Werner knallhart: VW-Skandal: Welchen Branchen sowas auch gut täte

kolumneWerner knallhart: VW-Skandal: Welchen Branchen sowas auch gut täte

Kolumne von Marcus Werner

Volkswagen blamiert sich mit Betrügereien auf der ganzen Welt. Und siehe da: Plötzlich bauen die Wolfsburger mehr Elektroautos. Innovationskraft dank Schande. Das könnte bei anderen Firmen auch funktionieren. Ein subjektiver Überblick.

Mein viel zu kleiner Kleiderschrank war mal derartig voll gestopft, dass ich kaum mehr eine Jacke von der Stange ziehen konnte, ohne dass gleich fünf Sakkos, Hemden und Mäntel mit raus gezerrt wurden und vor mir auf den Boden sackten. Das war normal.

Aber irgendwann tat es nachts einen Schlag, die Schranktüren flogen auf und die Kleiderstange mit allem an Garderobe kippte neben das Bett. Konsequenz: Ich kaufte mir einen größeren Kleiderschrank und mistete brachial aus. Jetzt kann ich sogar wieder die Rückwand des Schrankes sehen. Aber dazu musste eben erst der Super-GAU her.

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Der VW-Abgas-Skandal im Überblick

  • 18. September

    Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren. In den Tagen darauf wird klar, dass weltweit Fahrzeuge von VW und der Töchter betroffen sind – darunter auch Audi und Porsche. Die VW-Aktie bricht ein.  

  • 23. September

    VW-Chef Martin Winterkorn tritt nach einer Krisensitzung der obersten Aufseher zurück. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig prüft die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen VW. Anlass dafür seien auch eingegangene Strafanzeigen von Bürgern, heißt es.

  • 24. September

    Der VW-Aufsichtsrat tagt. Nach langer Sitzung beruft das Gremium Porsche-Chef Matthias Müller zum neuen Konzernchef und trifft einige weitere Personal- und Strukturentscheidungen. Verantwortliche Motorenentwickler werden beurlaubt.

  • 28. September

    Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen. Entgegen einer ersten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Braunschweig gibt es keine Ermittlungen gegen Ex-Chef Martin Winterkorn persönlich.

  • 1. Oktober

    Das Aufsichtsrats-Präsidium beschließt, Hans Dieter Pötsch per registergerichtlichen Anordnung in den Aufsichtsrat zu berufen. Das ist möglich, weil mehr als 25 Prozent der Aktionäre Pötsch favorisiert haben. Die Familien Porsche und Piëch, die Pötsch gegen die Bedenken des Landes Niedersachsens und der Arbeitnehmer durchgesetzt haben, halten über die Porsche SE rund 52 Prozent der VW-Anteile. Julia Kuhn-Piëch, die erst dieses Jahr nach dem Rücktritt von Ferdinand und Ursula Piëch in das Kontrollgremium aufgerückt war, verlässt den Aufsichtsrat wieder.

  • 6. Oktober

    Es ist klar, dass die betroffenen VW-Fahrzeuge in die Werkstatt müssen, damit die Schummel-Software verschwindet. Bei einigen Motorenwerden die Techniker selbst Hand anlegen müssen. Eine Rückruf-Aktion, so wird es am nächsten Tag bekannt werden, soll 2016 starten. Die geschäftlichen und finanziellen Folgender Krise sind nicht absehbar. Die Kosten der Abgas-Affäre werden jedoch enorm sein. Der neue Chef muss sparen: "Deshalbstellen wir jetzt alle geplantenInvestitionen nochmal auf denPrüfstand", kündigt Müller an.

  • 15. Oktober

    Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet einen verpflichtenden Rückruf aller VW-Dieselautos mit der Betrugssoftware an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,4 Millionen Wagen in die Werkstatt. VW hatte eine freiwillige Lösung angestrebt.

  • 28. Oktober

    Der Skandal beschert dem Konzern im dritten Quartal einen Milliardenverlust. Vor Zinsen und Steuern beläuft sich das Minus auf rund 3,5 Milliarden Euro.

  • 3. November

    Der Skandal erreicht eine neue Dimension. VW muss - nach weiteren Ermittlungen der US-Behörden - einräumen, dass es auch Unregelmäßigkeiten beim Kohlendioxid-Ausstoß (CO2) gibt. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die VW-Aktie geht erneut auf Talfahrt.

  • 20. November

    Der Diesel-Skandal in den USA weitet sich aus. Erneut. Es seien mehr Drei-Liter-Diesel der Marken Volkswagen und Audi betroffen, als bislang angenommen, erklärt die US-Umweltbehörde EPA. Die Autobauer bestreiten dies zunächst. Wenige Tage später, am 24. November, müssen sie allerdings  einräumen, ein sogenanntes „Defeat Device“ nicht offengelegt zu haben. Die Software gilt in den USA als illegal.

