Autobauer: Mut zur Lücke bei Renault

Autobauer: Mut zur Lücke bei Renault

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Renault-Chef Carlos Ghosn setzt auf kleine Flitzer.

Renault-Chef Carlos Ghosn stoppt die Oberklasse-Ambitionen der französischen Marke. Für die Zukunft setzt er auf Billigfahrzeuge und Elektroflitzer.

Shai Agassi hat als Manager einen guten Namen – in der Softwareindustrie. Als das ehemalige Vorstandsmitglied des Walldorfer Softwarekonzerns SAP vor einigen Monaten jedoch kundtat, dass er sein Glück künftig in Elektroautos versuchen will, da sorgte er allerdings nicht nur bei Branchenkennern für Stirnrunzeln. Seit Mitte Januar jedoch sind die Falten auch bei den Skeptikern fürs Erste ausgebügelt. Agassi hat einen mächtigen Verbündeten gefunden – Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn. Schon 2009 will der französische Autokonzern in Israel eine ganze Flotte von Elektroautos am Start haben. Für die Versorgung mit Strom beziehungsweise geladenen Akkus soll Agassis Firma Project Better Place verantwortlich zeichnen.

Wer glaubt, für Renault-Nissan sei das nur eine interessante Spielwiese und ein aparter Nebenkriegsschauplatz, der könnte bald eines Besseren belehrt werden. Der Autoriese will die Elektroflitzer schon 2012 auch auf anderen Märkten anbieten – London, Paris und Yokohama sollen dann auf der E-Mobil-Landkarte stehen, gefolgt von weiteren Metropolen.

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Die Zukunft fährt elektrisch - oder billig

Carlos Ghosn und seine Kollegen krempeln die Strategie von Renault-Nissan um. Geschichte scheint die Idee, Renault nicht nur bei kleinen und Mittelklasseautos, sondern auch in der Oberklasse zum ernsthaften Herausforderer aufzubauen. Die Zukunft fährt elektrisch – oder billig. Renault-Vize-Generaldirektor Patrick Pélata kündigt an, bis 2011 jährlich mehr als 1,4 Millionen Fahrzeuge auf der Basis des Billigautos Logan fertigen zu wollen. Nach Abschluss des geplanten Vertrages mit der russischen Avtovaz kämen sogar noch Hunderttausende Autos dazu.

Weil sich das als 5000-Euro-Auto bekannt gewordene Gefährt nicht nur in Schwellenländern, sondern sogar in Westeuropa blendend verkauft, werden die Franzosen eine ganze Fahrzeugfamilie auf die Logan-Plattform stellen. Noch in diesem Jahr sollen ein Logan Pick-up und der neue auf der Logan-Plattform basierende Kompaktwagen Sandero auf den Markt kommen, ein zweitüriges Sportcoupé ist bereits in Vorbereitung. Die Logan-Familie würde, wenn die Pläne aufgehen, zum meistverkauften Auto der Welt. Und damit nicht genug: In Indien soll von 2011 an mit dem Partner Bajaj ein Ultrabilligauto nach dem Vorbild des Tata Nano produziert werden, der mit einem Preis ab 2500 Dollar netto als billigstes Auto der Welt Indien und andere Schwellenländer aufrollen soll.

Der ehemalige Nissan-Sanierer Ghosn, dessen Ruf als Wundermanager in letzter Zeit wegen Absatzschwierigkeiten bei Renault und verfehlter Ziele bei Nissan Kratzer abbekommen hat, versucht die Konzern-allianz durch den strategischen Schwenk aus der Schusslinie zu bringen.

Die Taktik dazu ist plausibel. Weil die EU-Kommission, auch auf besonderen Druck von Frankreich, künftig die Hersteller großer und durstiger Fahrzeuge zur Kasse bitten will, lohnt sich der groß angelegte Einstieg in die automobile Oberklasse für Renault kaum noch. Dazu hat sich das Billigauto Dacia Logan, das unter anderem in Rumänien, Russland und Nordafrika überwiegend von Hand zusammengebaut wird, als Profitbringer erwiesen. Als Stückzahlbringer sowieso.

Vor allem Letzteres ist für Ghosn wichtig, wenn er seine für 2009 postulierten Ziele von 3,3 Millionen verkauften Autos und sechs Prozent operativer Marge erreichen will. Während er bei der Marge mit derzeit 3,3 Prozent einigermaßen auf Kurs ist und für dieses Jahr 4,5 Prozent verspricht, ist das Absatzziel nur noch mit einem durchschnittlichen Absatzwachstum von fast 16 Prozent in den kommenden beiden Jahren zu schaffen. Dass die Modelloffensive bei der Kernmarke Renault dazu allein nicht reichen wird, weiß auch Ghosn. Im vergangenen Jahr war der Fahrzeugabsatz nur um gut zwei Prozent gestiegen.

Neuer Star ist Fiat 500

Angesichts des wachsenden Drucks wundert auch der Mut zur Lücke nicht, den Ghosn und Pélata beweisen, indem sie etwa das Thema Hybridantrieb in Europa nicht weiter verfolgen wollen, während sämtliche Konkurrenten auf die Kombination von Elektro- und Benzinmotor setzen. Überraschend ist auch der Wandel beim Design. Passé scheinen die mutigen Entwürfe von einst. Experten bescheinigen den neuen Autos wie dem Kleinwagen Twingo ein beliebiges, austauschbares Aussehen. Und so wundert es auch nicht, dass der neue Star der kleinen Klasse Fiat 500 heißt – und nicht mehr Twingo wie vor einigen Jahren.

Zweifel am Ghosn’schen Produktgespür wirft auch die zu Nissan gehörende Luxusmarke Infiniti auf, die in Genf offiziell ihr Europadebüt feiert. Deren Gefährte werden zwar edel aussehen, unter der Haube aber zunächst nur Motoren mit vielen Pferdestärken und großem Durst tragen. Den Zeitgeist trifft Ghosn damit nicht. Verkaufen doch die Wettbewerber Audi, BMW und Mercedes in einigen Baureihen bis zu 90 Prozent Dieselmotoren. Und eigentlich sollte Ghosn es auch besser wissen. Der ansehnlich gezeichnete Nissan Murano, der ebenfalls nicht mit Diesel lieferbar ist, ist in Europa gefloppt.

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