Autobauer: Chrysler wird zum Crashtest für Fiat

Autobauer: Chrysler wird zum Crashtest für Fiat

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Fiat-Chef Sergio Marchionne: Chrysler wird zum Crash-Test

Die geplante Allianz mit Chrysler wird zum Crashtest für Fiat-Chef Sergio Marchionne – und zum Testfall für die künftige Autopolitik der neuen US-Regierung.

Für die rund 3500 Chrysler-Vertretungen in den USA war es die erste gute Nachricht seit Langem. „Das ist fantastisch“, sagt Jonathan Grant, ein Händler mit zwei Standorten in Yonkers und White Plains, nur wenige Kilometer außerhalb von New York. Kurz nachdem er am Dienstag die Nachricht über den Einstieg des italienischen Autobauers Fiat bei seinem US-Konkurrenten Chrysler bekommen hatte, besuchte er im Internet die Web-Site der Turiner und schaute sich deren Autos an. Grant war beeindruckt: „Ich denke, die Italiener haben sehr gute kleine und mittelgroße Fahrzeuge, das ist genau, was uns fehlt.“

Sein bisheriger Hoflieferant Chrysler habe zuletzt einen „fürchterlichen Job“ gemacht, sagt Grant. Es sei ihm immer schwerer gefallen, die zum großen Teil überdimensionierten und durstigen Fahrzeuge zu verkaufen. Hinzu komme auch, dass „die Kunden einfach keine Zuversicht mehr hatten, wir würden das überleben können“.

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Noch vor wenigen Wochen auf der Detroit Autoshow glaubte kaum ein Experte, das einst zum Stuttgarter Autokonzern Daimler gehörende Unternehmen werde die kommenden Monate überstehen. Nun hat der US-Hersteller, der bisher zu gut 80 Prozent dem Finanzinvestor Cerberus gehört, in letzter Minute doch noch einen neuen Partner gefunden, dessen Einstieg die Überlebenschancen erhöhen soll.

Der Fiat-Konzern, so der Kern einer rechtlich bisher noch unverbindlichen Absprache, will sich mit 35 Prozent an dem US-Autobauer beteiligen. Dafür müssen die Italiener an Cerberus kein Geld überweisen, sondern Chrysler die Technik für sparsame und kleine Autos zur Verfügung stellen, die das Unternehmen so dringend braucht. Außerdem soll der italienische Konzern der künftigen US-Schwester sein Händlernetz in Märkten wie Europa und Südamerika öffnen. Im Gegenzug will Fiat einen Fuß in die USA setzen.

Fiat-Absatz ging um fast 30 Prozent zurück

Für Fiat-Chef Sergio Marchionne ist das möglicherweise die letzte Chance, seinen Ruf als Retter von Fiat zu verteidigen. Denn dass der in Kanada geborene Top-Manager, der 2004 das Ruder bei Fiat übernahm, das heruntergewirtschaftete Traditionsunternehmen vom Kopf auf die Füße gestellt und auf Effizienz getrimmt hatte, droht zur Reminiszenz zu verkommen. Trotz aller Erfolge rumort es wieder im Konzern. In einem Interview Ende vergangenen Jahres räumte Marchionne indirekt ein, dass Fiat allein auf Dauer wohl nicht überlebensfähig sein werde. Langfristig, so der Konzernchef, würden wohl nur fünf bis sechs Autohersteller weltweit überleben, von denen jeder mindestens 5,5 Millionen Autos pro Jahr produzieren müsse. Fiat brachte es 2008 gerade einmal auf rund 2,7 Millionen Autos.

Zwar hat Fiat im abgelaufenen Jahr durchaus noch Geld verdient, doch in diesem Jahr müssen die Italiener, wie viele Konkurrenten auch, mit einem massiven Einbruch rechnen. Im November ging der Fiat-Absatz auf dem italienischen Heimatmarkt um fast 30 Prozent zurück. Der wichtige südamerikanische Markt – der Turiner Autobauer verkauft dort gut ein Drittel seiner Fahrzeuge – ist ebenfalls abgeschmiert. Weil Fiat die Produktion in seinem Werk in Brasilien zu spät herunterfuhr, musste das Unternehmen sogar einen alten Flughafen anmieten, um die zu viel produzierten Fahrzeuge dort zwischenzulagern.

Es knirscht auch an anderen Stellen. Die Verhandlungen mit BMW über eine gemeinsame Komponente für künftige Mini- und Alfa-Romeo-Modelle stocken. Ein Wiederaufstieg der Konzerntochter Alfa Romeo in die Reihe der großen europäischen Automarken ist trotz mehrjähriger Bemühungen nicht gelungen.

Jüngster Rückschlag für Marchionne ist der Verlust eines seiner fähigsten Manager: Luca de Meo, Fiat-Marketing- und seit nicht einmal sechs Monaten auch Alfa-Romeo-Marken-Chef und unter anderem verantwortlich für die erfolgreiche Kampagne zur Neuauflage des Fiat 500. De Meo hat das Unternehmen im Streit verlassen und sich zum Konkurrenten Volkswagen nach Wolfsburg verabschiedet, wo er eine Top-Position im Vertrieb einnehmen soll.

Der Chrysler-Deal wirkt da fast wie ein Befreiungsschlag. Ob er Marchionne nun endgültig zum Helden in seiner Heimat macht, ist aber alles andere als sicher. Zuerst einmal muss Chrysler-Chef Bob Nardelli bis zum 17. Februar wie auch sein Kollege Rick Wagoner von General Motors (GM) einen konkreten Plan über Kostenkürzungen präsentieren, wenn die neue US-Regierung ihnen nicht den Geldhahn zudrehen soll. Immerhin waren die Italiener so klug, ihren Einstieg, davon abhängig zu machen, ob Chrysler weitere Milliarden aus der Staatskasse erhält. Vier Milliarden Dollar hat Chrysler bereits aus dem eigentlich zur Rettung des Bankensystems vorgesehenen Topf bekommen. Doch das wird nicht reichen. Und die Verhandlungen mit den Gewerkschaften und den Gläubigern sind kompliziert. Die Gewerkschaften sollen auf die bereits vereinbarte Milliardenzahlung für einen Fonds verzichten, in den die Verpflichtungen für die Krankenversicherung ausgelagert werden sollen, oder sich zumindest mit deutlich weniger zufriedengeben.

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