Winterkorn & Piëch: VW will Führungskrise vor der Hauptversammlung entschärfen

Winterkorn & Piëch: VW will Führungskrise vor der Hauptversammlung entschärfen

Es bleiben ihnen maximal drei Wochen. Noch vor der Hauptversammlung Anfang Mai wollen die VW-Aufsichtsräte die Führungskrise entschärfen. Bleibt Konzernchef Winterkorn oder kommt ein Kronprinz zum Zug?

Im Machtkampf an der Volkswagen-Spitze mühen sich die Aufsichtsräte hinter den Kulissen um einen Ausweg aus der festgefahrenen Situation. Nach dem Bruch des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch mit Konzernchef Martin Winterkorn sei in der jetzigen Lage eine Hauptversammlung „undenkbar“, sagte ein Aufsichtsratsinsider am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Das Aktionärstreffen ist für den 5. Mai in Hannover geplant. Weitere mit der Arbeit des Kontrollgremiums vertraute Personen bestätigten, dass im Hintergrund „die Drähte glühten“.

Regulär tagt der Aufsichtsrat wieder am 4. Mai. Das „Handelsblatt“ berichtete am Dienstag von einem Plan für eine außerplanmäßige Aufsichtsratssitzung. Bereits am Montag hatte die Zeitung berichtet, Winterkorn und Piëch setzten sich demnächst an einen Tisch. Demnach soll es „in den kommenden Tagen ein routinemäßiges Treffen zwischen den beiden mächtigen Managern geben“, bei dem es auch um die Aussagen von Piëch gehen solle. Bestätigungen für ein solches Spitzentreffen und für eine außerplanmäßige Aufsichtsratssitzung gab es am Dienstag zunächst nicht.

Wer Winterkorn nachfolgen könnte

  • Herbert Diess

    Zumindest in einem Punkt steht Herbert Diess schon jetzt als Nachfolger von Martin Winterkorn fest: Im Juli soll er das Amt des VW-Markenchefs übernehmen. Winterkorn hat den früheren BMW-Entwicklungsvorstand persönlich für diese Ausgabe ausgewählt – und vom bayrischen Konkurrenten abgeworben. In der Branche gilt Diess als fähiger Manager mit Ambitionen zu Höherem. Bis er ihm Herbst überraschend zu VW wechselte, legte er bei BMW eine steile Karriere hin. Für viele zählte er sogar zum Kreis der möglichen Nachfolger von Konzernchef Norbert Reithofer.

  • Andreas Renschler

    Seit dem Februar 2015 ist Andreas Renschler Chef der Nutzfahrzeugsparte des VW-Konzerns. Er soll aus der gelähmten LKW-Sparte um MAN und Scania endlich eine schlagkräftige Einheit formen. Für den neuen Job und den Posten im VW-Aufsichtsrat hat er seinen Job als Produktionschefs bei Daimler an den Nagel gehängt – zur Überraschung vieler Branchenkenner. Denn dort wurde er sogar als Nachfolger von Dieter Zetsche gehandelt. Wie Herbert Diess wäre Renschler wohl eher ein Interims-Nachfolger für Martin Winterkorn denn langfristige Lösung.

  • Matthias Müller

    Porsche-Chef Matthias Müller lenkt mit dem Sportwagenbauer einen der wichtigsten Gewinnbringer der VW-Gruppe. Schon allein deshalb wird der 61-Jährige als möglicher Nachfolger von Martin Winterkorn gehandelt. Etwaigen Spekulationen hat Müller schon einen Riegel vorgeschoben: „Ich bin kein potenzieller Nachfolger für Herrn Dr. Winterkorn“, erklärte Müller noch Anfang Januar. Er sei zu alt für den Job, sagte er – offenbar in der Annahme, eine Nachfolge-Debatte läge noch in weiter Ferne.

