Zeitnah neues Spitzentreffen bei Volkswagen : VW-Eigner wollen Demontage von Piech verhindern

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Zeitnah neues Spitzentreffen bei Volkswagen : VW-Eigner wollen Demontage von Piech verhindern

Nach der Niederlage von Ferdinand Piech im Machtkampf bei Volkswagen versuchen Eigner und Arbeitnehmer eine Demontage des Firmenpatriarchen zu verhindern. "Zeitnah" soll wieder über die Führungskrise beraten werden.

"Gehen Sie davon aus, dass alle wichtigen Akteure bemüht sind, die Situation wieder zu versachlichen", sagte ein Sprecher von VW-Hauptaktionär Porsche SE am Sonntag in Stuttgart. Piech war am Donnerstag im Präsidium des VW-Aufsichtsrats mit dem Plan gescheitert, Konzernchef Martin Winterkorn aus dem Amt zu drängen. Stattdessen votierten nach Reuters-Informationen fünf von sechs Mitgliedern des Machtzentrums von VW für eine Verlängerung von Winterkorns Vertrag über 2016 hinaus. In der hitzigen Debatte soll Aufsichtsratschef Piech sogar seinen Rückzug ins Spiel gebracht haben. "Es gibt keinen Grund, den Rücktritt von Dr. Piech zu betreiben", betonte dagegen der frühere IG-Metall-Boss Berthold Huber, der im Präsidium des VW-Aufsichtsrates sitzt. Piech habe in der Vergangenheit und der Gegenwart Großes für das Unternehmen geleistet. Die Arbeitnehmer hätten die feste Absicht, den erfolgreichen Weg von Volkswagen mit Piech und dem durch das Präsidiumsvotum gestärkten Konzernchef Martin Winterkorn fortzusetzen.

Piëch und seine Figuren

  • Ferdinand Piëch

    Auf dem Weg des Ferdinand Piëch vom Audi-Manager auf den Aufsichtsratschefsessel des größten Autokonzerns Europas, blieb so mancher Top-Manager auf der Strecke. Die wichtigsten Stationen zusammengefasst.

  • 1988: Beerbt

    Nach fünf Jahren als Vize übernimmt Piëch bei Audi den Chefsessel von Wolfgang Habbel und baut die Marke mit den vier Ringen zur Premiummarke um. In die Ära des Vollblutingenieurs fällt die Entwicklung des Super-Diesels TDI sowie des Allradantriebs Quattro.

  • 1993: Abgeworben

    Als neuer VW-Chef wirbt Piëch den Einkaufschef José Ignacio López vom Konkurrenten General Motors (GM) ab, der die Preise der Zulieferer drücken soll. Wegen des Verdachts, GM-Betriebsgeheimnisse an VW verraten zu haben, muss Piëch 1996 López fallen lassen.

  • 1994: Vorgeschickt

    Piëch heuert das IG-Metall- und SPD-Mitglied Peter Hartz als VW-Personalchef an. Der führt die Vier-Tage-Woche ein und spart so 500 Millionen Euro Lohnkosten. Nachdem auffliegt, dass VW unter ihm Luxusreisen und Bordellbesuche für Betriebsräte finanzierte, muss Hartz gehen.

  • 2006: Ausradiert

    Als Piëch 2002 VW-Aufsichtsratschef wird, installiert er Ex-BMW-Chef Bernd Pischetsrieder als VW-Lenker. Der agiert eigenständig, macht Piëch-Ideen rückgängig. Fünf Jahre später schweigt Piëch demonstrativ, als er gefragt wird, ob Pischetsrieder im Amt bleibt. Kurz darauf holt er Winterkorn.

  • 2008: Verbrannt

    Jahrelang versuchte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking unter der Aufsicht von Piëch VW zu übernehmen. Als dies scheitert, sagt Piëch auf die Frage von Journalisten, ob Wiedeking sein Vertrauen genieße: „Zurzeit noch. Das ,Noch‘ können Sie streichen.“ Wiedeking muss gehen.

Ähnlich äußerten sich das Land Niedersachsen und der VW-Betriebsrat. Ministerpräsident Stephan Weil ließ durch eine Sprecherin mitteilen, dass er an der erfolgreichen Zusammenarbeit sowohl mit dem Vorstandsvorsitzenden des Konzerns als auch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden festhalten wolle. An dieser Haltung habe sich nichts geändert, trat der SPD-Politiker Spekulationen entgegen, das Land könnte sich an Piechs Entmachtung beteiligen. Niedersachsen ist zweitgrößter VW-Eigner vor dem Emirat Katar. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte Spekulationen über die Zukunft des VW-Patriarchen bereits bei Ausbruch des Machtkampfes vor gut einer Woche als überflüssig bezeichnet. "Wir schätzen die Kombination zweier starker Persönlichkeiten an der Unternehmensspitze."

