehmen nutzt ihn seit 1982.
Bild: dpaFrankfurter Allgemeine Zeitung - Dahinter steckt ein kluger Kopf
Helmut Schmidt, Bundeskanzler a.D. (in Rauch umhüllt), Bundesministerin Ursula von der Leyen (mitten in einer Landschaft voller Karnickel) oder Pantomime-Papst Samy Molcho (ohne Zeitung in der Hand): Quer durch alle Berufsbilder hat es die Tageszeitung aus Frankfurt geschafft, Prominente für ihre Anzeige einzuspannen. Und das schon seit 1995 - eine halbe Ewigkeit im schnelllebigen Mediengeschäft.
Bild: dpaMars - Mars macht mobil
1975 verwendete der Schokoriegel diesen Werbeslogan zum ersten Mal. In den 1990er wurde der Spruch verbannt - und 2010 wieder eingeführt.
Bild: dpaMüllermilch - Alles Müller oder was?
Ein wahrer Klassiker, der VW unter den Werbeclaims - er war sicherlich schon in aller Munde.
Bild: REUTERSCitibank - The citi never sleeps
Dieser Werbeslogan ist dem Reiz des Universellen verhaftet. Die Citibank verwendet ihn zurecht, bewegt sich das US-Geldhaus in einem wahrhaft universellen Metier: die Bereitstellung von liquid cash durch Geldautomaten, 24 Stunden rund um die Uhr. Der Slogan "The citi never sleeps" wurde daher bereits in den 1970er Jahren erfunden. 2008 verwendete Citibank den Werbeslogan erneut.
Commerzbank - Die Bank an Ihrer Seite
Die Commerzbank hat diesen Werbeslogan bereits in den 1970er Jahren verwendet und möchte ihn laut eines Berichts des Handelsblatts nun wieder einführen. Die Absicht ist klar: Die Schuldenkrise und Bankenskandale dominieren die Schlagzeilen - und das schon seit 2008. Jetzt muss endlich wieder Ruhe ins Geschäft der Commerzbank, die teilverstaatlicht ist - unter anderem wegen der Finanzkrise.
Volkswagen, selbst von der aktuellen Autoflaute gebeutelt , besitzt nicht einmal einen Slogan, der Belegschaft und Kunden mitreißen könnte. Denn „Das Auto“ ist weder Slogan, noch Claim, sondern beschreibt schlichtweg das Produkt, das in Wolfsburg seit 1960 gebaut wird. „Das Auto“ ist in etwa so visionär wie „Der Pudding“, „Der Joghurt“ oder „Der Gerät“.
Visionen sind wichtiger als Quartalsergebnisse
Visionen sind ebenso unverzichtbar für Unternehmen wie für die Marken, die sie führen. So wie Marken das Rückgrat von Unternehmen darstellen, sind Visionen das Rückgrat der Marken.
Eine Vision ist nach Boston Consulting Group „Ein konkretes Zukunftsbild, nahe genug, dass wir die Realisierbarkeit noch sehen können, aber schon fern genug, um die Begeisterung der Organisation für eine neue Wirklichkeit zu wecken.“ Sie gibt Management und Mitarbeitern eine Orientierung für ihre Entscheidungen. Eine Vision legitimiert einerseits die unternehmerische Tätigkeit, andererseits will sie inspirieren und zur Kreativität anregen.
Ausgestattet mit einer Vision blicken Unternehmen nicht allein auf das operative Ergebnis des nächsten Quartals. Sie kürzen nicht Hals über Kopf ihre Forschungs- und Entwicklungskosten, sondern investieren in die Zukunft. Ihre Marketingchefs lenken das Unternehmen mit und blicken visionär nach vorn. Ihre Werbung ist ein Ausdruck ihrer Leitidee und ihres Glaubens an die Zukunft. Das gilt für unsere Automobilindustrie mehr denn je. So viel Marketing sollte selbst Börsianern und Investoren zu vermitteln sein.
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