Autobauer: "Opel-Werk Bochum darf nicht zum Blutspender werden"

Autobauer: "Opel-Werk Bochum darf nicht zum Blutspender werden"

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Rainer Einenkel, 55, ist Betriebsratsvorsitzender des Opel-Werks in Bochum und Mitglied im Opel-Aufsichtsrat

General Motors hat US-Staatshilfen vorzeitig zurückgezahlt. In Deutschland verhandelt die Opel-Mutter weiter um staatliche Bürgschaften. wiwo.de sprach mit dem Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel über Staatshilfen, Verteilungskämpfe und Absicherungsmodelle.

wiwo.de: Herr Einenkel, General Motors zahlt seine US-Staatshilfen früher als geplant zurück. Warum benötigt die Opel-Mutter dann Staatshilfen in Europa?

Rainer Einenkel: General Motors braucht Geld, um Investitionen finanzieren zu können. Zu den Sanierungsmaßnahmen gehören auch Investitionen in eine neue Modellpolitik, und das kostet Geld. Im Übrigen gibt es auch andere deutsche Unternehmen, die Geld vom Steuerzahler bekommen haben, etwa VW. Da wird relativ wenig Wind darum gemacht, dass Volkswagen zu einem gewissen Teil aus Landesmitteln finanziert wird. (Die Antwort von Opel-Chef Nick Reilly auf diese Frage finden Sie hier)

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Die aktuellen Zulassungszahlen von Opel sind nicht besonders ermutigend. Muss GM nun seinen Sanierungsplan für Opel korrigieren?

Marktanteilszahlen sind oft Wasserstandsmeldungen, die können sich rasch verändern (Details dazu hier). Zum anderen muss nun auch ein bisschen mehr Ruhe ins Unternehmen kommen. Opel muss ja nicht nur gute Autos bauen, sondern auch am Markt Sicherheit und Stabilität vermitteln.

Dieses Jahr wird ein schwieriges Jahr für alle Autobauer. Doch der Insignia wird gut auf dem Markt angenommen, und die neuen Versionen des Opel Astra und des Meriva sind nun bei den Händlern. In einer Phase des Neuanlaufs wächst man erst wieder langsam in den Markt hinein. Aber ich habe da ein gutes Gefühl, insbesondere mit dem Astra sind wir gut aufgestellt.

Welche neuen Modelle sind im Rahmen der Sanierung geplant?

Bei einem Kleinwagen unterhalb des Corsa muss Opel nachlegen – dass hat Opel-Chef Nick Reilly ja auch wiederholt erklärt. Dasselbe gilt für ein Oberklasse-Auto, und das gilt auch für die verschiedenen Astra-Varianten, die kommen werden. Ab 2011 bringt Opel den neuen Zafira auf den Markt, der in Bochum gebaut wird. Ab 2012 wird auch der Corsa überarbeitet.

Wie die neuen Werke auf die einzelnen Standorte verteilt?

Für uns als Betriebsräte ist von besonderer Bedeutung, wo die einzelnen Autos gebaut werden. Davon hängt ab, wie weit die einzelnen Werke eine Zukunft haben. Diese Fragen werden eine entscheidende Rolle in den Sanierungsverhandlungen spielen. Die Beschäftigten in Bochum sollen 20 Millionen Euro zur Sanierung beitragen. Sollte ich keine Perspektive für unser Werk erkennen, kann ich das aber nur schwerlich vermitteln. Ich bin mir mit der Landesregierung in diesem Punkt einig: Wenn es keine Aussichten für das Bochumer Werk gibt, werden sich die Bochumer nicht an der Sanierung beteiligen. Und dann darf es auch keine Staatshilfen für Opel geben.

Ende letzten Jahres sprachen Sie von Verträgen, laut denen der neue Astra zuerst in Bochum gebaut werden muss. Nun sieht es so aus, als würde Rüsselsheim den Zuschlag bekommen. Hat der Standort Bochum überhaupt Zukunft, wenn hier künftig nur der Zafira gebaut wird?

Rüsselsheim benötigt einen Ersatz für die Fertigung des neuen Saab, den sie nun nicht bekommen werden. Meine Betriebsrats-Kollegen haben deshalb gefordert, dass sie den neuen Astra fertigen. Allerdings ist für das Bochumer Werk nicht der normale Astra-Fünftürer vorgesehen, sondern die Kombi-Variante Caravan.

Die Diskussion zwischen den einzelnen Werken ist nicht gerade einfach. Doch wir haben eine klare Vereinbarung, dass der neue Caravan zuerst in England gebaut wird und als weiterer Standort das Werk Bochum vorgesehen ist.

Sie sehen nur eine Zukunft für Bochum, wenn der Caravan im Ruhrgebiet gebaut wird?

In diesem Punkt bin ich sehr streitbar und kompromisslos: Sollte der Caravan in Rüsselsheim gefertigt werden, ist die Lebensfähigkeit des Bochumer Werks akut in Frage gestellt. Deshalb bestehen wir auf die Einhaltung dieses Vertrages. Das Bochumer Werk darf nicht Blutspender für andere Standorte werden, damit diese überleben können.

Eine Alternative wäre aber, eine andere Produktion nach Bochum zu holen – etwa das Elektroauto Opel Ampera oder eine Chevrolet-Variante, wenn nicht so viele Astra-Werke gebraucht werden.

GM hat erklärt, dass Elektroautos vorerst nicht in Europa gebaut werden...

GM steigt 2010 mit dem Chevrolet Volt in die Elektroauto-Produktion ein. Ursprünglich sollte das Auto als Opel Ampera auch in Europa gebaut werden. Wir haben uns – wie die englischen Kollegen auch –darum bemüht, die Ampera-Fertigung ins eigene Werk zu holen. Nick Reilly hat zunächst den englischen Kollegen Hoffnung gemacht. Doch vor kurzem erklärte er, dass GM noch keine Entscheidung für ein europäisches Werk getroffen hat.

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