Autobauer: Die Gewinner und Verlierer des Opel-Kurswechsels

Autobauer: Die Gewinner und Verlierer des Opel-Kurswechsels

von Martin Seiwert und Henning Krumrey

Mit dem Verzicht auf die geforderten Subventionen für Opel sorgt General Motors fast nur für verbrannte Erde. Bei so viel Genasführten wird es schwer, zerstörtes Ansehen zurückzugewinnen. Wer profitiert - und wer weiter kämpfen muss.

Angela Merkel: Total blamiert

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Eine Deutschland-Fahne vor dem Opel-Werk in Bochum

Die Bundesregierung werde Opel unterstützen, „wo immer das nötig ist“. Dieser Treueschwur von Kanzlerin Angela Merkel im März 2009 war Balsam für die geschundenen Seelen der Opelaner. In gelben „Wir sind Opel“-T-Shirts bejubelten sie die Regierungschefin bei ihrem Besuch am deutschen Stammsitz in Rüsselsheim. Kurz vor der Bundestagswahl im Herbst 2009 durfte sich die Christdemokratin dann auf dem Opel-Stand der Internationalen Automobil Ausstellung in Frankfurt gar als Retterin feiern lassen.

Opel würde mit milliardenschweren Staatshilfen sowie dem Einstieg des kanadisch-österreichischen Zulieferers Magna und der russischen Sberbank ein eigenständiger deutscher Autohersteller werden. So dachte sich das Merkel über lange Zeit.Doch Merkel denkt, General ‧Motors (GM) lenkt. Nur wenige Wochen später reißt die Opel-Konzernmutter in den USA das Steuer herum. Die neuen Machthaber an der Spitze des taumelnden Autoriesen wollen Opel plötzlich nicht mehr verkaufen. Die Sanierungskonzepte der Investoren und die Hilfsbereitschaft der Steuerzahler vor Augen, fühlen sich die GM-Bosse auf einmal in der Lage, Opel selber zu sanieren. Damit beginnt für Merkel, ohne dass sie es ahnt, der zweite Akt eines Spiels, an dessen Ende sie total blamiert dasteht. Denn nun macht GM ihr weis, ohne Milliardenbürgschaften der Staates Opel nicht retten zu können. Die Kanzlerin glaubt das, signalisiert GM sogar ein Machtwort, das die ablehnende Haltung der FDP in den Wind schlägt.Als am vergangenen Mittwoch das „Nein, lieber doch nicht, wir machen’s allein“ aus Detroit kommt, ist Merkel die gescheiterte Mutter Courage der Opel-Tragödie. So schnell wird sie wohl keinem Unternehmen mehr, das den Staat um Hilfe bittet, zur Seite eilen. Auch dann nicht, wenn die Hilferufe berechtigt sind.

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Peter Forster: Geschasst

Über acht Jahre lang mühte sich der ehemalige BMW-Vorstand Carl-Peter Forster an der Spitze von Opel und GM Europa. Er versuchte, demMutterkonzern in Detroit Geld und Eigenständigkeit abzuringen und mit guten Autos das miese Image des Opel-Blitz aufzupolieren. 2009 sah es so aus, als bekäme Opel mit neuen Modellen wieder Oberwasser.

Forster witterte die Chance, nach einer Abnabelung von der Konzernmutter GM Chef eines selbstständigen Autobauers Opel zu werden. Doch nach viel Hin und Her wollte sich GM nicht mehr von Opel trennen. Weil Forster die Ablösung offen befürwortet hatte, musste er gehen. Der 56-Jährige leitet heute den indischen Autokonzern Tata.

Opel-Belegschaft: Verunsichert

Der Zickzack-Kurs von GM hat den Opelanern klargemacht, wo sie arbeiten: Bei einem Konzern, der anders als etwa der Rivale Ford lieber um Staatshilfen pokert, als aus eigener Kraft zu überleben. Seit Jahren wird die Belegschaft von roten Zahlen in Detroit und Rüsselsheim in Atem gehalten. Als das Missmanagement der GM-Oberen offenkundig wurde, flüchteten sie sich in das Konkursrecht und die Hand des Staates: Mit rund 50 Milliarden Dollar mussten die amerikanische Steuerzahler GM 2009 vor dem Aus bewahren. Und nun sollen Bürgschaften für Opel auf einmal nicht mehr nötig sein? Die Verunsicherung der Opelaner geht weiter.

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