ZF-Chef Sommer: "Die Zukunft des Diesels macht uns Sorgen"

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InterviewZF-Chef Sommer: "Die Zukunft des Diesels macht uns Sorgen"

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"Das würde uns ziemlich treffen..." Sommer über eine massiv stärkere Nachfrage nach Kleinwagen in China.

von Rebecca Eisert und Franz W. Rother

Arbeitsreiche Zeiten für Stefan Sommer: Der ZF-Chef muss nicht nur den Zukauf TRW integrieren, sondern sich auch auf eine Wende in China einstellen und zudem die Folgen des VW-Skandals klein halten. Ein Interview.

WirtschaftsWoche Online: Herr Sommer, spürt ZF schon die Auswirkungen des VW-Abgasskandals?
Stefan Sommer: Volkswagen ist einer unserer größten Kunden und mit einigen Milliarden Euro Umsatz von herausgehobener Bedeutung. Aktuell sind die Abrufzahlen stabil, aber VW befindet sich in einer Orientierungsphase und wir müssen abwarten, wie sich die Dinge entwickeln. Was uns mehr Sorgen macht, ist die Zukunft des Dieselmotors. Ohne den erreicht die Automobilindustrie die kommenden CO2-Ziele zum Klimaschutz nicht. Wenn die aktuelle Diskussion dazu führt, dass Kunden verunsichert werden und weniger Dieselfahrzeuge kaufen, wäre das für die gesamte Autoindustrie schlecht.

Wie stark hängt ZF vom Diesel ab?
An der Dieseltechnologie selbst mit keinem Cent. Aber wenn Kunden sich entschließen, einen Autokauf aufzuschieben, liefern wir entsprechend weniger Lenkungen, Bremssysteme oder andere Produkte.

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So steht ZF + TRW nach dem 1. Halbjahr 2015 da

  • Umsatzentwicklung

    Durch die Übernahme von TRW hat sich der Konzernumsatz in den ersten sechs Monaten mit 12,2 Mrd. Euro kräftig erhöht.

  • Ergebnis

    Einmalige Sondereffekte haben das Ergebnis überproportional steigen lassen. 1. Der Kauf von TRW, 2. der Verkauf des 50-prozentigen Anteils an ZF Lenksysteme. Bereinigt um diese Einmaleffekte lag das operative Ergebnis (EBIT) auf Vorjahresniveau. Unter Einbeziehung der Sondereffekte erhöhte sich das EBITDA auf 1,5 Milliarden Euro (Vorjahr: 902 Mio. Euro), die EBITDA-Marge auf 12,3 Prozent (Vorjahr: 9,85 Prozent). Das Ergebnis nach Steuern erhöhte sich auf 711 Mio. Euro (Vorjahr: 310 Mio. Euro).

  • Cashflow

    Der operative Free Cash Flow lag zum Halbjahr 2015 bei 172 Mio. Euro und damit etwa auf Vorjahresniveau. Einmaleffekte aus der TRW-Übernahme sowie aus der Veräußerung des 50-prozentigen Anteils an ZF Lenksysteme haben den Free Cash Flow erheblich beeinflusst. Einschließlich dieser Sondereffekte betrug der Free Cash Flow minus 8,4 Mrd. Euro.

  • Verbindlichkeiten

    Nach der Übernahme von TRW weist der ZF-Konzern zum 30. Juni 2015 Nettofinanzverbindlichkeiten in Höhe von 8,8 Mrd. Euro aus. Für die Finanzierung der Transaktion hatte ZF unter anderem einen Schuldschein in Höhe von 2,2 Milliarden Euro, US-Dollar-Anleihen mit einem Gesamtvolumen von 3,5 Milliarden US-Dollar sowie Euro-Anleihen in Höhe von 2,25 Milliarden Euro begeben.

  • Eigenkapitalquote

    Durch die Fremdfinanzierung des Kaufs von TRW ist auch die Eigenkapitalquote gesunken: Sie lag zum 30. Juni 2015 – wie erwartet – bei 18 Prozent (Vorjahr: 34 Prozent).

  • Ausblick

    Für das Gesamtjahr 2015 erwartet ZF, dass sich Umsatz und Ergebnis des Konzerns stabil entwickeln werden. Die Kennzahlen werden dann einen Beitrag der Division „Aktive & Passive Sicherheitstechnik“ für einen Zeitraum von 7,5 Monaten beinhalten, also seit dem Zeitpunkt der Übernahme von TRW. Vor diesem Hintergrund geht ZF davon aus, im Gesamtjahr 2015 einen Umsatz von 29 bis 30 Mrd. Euro zu erzielen. Die EBITDA-Marge wird aus heutiger Sicht bei über 10 Prozent liegen.

VW muss jetzt kräftig sparen. Rechnen Sie mit einem wachsenden Preisdruck?
Der Preisdruck war schon immer hoch und kann deswegen durch den Skandal nicht signifikant wachsen. VW war bisher ein sehr verlässlicher Wachstumstreiber für uns – in allen Regionen der Welt. Das hat den Preisdruck gerechtfertigt: Mehr Lieferungen bedeutet für uns, dass wir im Preis nachgeben können.

Alle Welt wundert sich über die Tricksereien der VW-Ingenieure. Könnte das auch bei ZF passieren?
Wir haben eine eigene Unternehmenskultur und obendrein schon vor Jahren ein Hinweisgebersystem installiert, über das Mitarbeiter anonym auf Missstände im Unternehmen hinweisen können. Deshalb betrachte ich die Gefahr einer vergleichbaren Situation bei uns als sehr gering. Allerdings gilt: Ich kann nicht für jeden unserer 134.000 Mitarbeiter die Hand ins Feuer legen.

Erreichen Sie ihr Umsatzziel von 29 bis 30 Milliarden Euro in diesem Jahr?
Ja, wir werden die kommunizierten Ziele trotz der nicht einfachen Rahmenbedingungen erreichen. Denn auch für uns gibt es derzeit Licht und Schatten. Vor fünf bis sechs Jahren redeten Analysten die angeblich gesättigten Märkte wie USA und Europa tot, heute findet gerade dort das Wachstum statt. Gleichzeitig gibt es weniger Wachstumsdynamik in China, wobei die Marktentwicklung immer noch positiv ist.

War es falsch, so forsch wie Sie in die Elektromobilität zu gehen?
Nein. Wir bei ZF waren die ersten, die in Europa Elektromotoren für Hybridfahrzeuge gebaut haben. Und wir beliefern zum Beispiel BMW mit Getrieben für Plugin-Hybridautos. Unsere neu gegründete Division E-Mobility bündelt ab Januar alle Aktivitäten im Konzern. Bereits jetzt machen wir mit der E-Mobilität gute Umsätze, haben die Gewinnschwelle aber noch nicht erreicht.

Wie viel Umsatz erwarten Sie sich in fünf Jahren?
Wir erwarten ein kontinuierliches Umsatzwachstum und erleben, dass dieses Thema langsam, aber stetig Fahrt aufnimmt.

Lässt sich die deutsche Autoindustrie nicht zu viel Wertschöpfung bei den E-Autos abnehmen, weil sie nicht in der Lage ist, eine Batterieproduktion in Deutschland aufzubauen?
Nein, denn der Markt müsste immens anziehen, damit sich eine Batteriefabrik in Deutschland rechnen würde. Es gibt heute schon gigantische Überkapazitäten in Asien, die zu einem beinharten Preiskampf geführt haben. In den USA werden viele Unternehmen kräftig subventioniert – siehe Tesla. Solche Stimuli fehlen uns in Europa.

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