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Autobauer: Opel wird GM viele Milliarden mehr kosten

von Wilfried Eckl-Dorna

Hoher Besuch: Sechs Tag nach dem Scheitern des Magna-Deals kam General-Motors-Chef Fritz Henderson in die Opel-Zentrale nach Rüsselsheim. Über Inhalte der Gesprächen ist noch nichts bekannt. Einer Studie zufolge dürfte GM die Opel-Sanierung 8,5 Milliarden Dollar kosten.

Wolken hinter dem Logo auf dem Quelle: dpa
Wolken hinter dem Logo auf dem Opelwerk in Bochum: GM-Chef Henderson macht sich heute in Rüsselsheim ein Bild von der Lage. Quelle: dpa

Knapp eine Woche nach dem Scheitern des Magna-Deals hat General-Motors-Chef Fritz Henderson in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale Gespräche über die Zukunft des Autobauers geführt. Henderson beriet heute zunächst mit dem Management, wie ein Opel-Sprecher mitteilte. Auch ein Treffen mit dem Betriebsrat war geplant. Zu den Inhalten wurde zunächst nichts bekannt. Mit der Vorlage des Zukunftskonzepts von General Motors (GM) wird für die nächsten Tage gerechnet.

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Henderson wolle sich in Rüsselsheim ein aktuelles Bild verschaffen, sagte der Sprecher. Begleitet wurde der GM-Boss von Nick Reilly, dem Leiter der internationalen General-Motors-Aktivitäten. Nach dem Beschluss des US-Konzerns, Opel doch nicht an Magna zu verkaufen, warten Beschäftigte und Politik auf den GM-Sanierungsplan, dem europaweit 10.000 Stellen zum Opfer fallen dürften. Henderson soll auch am Dienstag noch in Rüsselsheim sein.

Wann er mit dem Betriebsrat spricht, wollte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz am Morgen zunächst nicht sagen.

Studie: Sanierung kostet GM 8,5 Milliarden Dollar

Nach Experten-Einschätzung könnte die Opel-Sanierung für GM deutlich teurer werden als bislang bekannt. Die US-Ratingagentur Moody's bezifferte die Sanierungskosten heute auf 8,5 Milliarden Dollar, das sind mehr als fünf Milliarden Euro. Die Opel-Mutter General Motors (GM) hatte die Kosten dagegen bislang auf drei Milliarden Euro beziffert. Der Opel-Betriebsrat hatte schon früher erklärt, dieser Betrag würde bei weitem nicht reichen.

GM verfügt nach Einschätzung von Moody's trotz der Milliardenhilfen der US-Regierung nicht über ausreichend Liquidität, um das eigene Geschäft und die Sanierung von Opel zu stemmen. Insofern stehe GM vor der gleichen Ausgangslage, wie zu Beginn der Verkaufsverhandlungen: Opel zu behalten ergebe für GM zwar strategisch Sinn, gleichzeitig fehlten dem Konzern aber die Mittel, um die notwendige Sanierung zu finanzieren. Mit Opel behält GM einen vor allem wegen seiner Kleinwagenkompetenz wichtigen Geschäftsbereich, der auch für den US- Markt zunehmend an Bedeutung gewinnt. Zudem ermöglicht die europäische Tochter GM, die Entwicklungskosten über eine größere Stückzahl zu streuen und mit einer größeren Einkaufsmacht mit Zulieferern zu verhandeln.

Erhebliche Anstrengungen für Staatshilfen und Beruhigung

Nach Ansicht von Moody's wird sich der US-Konzern, dessen Führungsspitze derzeit in Rüsselsheim über einen Zukunftsplan für die Tochter berät, massiv um Hilfen der deutschen und anderer europäischer Regierungen bemühen. Dazu werden die Amerikaner womöglich zu Zugeständnissen beim Arbeitsplatzabbau bereit sein und weniger Stellen streichen als der ursprüngliche Sanierungsplan vorsah.

Daneben muss GM nach Meinung der Ratingagentur aber auch erhebliche Anstrengungen unternehmen, um die Wogen bei Vertretern von Politik und Gewerkschaften in Deutschland zu glätten. Das Hin und Her bei den Bieterverhandlungen und die Entscheidung gegen den Verkauf an den Zulieferer Magna im Verbund mit der russischen Sberbank hatten für erheblichen Unmut gesorgt. Moody's hält jedoch ein gewisses Entgegenkommen aus Deutschland für möglich. Sollten die europäischen Regierungen jedoch insgesamt ihre Unterstützung versagen, könne sich GM schon bald wieder gezwungen sehen, auf die Suche nach einem Bieter für das Europa-Geschäft zu gehen.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.11.2009, 12:45 UhrAnonymer Benutzer: Montserrat

    @qinster: ihnen ist bewusst, dass Opel Ende der 1930er- Jahre pleite war? Ohne GM wäre das Opel-Aus bereits vor über 60 Jahren besiegelt gewesen.

