Autobauer: Abwrackprämie könnte zum Bumerang werden - Seite 2

Autobauer: Abwrackprämie könnte zum Bumerang werden

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VW-Vorstandsvorsitzender Quelle: AP
VW-Vorstandsvorsitzender Martin Winterkorn neben der Kleinwagenstudie Up! Quelle: AP

Auf das Risiko, dass die Abwrackprämie den Preisdruck auf die Hersteller langfristig erhält, weist vor allem die Bonner Unternehmensberatung Simon-Kucher&Partners hin. In einer Studie, die der WirtschaftsWoche vorliegt, loben die Berater zwar die kurzfristige Ankurbelung der Automobilwirtschaft durch die Prämie und „den psychologischen Effekt, der die Kaufzurückhaltung aufbricht“.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. „Es ist fraglich“, sagt Simon-Kucher-Berater Markus Hofer, „ob man nach den hohen Rabatten, die die Prämie ermöglicht, anschließend zu einem normalen Preisniveau zurückkehren kann.“ Die Erfahrung aus anderen Ländern oder Branchen zeigten, dass das kaum möglich sein wird. „Höchstwahrscheinlich wird die Abwrackprämie das Preisniveau im Autohandel nachhaltig drücken und die Rabattschlachten weiter anheizen.“

Denn Hersteller und Handel stocken die Prämie von 2500 Euro meist um weitere Rabatte auf. Einen Fiat Panda gibt es derzeit inklusive Prämie inzwischen für 5000 Euro, einen Dacia Logan Kombi für 6000 Euro. Wer gut verhandelt, kann selbst einen Kompakten in der Golf-Klasse für rund 10.000 Euro nach Hause mitnehmen. Kommt es zu keinem schnellen nachhaltigen Aufschwung, sind die Aussichten der Hersteller gering, schnell wieder von den riesigen Rabatten herunterzukommen.

Das wird sich auch nicht dadurch ändern, dass derzeit einige Autohändler versuchen, ihre bisherigen Rabatte mit der Abwrackprämie zu verrechnen. So sagt ZDK-Verbandssprecher Helmut Blümer, die Preisnachlässe hätten sich seit Einführung der Verschrottungsprämie halbiert. Die Crux liegt jedoch auf der Hand: Läuft die Abwrackprämie aus, müssen die Händler den höheren Rabatt wohl wieder durch den Griff ins eigene Portemonnaie stemmen.

Negativ zu spüren bekommen werden die Folgen der Abwrackprämie die Gebrauchtwagenhändler. Denn die staatliche Förderung von Neu- und Jahreswagen macht den Kauf von zwei, drei oder vier Jahre alten Autos deutlich unattraktiver. „So geraten die Preise bei den Gebrauchten unter Druck“, sagt Simon-Kucher-Berater Hofer. Dies könne für die deutschen Premiumhersteller besonders gefährlich sein: „Wenn ein neuer Peugeot 308 oder ein neuer Golf durch die Prämie günstiger ist als ein drei Jahre alter Audi A4, BMW 3er oder C-Klasse-Mercedes, haben diese Hersteller womöglich das Nachsehen.“

VW-Chef Winterkorn für Verlängerung

Hofer rechnet deshalb damit, dass die Preise für Gebrauchtwagen deutscher Premiummarken in den kommenden Monaten unter Druck geraten werden, was wiederum auf die Preise der Neuwagen durchschlagen könnte. „Es ist offensichtlich“, sagt Hofer, „dass die deutschen Premiumhersteller über den Umweg des Gebrauchtwagenmarktes im laufenden Jahr getroffen werden.“

Die Hersteller hören solche Szenarien nur ungern. Für sie steht im Vordergrund, so ist unisono zu vernehmen, erst einmal das Jahr 2009 ohne schlimme Blessuren zu überstehen – und dafür sei die Prämie gut. Zudem koste das Programm den Staat eigentlich nichts, rechnet VW-Chef Winterkorn vor: Schließlich fließe das Geld über die Mehrwertsteuer beim Neuwagenkauf und zusätzliche Kfz-Steuereinnahmen in den Staatssäckel zurück. „Das ist gewissermaßen ein Geldwechseln“, sagt Winterkorn.