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    CEO: Eckard Heidloff

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    CEO: Volker Kronseder

    Unternehmen: Krones

    Gesamtwertung*: 62%

    Gewinnentwicklung*: 79%

    Aktienkursentwicklung*: 48%

    Umsatzentwicklung*: 60%

  • 10

    CEO: Marcelino Fernández Verdes

    Unternehmen: Hochtief

    Gesamtwertung*: 63%

    Gewinnentwicklung*: 68%

    Aktienkursentwicklung*: 74%

    Umsatzentwicklung*: 47%

  • 9

    CEO: Ralf Dieter

    Unternehmen: Dürr

    Gesamtwertung*: 63%

    Gewinnentwicklung*: 56%

    Aktienkursentwicklung*: 89%

    Umsatzentwicklung*: 45%

  • 8

    CEO: Thomas Olemotz

    Unternehmen: Bechtle

    Gesamtwertung*: 64%

    Gewinnentwicklung*: 83%

    Aktienkursentwicklung*: 65%

    Umsatzentwicklung*: 44%

  • 7

    CEO: Jürg Oleas

    Unternehmen: GEA

    Gesamtwertung*: 64%

    Gewinnentwicklung*: 73%

    Aktienkursentwicklung*: 72%

    Umsatzentwicklung*: 48%

  • 6

    CEO: Claus-Dietrich Lahrs

    Unternehmen: Hugo Boss

    Gesamtwertung*: 67%

    Gewinnentwicklung*: 71%

    Aktienkursentwicklung*: 75%

    Umsatzentwicklung*: 54%

  • 5

    CEO: Gerold Linzbach

    Unternehmen: Heidelberger Druck

    Gesamtwertung*: 72%

    Gewinnentwicklung*: 65%

    Aktienkursentwicklung*: 76%

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  • 4

    CEO: Rüdiger Kapitza

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    CEO: Thomas Ebeling

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    Umsatzentwicklung*: 79%

  • 2

    CEO: Christoph Vilanek

    Unternehmen: Freenet

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  • 1

    CEO: Ralph Dommermuth

    Unternehmen: United Internet

    Gesamtwertung*: 89%

    Gewinnentwicklung*: 86%

    Aktienkursentwicklung*: 91%

    Umsatzentwicklung*: 89%

  • Quelle

    Quelle: Obermatt

Piech hatte Insidern zufolge angesichts der massiven Kritik im Präsidium des VW-Aufsichtsrats am Donnerstag in Salzburg erstmals mit seinem Rücktritt gedroht. Im Verlauf des Treffens sei es beinahe zur Revolte gekommen, dabei habe auch eine Abwahl des 78-jährigen im Raum gestanden, sagte eine Person mit Kenntnis der Vorgänge. Piech habe zunächst auf einer Ablösung von Winterkorn bestanden und sei zu keinem Kompromiss bereit gewesen. Ob Piech dabei als Druckmittel auch einen Verkauf seiner Anteile nannte, wie die "Bild am Sonntag" berichtete, wurde nicht bestätigt. Ein Konzernkenner hielt es für möglich, dass eine solche Äußerung im Eifer des Gefechts gefallen sein könnte. Dass der VW-Patriarch und seine Ehefrau Ursula Piech ihre Ämter niederlegten und ihre milliardenschweren Beteiligungen verkauften, sei jedoch "schlicht nicht denkbar", sagte die Person. In diesem Fall müssten die Piechs ihre Aktien der Familie anbieten, da diese ein Vorkaufsrecht habe. Damit würde der gewiefte Taktiker, der von 1993 bis 2002 selbst an der Spitze von Europas größtem Autobauer stand und seither den Aufsichtsrat leitet, der Familie seines Cousins Wolfgang Porsche das Feld überlassen. Porsche, der für seinen Familienzweig spricht und den Aufsichtsrat der Familienholding leitet, hatte Piech im VW-Präsidium die Stirn geboten. Piech hatte Winterkorn zuvor per "Spiegel"-Artikel das Vertrauen entzogen.

Weitere Artikel

Die führenden Aufsichtsräte von Volkswagen wollen dem "Handelsblatt" zufolge zeitnah erneut über die Führungskrise beraten. Vordringliches Ziel des Treffens der Mitglieder des Präsidiums des Aufsichtsrats solle sein, ein vernünftiges Miteinander von Aufsichtsratschef Ferdinand Piech und VW-Chef Martin Winterkorn zu erreichen, berichtete das Blatt vorab aus der Montag-Ausgabe unter Berufung auf das Umfeld des Gremiums. Die Arbeit zwischen den beiden müsse funktionieren. Dazu müsse es eine Klarstellung geben, Das neuerliche Treffen solle noch vor der Hauptversammlung am 5. Mai stattfinden.

Piech war am Donnerstag im Präsidium des VW-Aufsichtsrats mit dem Plan gescheitert, Winterkorn aus dem Amt zu drängen. Stattdessen votierten nach Reuters-Informationen fünf von sechs Mitgliedern des Machtzentrums von VW für eine Verlängerung von Winterkorns Vertrag über 2016 hinaus.

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