Autobauer: 800-Millionen-Euro Kredit für Opel?

Autobauer: 800-Millionen-Euro Kredit für Opel?

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Matthias Kollatz-Ahnen

von Martin Seiwert

Matthias Kollatz-Ahnen, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, über mögliche Kredite an Opel und diskrete Milliardendarlehen für andere Autokonzerne.

WirtschaftsWoche: Herr Kollatz-Ahnen, anders als Wirtschaftsminister Rainer Brüderle will Bundeskanzlerin Angela Merkel Opel unter die Arme greifen. Dabei soll Ihrer Bank eine besondere Rolle zukommen. Kann Opel mit Krediten der EIB rechnen?

Matthias Kollatz-Ahnen: Wir führen mit Opel und dem Mutterkonzern General Motors Gespräche über mögliche Kredite, sind aber noch in einem frühen Stadium. Das Opel-Management hat angekündigt, dass es bald mit einem konkreten Projektantrag auf uns zukommen wird.

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Was würden Sie bei Opel fördern?

Bei der Förderung im Bereich Mobilität gibt es drei Ansätze: Die Finanzierung von LKWs, was bei Opel jedoch ausscheidet. Die Förderung von Forschung und Entwicklung. Und drittens die Förderung der Automobilproduktion in strukturschwachen Gegenden. Jedes dieser Felder wird mit einem Kredit von maximal 400 Millionen Euro gefördert.

Womit kann Opel rechnen?

Ich gehe davon aus, dass es bei Opel um zwei Bereiche gehen wird, also um Kredite in einer Gesamthöhe von maximal 800 Millionen Euro.

Müsste die deutsche Bundesregierung für die Kredite bürgen?

Starke Unternehmen, die ein gutes Rating haben, brauchen keine besonderen Bürgschaften. Unternehmen, die von den Ratingagenturen schlecht bewertet werden, etwa im Bereich C, brauchen auf jeden Fall einen Bürgen...

...was auf Opel zutreffen dürfte.

So wie Opel dasteht, wäre auf jeden Fall eine staatliche Bürgschaft für 80 Prozent der Kreditsumme nötig.

Die EIB unterstützt viele Industriezweige. Warum aber sind so viele florierende Autohersteller darunter?

Die EIB fördert drei große Industriebereiche: die Energie, mit dem Ziel des Klimaschutzes; Greentech, um die Umweltzerstörung zu begrenzen; und alles, was mit nachhaltiger Mobilität zu tun hat. Im vergangenen Jahr haben wir Kredite von insgesamt acht Milliarden Euro an die Auto- und Autozulieferindustrie vergeben. Grundsätzlich fördern wir nur bestimmte Projekte, etwa die Entwicklung eines sparsamen Motors. Unsere Kredite dürften nicht für übliche Betriebskosten verwendet werden.

Wie rechtfertigen Sie die stattliche Summe von acht Milliarden Euro?

In früheren Jahren haben wir rund zwei Milliarden Euro an die Autoindustrie ausgeschüttet. 2009 hat sich die Summe infolge der Krise auf acht Milliarden Euro vervierfacht. Das wird in den nächsten Jahren wieder zurückgehen.

Für welchen Anteil der acht Milliarden Euro mussten die Steuerzahler bürgen?

Für etwa 20 Prozent.

Um wie viel ist die EIB günstiger als die Hausbank eines Autobauers?

Wir haben niedrigere Zinsen, bieten lange Laufzeiten und geringe Fixkosten.

Grafik: Kredite der Europäischen Investitionsbank an Autokonzerne

Grafik: Kredite der Europäischen Investitionsbank an Autokonzerne (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Sie haben auch Volkswagen-Werke in Indien, Brasilien und Mexiko, Toyota-Fabriken in der Türkei und eine Renault-Produktionsstätte in Marokko gefördert. Was hat das mit Europa zu tun?

Wir finanzieren seit Jahrzehnten Projekte in EU-Beitrittsländern, vorzugsweise Joint Ventures mit heimischen Industriepartnern. Allgemein gilt außerhalb der EU: Die Unternehmen müssen darlegen, dass die Projekte in diesen Ländern für ihren Unternehmenserfolg essenziell sind. Die Förderung dient dann indirekt den europäischen Unternehmen.

Ford hat um einen 200-Millionen-Euro-Kredit für den Standort Köln angefragt. Geben Sie das Geld?

Wir haben die Anfrage positiv beschieden. Es liegt jetzt am Land Nordrhein-Westfalen und der Bundesregierung, die nötigen Bürgschaften bereitzustellen. Hier steht eine Entscheidung kurz bevor.

Es geht also auch bei Ford um Staatshilfe?

Beides sind Staatshilfen, da in beiden Fällen Bürgschaften nötig sind.

Wie kann das Ford-Management öffentlich gegen Staatshilfe für Opel wettern, wenn es selbst welche bekommt? Zumal Ford und seine Töchter Volvo, Jaguar und Land Rover in den letzten zehn Jahren von der EIB Kredite über weit mehr als zwei Milliarden Euro bekommen hat, Opel dagegen keinen Cent.

Dass Ford besonders viele Kredite bekommen hat, bedeutet nicht, dass wir Ford bevorzugt behandelt hätten. Das ist mir sehr wichtig. Wir behandeln alle Unternehmen gleich.

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