Autobauer: Braucht Daimler wirklich noch ein Werk?

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Daimler-Chef Dieter Zetsche bei der Hauptversammlung: Trotz der Absatzkrise hält Daimler an seinen Plänen für ein neues Werk in Ungarn fest

Daimler tritt bei den Personalkosten kräftig auf die Bremse. Die Werke sind nicht ausgelastet, Mitarbeiter sollen auf Teile ihres Gehalts verzichten. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für ein neues Daimler-Werk in Ungarn. Aber braucht der Konzern ein solches Werk wirklich noch?

Die Frage muss sich Daimler-Chef Dieter Zetsche angesichts des beispiellosen weltweiten Absatzeinbruches stellen lassen. Wenn das Jahr 2009 weiterhin so schlecht läuft – und darauf deutet ja nun einiges hin – wird Daimler in diesem Jahr vielleicht gut eine Million Fahrzeuge produzieren.

Mit dem neuen Werk in Ungarn, das nach bisheriger Planung 2012 mit der Fahrzeugproduktion beginnen soll, läge die installierte Produktionskapazität aber bei rund 1,6 Millionen Fahrzeugen. Übersetzt bedeutet das: Für eine vernünftige Auslastung müsste Daimlers Absatz in den kommenden Jahren schon gewaltig anziehen. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Nachfolger von A- und B-Klasse künftig in viererlei Karosserievarianten verfügbar sein werden und Daimler entsprechend mit höheren Absatzvolumina rechnet.

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Entscheidung für Ungarn fiel in besseren Zeiten

Die Logik hinter der Entscheidung für Kecskemet mag nachvollziehbar sein. Die aktuellen Modelle der A- und B-Klasse haben über Jahre Verluste angehäuft. Der Nachfolger soll mit höherer Stückzahl bei gleichzeitig niedrigeren Lohnkosten endlich profitabel werden. Gleichzeitig investiert Daimler auch noch in das Werk Rastatt, in dem die Baby-Benze bisher gefertigt werden – und wo künftig unter anderem die Elektro-Versionen vom Band laufen sollen. 

Dennoch: Als die Entscheidung für Kecskemet gefallen ist, sah die Autowelt noch anders aus. Der weltweite Autoabsatz zeigte eine leichte Delle, aber vom Absatzeinbruch der letzten Monate waren wir noch weit entfernt. Wann sich der Automarkt wieder erholt und zumindest das Niveau von 2007 wieder erreicht, vermag derzeit niemand zu sagen.

Daimler kann noch etwas von BMW lernen

Dazu kommt: Daimler will, so ist in Stuttgart zu hören, auch künftig keine deutschen Standorte schließen. Das ist lobenswert.  Doch gerade vor diesem Hintergrund scheinen andere Wege weniger riskant als die Entscheidung, noch einen weiteren Standort hochzuziehen. Daimler kann da von seinem Erzkonkurrenten BMW lernen. Die Bayern haben die vierte Mini-Baureihe an den Auftragsfertiger Magna-Steyr vergeben.

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