    Für Müller gibt es offenbar trotzdem kaum einen Grund, seine Position bei Porsche aufzugeben. Er fühle sich „pudelwohl hier bei der tollsten Firma der Welt“, sagte er der WirtschaftsWoche im März.

  • Hans Dieter Pötsch

    Als Aufsichtsrat-Mitglied und Finanzchef weiß Hans Dieter Pötsch schon jetzt bestens über alle Entwicklungen im VW-Konzern Bescheid. Seit er 2003 den Posten des Finanzchefs übernommen hat, musste er bereist so manche Mammutaufgabe meistern. Wie die komplizierte Integration von Porsche ins Volkswagen-Reich gelang es ihm meist ziemlich gut. Der Wirtschaftsingenieur hat es deshalb zu einigem Ansehen und Einfluss im Konzern gebracht.

  • Heinz-Jakob Neußer

    VW-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer wird allenfalls als Nachfolge-Kandidat aus der zweiten Reihe gehandelt. Er verantwortet zwar die Weiterentwicklung der Kernmarke VW, ist aber bislang kein Mitglied des Aufsichtsrats. Allerdings erfüllt er eine wichtige Bedingung, die Ferdinand Piëch für das Spitzenpersonal im VW-Konzern formuliert hat: Der Maschinenbau-Ingenieur verfügt er über viel technisches Know-how.

Piëch ist Großaktionär und Aufsichtsratschef bei VW. Winterkorn galt bisher als enger Vertrauter und als Nachfolger Piëchs an der Spitze des Aufsichtsrates. Nach Piëchs Ansage („Ich bin auf Distanz zu Winterkorn“) steht der Konzernchef nun erheblich unter Druck. „Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen“, sagte Piëch dem „Spiegel“. Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen. Namen nannte er allerdings nicht.

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Was VW 2014 in den USA verkauft hat

  • Beetle

    29.182 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

    Quelle: CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen

  • CC

    9.995 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Eos

    3.411 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Golf

    33.675 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Jetta

    160.873 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • US-Passat

    96.649 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Routan

    1.103 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Tiguan

    25.121 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

  • Touareg

    6.961 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2014

Als Favorit wird immer wieder Porsche-Chef Matthias Müller ins Spiel gebracht. Der 61-Jährige gilt in der Branche als exzellenter Produktstratege. Er schließe nichts aus und sei für nichts zu alt, hatte der gelernte Werkzeugmacher und Informatiker vor einem Monat gesagt. Gegenüber den prominenten Neuzugängen im VW-Vorstand Andreas Renschler von Daimler und Herbert Diess von BMW hat Müller einen klaren Vorteil: Er kennt den VW-Konzern seit Jahren. Außerdem liest sich seine Bilanz nach fast fünf Jahren Porsche tadellos.

Piëchs Motive für den Bruch mit Winterkorn sind indes weiter unklar. Der Piëch-Biograf Wolfgang Fürweger sieht dafür rein fachliche Gründe. „Piëch agiert sehr rational und weniger emotional als manche gerne glauben“, sagte der Österreicher der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Fürweger sieht Probleme bei der Hausmarke VW Pkw als Auslöser. „Es ist schon ein bisschen Stillstand eingetreten“, sagte er. „Vielleicht vermisst Piëch bei Winterkorn die Fähigkeit, einen strategischen Weitblick in die Realität umsetzen zu können.“

Weitere Artikel

Die Kernmarke rund um Golf und Passat verliert nach ihrer Rekordjagd im Vorjahr spürbar an Tempo. Mit einem erneuten Rückgang der Verkäufe auch im März steckt die Marke nun schon ein halbes Jahr im Rückwärtsgang. Im März ließen die Auslieferungen im Vergleich zum entsprechenden Monat des Vorjahres um 0,9 Prozent nach und erreichten damit 558 600 Fahrzeuge, wie die Wolfsburger am Dienstag mitteilten. Hauptgründe sind Einbrüche in Russland und Südamerika, aber auch der einst verlässliche Wachstumsbringer China schwächelt.

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