Autobauer: Daimler hat die Wende noch nicht geschafft

Autobauer: Daimler hat die Wende noch nicht geschafft

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Daimler-Mitarbeiter montiert einen Mercedes-Stern

von Christof Schürmann

Erst hochgejazzt, dann abgeschmiert: Der Autobauer Daimler hat trotz positiver Quartalszahlen die Wende noch nicht geschafft. Denn die wahren Weichenstellungen stehen noch an.

Dass sich an der Börse auch viele einfältige und freche Burschen herumtreiben, hat der Aufstieg und Fall der Daimler-Aktie in den vergangenen Tagen gezeigt. Am vorletzten Montag hatte der Stuttgarter Autokonzern in wenigen Zeilen vorläufige Zahlen über das dritte Quartal mitgeteilt. Die Börse bejubelte die vermeintlich kräftige Rückkehr in die schwarzen Zahlen. 470 Millionen Euro habe das Unternehmen von Anfang Juli bis Ende September operativ verdient, so Daimler.

Operativ heißt in Stuttgart ein Gewinn vor Steuern, Zinsen und „inklusive Anpassungen und Sondereinflüssen“ (bei anderen Konzernen bedeutet operativ irgendeine andere und anders errechnete Ertragszahl). Wie Daimler sich nach den Milliardenverlusten im ersten Halbjahr geschlagen hatte, war zwar nicht erkennbar, aber egal: Die frechen Burschen an der Börse überlegten nicht lange, sondern zogen den Kurs binnen fünf Minuten um fünf Prozent nach oben, am Ende des Tages war Daimler 2,5 Milliarden Euro mehr wert als noch am Morgen.

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Dumm nur, dass Daimler über den Verlauf des Quartals irgendwann etwas mehr als ein DIN-A4-Blatt vorlegen muss. So geschehen am vergangenen Dienstag. Dem Quartalsbericht zufolge hat der Autobauer im dritten Quartal nur so eben die Nulllinie überschritten. Für die Aktionäre blieben 41 Millionen Euro hängen oder 0,2 Prozent Gewinn vom Umsatz, der um 21 Prozent auf 19,3 Milliarden geschrumpft ist. Das verschreckte selbst die frechsten Burschen: 14 Prozent hat die Daimler-Aktie von ihrem Hoch nach Vorlage der vorläufigen Zahlen verloren – knapp fünf Milliarden Euro an Börsenwert.

Auf Kostenseite ist kaum noch was zu holen

Dabei ist nicht mal alles in Moll. Im Industriegeschäft ist es Daimler gelungen, die Umsatzkosten um 1,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu drücken. Daimler tat zudem, was es tun musste: Zu viel produzierte Autos wurden vom Lager abverkauft und mit Kuwait ein neuer Großaktionär gewonnen, der knapp zwei Milliarden Euro in die Kasse spülte. Im Industriegeschäft erhöhte sich so die Nettoliquidität um insgesamt 3,6 Milliarden auf 6,7 Milliarden Euro. Start frei, möchte man meinen, wären nicht immer noch gut 27.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit, schleppte Daimler also nicht massiv unausgelastete Kapazitäten mit sich herum. Das frisst Kapital.

Die Quintessenz ist banal: Nachdem von den angepeilten vier Milliarden Euro an Einsparungen bereits 3,5 Milliarden abgearbeitet sind, ist auf der Kostenseite kaum noch was zu holen. Daimler muss dringend mehr Mercedes und Smarts, Lkws und Busse absetzen, um wieder dauerhaft in die schwarzen Zahlen zu kommen. Andernfalls drohen Kapazitätsabbau und Massenentlassungen. Für 16.000 Mitarbeiter gilt eine Beschäftigungsgarantie nur bis Mitte 2010, für das Gros bis Ende 2011. Noch trägt die Daimler-Bilanz, stimmen Finanzierung und Cash. Ohne Wachstum aber ist eine Radikalkur nötig – spätestens 2011.

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