Autobauer Chana: Zwang zu Fusionen

Autobauer Chana: Zwang zu Fusionen

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Autos von Chana auf der Autoshow in Peking

von Matthias Kamp

Der chinesische Autobauer Chana soll einer der weltweiten Champions werden, die Peking aus über 100 heimischen Herstellern schmieden will.

Rong Shenghongs Sorgen hätte mancher Autohändler in Deutschland gerne. Zurzeit verkauft der Chef eines Chana-Autohauses im Norden Pekings im Schnitt jeden Tag einen Pkw. Zwar ist das nur noch ein Fünftel der Fahrzeuge, die Rong vor einem Jahr loswurde. Denn die Pekinger Behörden haben im Januar die Vergabe von Autokennzeichen beschränkt, um dem drohenden Verkehrskollaps in der Hauptstadt entgegenzuwirken.

Doch Rong geht es besser als den Händlern der meisten anderen chinesischen Marken. Der Grund: Chana ist bei den Käufern beliebt. Kaum ein Hersteller in China wächst derzeit so stark wie der Pkw-Hersteller aus Chongqing in Zentralchina. Zwischen Anfang Januar und Ende Februar gewann Chana beim Marktanteil 0,58 Prozentpunkte hinzu und kommt auf dem stark zersplitterten chinesischen Markt nun auf ansehnliche 2,3 Prozent. Von allen in China vertretenen Herstellern konnte nur der US-Konzern General Motors im selben Zeitraum noch stärker zulegen. Toyota etwa verlor bis Ende Februar fast einen Prozentpunkt.

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Acht erobern den Westen

Im Westen ist Chana weitgehend unbekannt. Doch Chinas Regierung hat das Unternehmen zusammen mit einer Handvoll anderer heimischer Hersteller auserkoren, um aus ihnen international konkurrenzfähige Automobilkonzerne zu formen.Mehr als 100 große, kleine und kleinste Fahrzeugbauer gibt es in China zurzeit noch. Manche von ihnen verkaufen nur wenige Tausend Autos. Durch Fusionen und Übernahmen sollen daraus in den nächsten Jahren "vier große" und "vier kleinere" Anbieter werden, wie es die Regierung formuliert. Die sollen sodann die Märkte im Westen erobern.

Zur großen Viererbande soll auf jeden Fall Chana gehören. Das staatseigene Unternehmen soll mit seiner Modellpalette vor allem die jüngere Generation bis Anfang 40 ansprechen. Den modern gestylten Kleinwagen Ben Ben etwa gibt es schon für umgerechnet gut 4000 Euro. Die Limousine Alsvin ist in einfacher Ausführung für gut 5500 Euro zu haben. Beim Design, bei der Innenausstattung, auch bei der Qualität hinkt Chana den Japanern und Koreanern kaum noch hinterher, auch dank Kooperationen mit dem Ausland. Entworfen werden die Karossen von italienschen Designern. Die Motoren für einzelne Modelle kaufen die Chinesen bei dem deutschen Anbieter FEV aus Aachen. Ong Chin Lim, Automobilexperte bei der Unternehmensberatung Roland Berger in Shanghai, traut Chana "einiges" zu.

Forschung in Italien, Japan, England

Chana gehört zu einem staatlichen Rüstungskonzern und firmiert in China unter Chang’An. Die Autoproduktion startete das Unternehmen 1988, zunächst mit einer Lizenz des japanischen Herstellers Suzuki. Die Zusammenarbeit hat Chana inzwischen beendet. Der 46-jährige Firmenchef Xu Liuping, ein promovierter Ökonom, gebietet heute über fünf moderne Fabriken in China. Etwa fünf Prozent des Umsatzes, der 2010 bei umgerechnet 2,5 Milliarden Euro lag, fließen in die Forschung, die Chana unter anderem im norditalienischen Turin, im japanischen Yokohama und im britischen Nottingham betreibt.

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