    Zugegeben: im Van-bereich hat GM das Stopp-Signal gegeben, um sich in Deutschland nicht eventuell selbst Konkurrenz zu machen.

    Der überwiegende Rest allerdings wurde hier "verbrochen".


    Die Planung der Opelmodelle wurde zum Großteil in Deutschland durchgeführt. Fehlplanungen am Markt vorbei ebenso. Wo ist z.b. ein Umsatzbringer, wie der Familienkombi Caddy (aktuelles Modell)?

    Der Vectra war eine Fehlplanung, Omega und Signum auch. Da war Ford z.b. mit dem Mondeo in der unteren Mittelklasse schon viel weiter.

    Der insignia ist zu schwer und nachdem der Hype vorbei ist, wird sich die Konkurrenz freuen. Vergleichen Sie mal objektiv einen insignia mit einem Skoda Octavia (oder von mir aus mit dem Suburb). Da wird für das preissensible Publikum einfach mehr geboten.

    Opel versucht in VW-Umgebung zu spielen. Auch mit den Preisen. Das ist Schwachsinn und wird letztendlich den Untergang besiegeln.

  • 10.11.2009, 09:33 UhrAnonymer Benutzer: Nächstenliebe

    betreff den Serienreifen Elektroautos sehe ich GM lediglich ins nächste Fiasko stürzen.

    Wenn man das im wirtschaftlichen Massstab umsetzen wollen würde, müsste man zu aller erst die verkrusteten Energiekonzerne aufbrechen. Diese haben heute weder die Kultur, noch das Personal um eine dynamisch wachsende infrastruktur aufzubauen.

    Wenn die Konsumenten Elektroaitos im großen Stil nachfragen würden, müssten diese Verbraucher auch versorgt werden.

    Aber wie das Leben so spielt, wird das zum Glück nicht passieren. Die Leute werden bei einer sicheren Reichweite von knapp über 100 km mit Sicherheit dankend abwinken. Und bei dem Kosten/Nutzenverhältnis sowieso.

    Wenn der kleine Opel ohne Range Extender kommen soll, besser gleich lassen.

    Sagen wir es so. GM hat sich bis dato nicht gerade mit Ruhm bekleckert, wenn es darum ging die Markttrends mit den richtigen Produkten zu beliefern. Da fragt man sich schon, warum das plötzlich anders werden sollte?

    Die einzige Erfahrung die GM aus den letzten 15 Jahren hat, ist Kapitalgebern Sand in die Augen streuen. Das beherrschen sie zur Perfektion.

  • 09.11.2009, 21:28 UhrAnonymer Benutzer: ginster

    @ MONTSERAT:
    GM hat in Sachen OPEL total versagt. Und in den USA ebenfalls. Man vergleiche nur FORD und GM, dann weiss man alles. ihnen sei zugestanden, dass das OPEL-Management nicht das beste war und ist. Aber, aber, wer hat die Leute "eingesetzt", rein gepusht? Und wenn man einen Gescheiterten wie Lutz jetzt wieder "aus der Personalkonserve" hervorzieht, ist dies ein unumstösslicher beweis dafür, dass GM, auch jetzt, nicht gut geführt wird. Wer allerdings in Detroit die Schwachpunkte konkret sind, weiss ich auch nicht.

    Leider hat die Regierung in berlin die Dinge nicht richtig kommuniziert. Wenn Deutschland OPEL hilft, geht es um die Jobs bei OPEL und dem Drumherum. Aber es geht auch darum, dass ja andere Regierung massiv staatlich intervenieren. Wenn wir darauf verzichten würden, kämen wir statt einer Pole-Position auf einen letzten Platz. Warum haben wir in Deutschland keinen großen nationalen Erdölkonzern? Dies allein beweist doch, dass es der Markt eben allein n i c h t richtet, nicht richten kann. Es bedarf politischer impulse. Der Erfolg von bayern und baden-Württemberg ist auch der dortigen stärker merkantil-etatistischen Politik zu verdanken. bei Sonntagsreden wird das Hohelied der Sozialen Marktwirtschaft zelebriert, wie in einer kath. Messe, dann zwinkert man sich aber zu und tut doch, was man aus wohlerwogenen Gründen für notwendig hält.
    Dass die Meinungsumfragen g e g e n Hilfen ausfallen ist allerdings auch sonnenklar. 99,5 % der Selbständigen würden nie was kriegen, also sagen die sich, wenn wir nicht, dann andere auch nicht! Für Arbeitnehmer gibt es eh keinen Schutzschirm, dort wird ja nur gezwackt und abgebaut. Die sind schon gar nicht dafür. Menschlich durchaus nachvollziehbar, gesamtgesellschaftlich eindeutig falsch.

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