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Autobauer: Opels Chancen auf Staatshilfen schwinden

von Henning Krumrey

Die Jagd nach Staatsgeld schien zu gelingen, doch nun dürfte Opel Opfer des eigenen Erfolges werden. Und der Euro-Krise.

Das Logo des Autoherstellers Quelle: dpa
Das Logo des Autoherstellers Opel auf einer Automesse Quelle: dpa
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Gestern schalteten sich die acht Mitglieder des Lenkungsrates telefonisch zusammen. Die Unternehmer, Wissenschaftler, Expolitiker und Beamten bastelten ihr Votum zum Fall Opel - und das fiel Zeitungs- und Agenturberichten zufolge negativ aus. Wie das Handelsblatt berichtet, lehnten die Mitglieder des Gremiums staatliche Hilfen für Opel ab. Grundlage für ihre Entscheidung ist ein wirtschaftliches Gutachten, das unter anderem die gute wirtschaftliche Entwicklung bei dem Opel-Mutterkonzern General Motors hervorhebt. Nun könne die Bundesregierung nur noch politische Gründe für eine Milliardenbürgschaft nennen, berichtete die Zeitung weiter.

Noch ist die Entscheidung für oder gegen Staatshilfen aber nicht endgültig gefallen: In den nächsten Tagen muss der Staatssekretärsausschuss über den Bürgschafts- – sprich: Subventionsantrag – entscheiden. Der Empfehlung des Lenkungsrats kommt eher Signalwirkung zu. Die Bewertung der acht Experten fließt in die Beratungen des Lenkungsausschusses ein, der sich im Rahmen des formalen Verfahrens abschließend mit dem Antrag auf Hilfen befasst. Die endgültige politische Entscheidung trifft Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle. Er sieht das Hilfsansinnen seit langem mit Skepsis.

Die letzten Hindernisse auf dem Weg zu Staatshilfen für Opel schienen bis vor kurzem überwindbar. Doch nun haben folgende Fragestellungen offenbar mehr Gewicht bekommen als bislang bekannt:

Fragezeichen 1: Das kreditierende Institut. Die Deutsche Bank tat sich bisher schwer, ihr Engagement für Opel offen zu bekennen. Sie pokert, für eventuell nötige Nachschusspflichten nicht allein im Obligo zu stehen. Auch da solle der Staat bürgen.

Fragezeichen 2: Seit GM 900 Millionen Dollar Gewinn im ersten Quartal meldete (und 16 Milliarden Barreserven), kommen wieder Fragen aus Ministerien und Kanzleramt: Wenn die Opel-Mutter so viel Geld hat, warum soll dann der deutsche Steuerzahler blechen? Aber: GM macht sich künstlich für die Börse hübsch. Zudem wollen die Amerikaner – wie die Deutschen – kein Staatsgeld über den Atlantik fließen sehen.

Riskant wird für Opel nun die innenpolitische Wetterlage. Am Sonntag berät das Bundeskabinett seinen Sparkurs. Jetzt wächst in der Union der Druck, nach der Rettung von Spargeldern und Banken, von Griechenland, Portugal und Spanien – bis auf die Notgroschen alles äußerst unpopulär – nicht auch noch eine Milliarde für den Autobauer zu geben. Auch die Chefs der großen deutschen Autofirmen wenden sich geschlossen gegen Staatshilfen für Opel. In Umfragen schlägt der Kanzlerin selbst die Skepsis der Steuerzahler entgegen: Sollen wir für jeden haften?

In Union und FDP ist unvergessen, dass der damalige Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg zum Umfrage-Höhenflug startete, als er wegen Opel mit Rücktritt drohte. Die FDP, gedemütigt durch das Kanzlerinnen-Nein zur Steuersenkung und die Mini-Gesundheitsprämie, kann sich nicht noch erlauben, ihre ordnungspolitische Linie zu opfern. Zudem brechen den Hilfe-Fans mit NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (kämpft ums politische Überleben) und dem Hessen Roland Koch (kündigte seinen Rückzug an) wichtige Unterstützer weg.

Lange gab es die Kritik, Opel sei schon vorher marode gewesen, komme also für eine Krisen-Bürgschaft nicht infrage. Inzwischen hatte der Autobauer vermittelt, dass man ohne den Konjunkturabschwung zwar gestrauchelt, aber nicht gestürzt wäre. Tritt die Bundesregierung nun aber nach dem Euro-Rettungsschirm auf die Bremse, könnte Opel am Ende tatsächlich ein Opfer der Krise werden. Dann kommt der Bürgschaftsantrag in die Wiedervorlage.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 04.06.2010, 12:04 UhrAnonymer Benutzer: maulwurf

    Was ist eigentlich aus der guten alten freien und sozialen Marktwitschaft geworden?

  • 01.06.2010, 18:28 UhrAnonymer Benutzer: Chevy

    @ C. benz
    ich bin beileibe kein Opelfan, aber soo schlecht sind diese Autos nun doch wieder nicht.. Opel hat ganz einfach ein imageproblem. Nicht weil die Qualität so mies ist. (Sonst müsste sich Forde ja auch so schlecht verkaufen). im Gegenteil. Opel satnd jahrelang für zuverlässige Hausmannskost ohne Schnivkschnack und hatte seine feste Klientel. Mit Opel bringt man keine automobilen Wunderwerke in Verbindung à la Citroen oder VW Käfer.. Und schon dieser Name.. Opel.. Klingt wie Opa.. Opa mit Hut und Hosenträger.. in England allerdings verkauft sich Opel gar nicht so schlecht allerdings unter dem Namen Vauxhaul.. GM sollte den Namen Opel begraben und die Autos in etwas billigerer Form als Chevrolet verkaufen.. ich bin mir sicher der Absatz wird sich so in Europa verbessern. Denn Chevrolet kann auch der Franzose aussprechen nicht wie "Oppähll"..

  • 01.06.2010, 17:53 UhrAnonymer Benutzer: C. Benz

    Wer braucht OPEL ?

    Jährlich wechselnde Stümper aus Detroit haben OPEL an die Wand gefahren.

    Und dann kam noch dieser Lopez, der dem Laden den letzten Schubs gegeben hat: Wer nur billig einkaufen will, bekommt irgendwann nur noch Mist geliefert. Und dieses Zeug ist dann auch verbaut worden.

    Wundert sich wirklich jemand, warum der Marktanteil auf dem Niveau eines exotischen Nischenanbieters angelangt ist ?

    Und wo war übrigens der tolle betriebsrat, der das alles hätte sehen können ? Heute wird auf einmal aufgeschrien und so getan, als gehöre der Laden der iG Metall.

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