Zündschloss-Affäre: General Motors baut Konstruktionssparte um

ThemaAutobauer

Zündschloss-Affäre: General Motors baut Konstruktionssparte um

, aktualisiert 23. April 2014, 10:34 Uhr
Bild vergrößern

Die General Motors Zentrale in Detroit.

Bei GM wird der Bereich Konstruktion künftig in zwei Sparten aufgeteilt, um die Sicherheit zu verbessern. Der bisherige Chef, John Calabrese, nimmt seinen Hut.

Nach der tödlichen Pannenserie wegen defekter Zündschlösser baut die Opel-Mutter General Motors die Führung im Bereich Konstruktion um. In diesem Zusammenhang wird auch mit dem bisherigen Chef der Sparte, John Calabrese, ein langjähriger Weggefährte der neuen Konzernchefin Mary Barra im August seinen Posten räumen, wie der größte US-Autobauer am Dienstag mitteilte. Der Bereich werde in die neu geschaffenen Sparten "Globale Produktintegrität" und "Globale Komponenten und Teilsysteme" aufgeteilt. Dadurch solle die Qualität und die Sicherheit der Fahrzeuge verbessert werden.

Der Abschied des 55-jährigen Calabrese, der in den vergangenen 15 Jahren in verschiedenen Positionen mit Barra zusammenarbeitete, habe aber nichts mit dem Zündschloss-Skandal zu tun, sagte GM-Entwicklungschef Mark Reuss. Es ist allerdings der größte Wechsel im Spitzenmanagement seit Beginn des millionenfachen Rückrufs wegen des Defekts im Februar.

Anzeige

Angesichts immer komplexerer Systeme im Autobau könne GM mit dem Umbau im Konstruktionsbereich schneller auf mögliche Probleme reagieren, erklärte Reuss. Barra hatte erst im vorigen Monat den altgedienten GM-Manager Jeff Boyer zum Chef für Sicherheitsfragen ernannt.

General Motors: Chronologie der Zündschloss-Affäre

  • 15. Januar

    Die GM-Firmenveteranin Mary Barra wird Chefin. Sie ist die erste Frau, die einen Autokonzern führt.

  • 13. Februar

    GM ruft in Nordamerika die ersten 778.000 Wagen wegen Problemen mit den Zündschlössern zurück. Der Schlüssel kann bei voller Fahrt in die „Aus“-Position zurückspringen. GM berichtet von sechs Toten bei Unfällen.

  • 25. Februar

    GM weitet den Rückruf auf weltweit 1,6 Millionen ältere Wagen aus. Das Unternehmen räumt erste Versäumnisse ein. Nun ist die Rede von 13 Unfalltoten. Verbraucherschützer kommen auf weit höhere Zahlen.

  • 12. März

    Aus internen Vermerken geht hervor, dass GM-Ingenieure schon 2001 während der Fahrzeugentwicklung über Probleme mit den Zündschlössern berichteten. Es gehen die ersten Klagen von Unfallopfern und Autobesitzern ein.

  • 29. März

    GM ruft nun auch 1 Million Fahrzeuge neuerer Baujahre wegen der defekten Zündschlösser zurück. Damit steigt die Gesamtzahl alleine für diesen Defekt auf 2,6 Millionen.

  • 31. März und 2. April

    Bei zwei Anhörungen im US-Kongress wird Barra scharf angegangen. Antworten auf die Kernfrage, warum GM so lange mit dem Rückruf der defekten Zündschlösser zögerte, hat sie jedoch nicht.

  • 10. April

    Es kommt zu ersten personellen Konsequenzen. Zwei Ingenieure werden beurlaubt. Es folgt eine Neuaufstellung der Entwicklungsabteilung. Mehrere Manager gehen.

  • 24. April

    GM erleidet einen Gewinneinbruch, nachdem sich die veranschlagten Kosten für die Reparaturen im ersten Quartal auf 1,3 Milliarden Dollar summiert hatten.

  • 16. Mai

    General Motors muss 35 Millionen Dollar an Strafe zahlen. Die Verkehrssicherheitsbehörde sieht es als erwiesen an, dass der Autobauer sie zu spät über die Zündschloss-Probleme informiert hat.

  • 5. Juni

    GM legt einen Untersuchungsbericht vor, der zahlreiche Schlampereien auflistet. 15 Mitarbeiter werden gefeuert. Barra verneint aber eine bewusste Vertuschung der Fehler. Opfer sollen entschädigt werden.

  • 13. Juni

    GM warnt vor Zündschloss-Problemen bei einer halben Million weiterer Wagen.

  • 16. Juni

    GM ruft 3,4 Millionen Limousinen wegen problematischer Zündschlösser in die Werkstätten. Nun sind 20 Millionen Wagen insgesamt von 44 Rückrufen betroffen. Die veranschlagten Kosten klettern auf 2 Milliarden Dollar (1,5 Mrd. Euro).

GM sieht sich in dem Skandal zahlreichen Klagen ausgesetzt. Bei Unfällen, die durch defekte Zündschlösser ausgelöst wurden, starben in den vergangenen Jahren mindestens 13 Menschen, 2,6 Millionen Autos wurden in die Werkstätten zurückgerufen. Die US-Behörden untersuchen, warum GM mit dem Rückruf solange wartete, obwohl die Probleme mit den Zündschlössern seit mehr als zehn Jahren bekannt waren. GM ist der Ansicht, dass sie für Vorfälle vor dem Jahr 2009, als das Unternehmen aus der Insolvenz kam, nicht belangt werden kann, weil sie inzwischen rechtlich ein neues Unternehmen sei.

Erst Mitte April hatte GM zwei Spitzenmanager ausgetauscht. Die bisherige Personalchefin Melissa Howell und Kommunikationschef Selim Bingol verließen mit sofortiger Wirkung das Unternehmen. In Howells Fußstapfen trat John Quattrone, ein Urgestein des Konzerns aus dem Umfeld der neuen GM-Chefin Barra. Über die Gründe für das überraschende Ausscheiden der Manager ließ GM nur verlauten, die beiden wollten sich "anderen Interessen widmen". Ein Zusammenhang mit der Zündschloss-Affäre wurde abgestritten.

Weitere Artikel

Nur wenige Tage zuvor hatte Barra in erster personeller Konsequenz aus dem tödlichen Zündschloss-Debakel zwei Ingenieure beurlaubt. Hier wurde der Zusammenhang auch erwähnt. Barra nannte die Entscheidung einen "Zwischenschritt bei der Suche nach der Wahrheit". GM müsse eine "Firmenkultur entwickeln, in der Sicherheit und Qualität ganz oben stehen", ergänzte Barra. Sie ernannte einen eigenen Beauftragten für Fahrzeugsicherheit und verpflichtete darüber hinaus auch den bekannten Anwalt Anton Valukas, um die Gründe für den verspäteten Rückruf zu untersuchen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%