Der VW-Chef will sogar versuchen, Bundeskanzlerin Angela Merkel die Beschränkung der Abwrackprämie auf den Gesamtbetrag von 1,5 Milliarden Euro und die Befristung bis Endes des Jahres auszureden. Das Bundeswirtschaftsministerium ließ allerdings am Mittwoch über einen Sprecher mitteilen, es gebe derzeit keine derartigen Pläne.

Retten, so viel ist allen Beteiligten klar, wird das deutsche Konjunkturpaket die Branche ohnehin nicht. General Motors-Manager Visser warnt deshalb auch vor zu viel Euphorie: „Wir dürfen nicht vergessen, dass im Januar der europäische Gesamtmarkt noch mal um ein Drittel eingebrochen ist. Das kann Deutschland nicht herausreißen.“

19 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.04.2009, 19:49 UhrAnonymer Benutzer: Andreas Dmytrowicz

    ..Nachtrag:

    2010 ergibt sich folgendes Scenario:
    Kurzarbeit und Massenentlassungen bei Herstellern. Mehrere Marken werden über Fusionen nachdenken müssen. Autohändler werden betriebe schließen oder Arbeitskräfte entlassen, -
    gleiches gilt für Autozulieferer, mangels Aufträgen.
    insbesondere für kleinere Werkstätten kommt ebenfalls das "Aus",
    da 100.00de Altfahrzeuge für Reparaturen fehlen.
    Viele der kleineren Gebrauchtwagenhändler werden aufgeben, weil ihnen diese Fahrzeuge ebenso fehlen, auch für den Export.
    Es wird Halden an unverkäuflichen jungen Fahrzeugen geben, begünstigt durch jetzige Neufahrzeuge, deren besitzer ihren finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können, weil sie sich schlicht übernommen hatten - gelockt von der Prämie.

  • 26.03.2009, 18:40 UhrAnonymer Benutzer: Ron

    ich freue mich schon auf das nächste Jahr. Wer kauft sich denn dann noch ein neues Auto? Die Automobilbranche wird sich 2010 umschauen und merken das die meißten Leute sich schon mit Neuwagen eingedeckt hat und noch viel weniger Autos verkaufen. Die Preise werden in den Keller fallen und einige werden sich mit Sicherheit ärgern sich einen Neuen zugelegt zu haben. Die Automobilfirmen bekommen das spätestens ende nächsten Jahres zu spüren und werden wieder mit Kurzarbeit anfangen und schlimmer noch,mit Entlassungen. Danke Umweltprämie...
    Offensichtlich setzt das Gehirn bei den Leuten absolut aus,wie schon hier zu lesen ist.
    ich kann nur sagen,abwarten und verzichtet auf die Prämie,der Geldbeutel wird es euch nächstes Jahr danken.

  • 24.03.2009, 21:28 UhrAnonymer Benutzer: Mein Name

    ich befürchte das viele arme, irre, autoverliebte Schnäppchenjäger jetzt
    (noch mehr) Schulden machen werden, denn ein altes Auto fährt man ja nicht weil man ein exzentrischer Millionär ist sondern weil das Geld für ein neueres fehlt. ich fahre selbst nen alten Corsa, an dem ich dauernd rumreparieren muß
    weil ich mir weder Werkstatt noch ein neueres Fahrzeug leisten kann.
    Das ist manchmal recht frustrierend aber immer noch besser als Schulden zu machen. ich bin eh kein guter Konjunktur-Motor denn mein Einkommen
    (nicht nur das reale) ist in den letzten 10 Jahren beständig gesunken trotz
    fleissigen Arbeitens. Deshalb hält sich mein Mitleid mit den armen Opel-Monteuren mit Häusschen und Jahreswagen auch in Grenzen.
    Die haben jahrelang für für ihre Rechte kämpfen dürfen während in kleinen betrieben ein Arbeitskampf undenkbar war.
    Willkommen in der freien Marktwirtschaft, Genossen!

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