    Die Auswirkungen des Skandal zwingen VW zudem zum Sparen: VW fährt die Investitionen für das kommende Jahr runter. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden. „Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht“, sagt VW-Chef Müller. Weitere Ausgaben bleiben auf dem Prüfstand.

  • 24. November

    Neuer Ärger für Volkswagen: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nun auch wegen mögliche Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Die könnten dazu geführt haben, dass zu wenig Kfz-Steuer gezahlt wurde.

  • 25. November

    Zumindest etwas Positives für die Wolfsburger: Zur Nachrüstung der millionenfach manipulierten Dieselmotoren mit 1,6 Litern Hubraum in Europa reicht nach Angaben von Volkswagen ein zusätzliches, wenige Euro teures Bauteil aus. Bei den 2,0-Liter-Motoren genügt ein Software-Update. Das Kraftfahrtbundesamt genehmigt die Maßnahmen. Auch wenn VW keine Angaben zu den Kosten macht – es hätte schlimmer kommen können.

Und bei VW ist der Super-GAU, dass jetzt jeder weiß, was Volkswagen wirklich taugen. Das sollte doch nicht rauskommen. Ist es aber. Und das hat fantastische Auswirkungen: „Die Marke Volkswagen stellt sich für die Zukunft neu auf.“ So sagt das der Vorstandsvor-sitzende der Marke Volkswagen. Herbert Diess heißt der. Und damit meint er:

  1. Das Effizienzprogramm wird beschleunigt. Schneller effizient werden. Das kann doch nichts schaden. Zumal ja auf Entlassungen verzichtet werden soll. Toitoitoi.
  2. In Nordamerika und Europa kommen so schnell wie möglich nur die umwelttechnisch besten Abgassysteme zum Einsatz. Das ist die neue Dieselstrategie. Hä? Im Umkehr-schluss heißt das, bislang war Strategie: zweitklassiger Umweltschutz. Als Ingenieurskunst made in Germany. Ja, Kinners, dass uns das imagemäßig irgendwann auf die Pfoten fällt, das hätte ich Ihnen gleich sagen können.
  3. Der Phaeton - also dieser Luxus-Liner, der aussieht wie ein Passat - der soll zukünftig nur noch mit Elektromotor gebaut werden. Aha! Mit anderen Worten: Jetzt, da VW mit spitzem Bleistift rechnen muss, setzt der Konzern auf E im Luxussegment. Offenbar hat man erkannt: Angeben geht heute besser mit Innovation, als mit Wurzelholz-Optik.

Unterm Strich: Der Skandal bringt Europas größtem Autobauer mehr Geschwindigkeit, mehr Umweltfreundlichkeit und mehr Innovation. Manche müssen eben erst so richtig auf die Schnauze fallen.

Wem täte es noch gut, sich mit seinem Geschäftsmodell mal bis auf die Knochen zu blamieren? Hach, da fällt mir einiges ein…

Volkswagens Abgas-Skandal Die wichtigsten Fragen zum Dieselgate bei VW

Kein Tag ohne Schlagzeilen zu Volkswagen und der Schummel-Software. Was kostet der Skandal, was ändert sich bei VW und was wird aus Winterkorn – Sie haben den Durchblick verloren? Die wichtigsten Infos.

Von der Manipulation betroffener Dieselmotor: Die Folgen des Skandals sind noch nicht absehbar. Quelle: dpa

1. Die Hersteller von gesunden Milchmahlzeiten für Kinder

Von denen lassen wir uns doch schon seit Ende des letzten Weltkriegs erzählen, dass Zucker-Fett-Doppelsprengkopf-Bomben mit einem Schluck Milch drin gut sind für die Kleinen. Das dürfen die so behaupten, natürlich nur verklausuliert. Die Milchschnitte etwa wird beworben als Snack mit Milchcreme für die Pause für Kinder. Dabei ist das Ding nichts anderes als ein Stück besonders süßer, fetter Torte. Snack heißt übersetzt aber Imbiss und ein Imbiss ist eine Zwischenmahlzeit. Eine Torte aber ist eben keine Mahlzeit.

Wir sind empört, dass uns Volkswagen so hinter das Licht geführt hat, gestatten anderen aber, Müttern mit von Werbern und Juristen perfekt verschwurbelten Werbeaussagen das gute Gefühl einzureden, ihren Kindern mit Schlickerkram in der Pause etwas Gutes zu tun. Offiziell erlaubte und gesellschaftlich tolerierte Irreführung. Das kann denen ruhig mal um die Ohren fliegen. Den gemästeten Kindern zuliebe.

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