Autobauer: Renault stellt Pläne für die Oberklasse auf den Prüfstand

Autobauer: Renault stellt Pläne für die Oberklasse auf den Prüfstand

Renault fokussiert sich auf Elektroautos und stellt seine Pläne für die Oberklasse auf den Prüfstand. Eine Ausweitung des angekündigten Abbaus von weltweit 6000 Stellen ist nach Meinung von Renault-Vize Patrick Pelata nicht notwendig, um die Absatzkrise zu überstehen.

Kostenreduzierungen seien auch ohne weitere Stellenkürzungen möglich, sagte der Renault-Manager der WirtschaftsWoche. „Wir haben früher bereits Werke geschlossen, hier nebenan auf der Seine-Insel bei Paris oder in Vilvoorde in Belgien. Wir müssen unsere Fixkosten reduzieren, aber das geht auch ohne weitere Werksschließungen.“

Für dieses Jahr habe sich Renault vorgenommen, alle Investitionen aus Eigenmitteln zu finanzieren, weshalb die Investitionen gekürzt und die Entwicklung aller großen Automodelle vorerst auf Eis gelegt werde.

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Renault wolle unbedingt auf neue staatliche Hilfen verzichten. „Wir tun alles, um keine weiteren Mittel zu benötigen. Wir haben einen Plan in Kraft gesetzt, dessen Ziel es ist, 2009 unsere Investitionen aus Eigenmitteln finanzieren zu können. Dazu reduzieren wir unsere Investitionen, Forschungsausgaben und Lohnkosten erheblich.“ Das betreffe vor allem die Oberklasse-Modelle.

„Wir stellen alle unsere Pläne für die Oberklasse auf den Prüfstand. Wir haben den Start des neuen Vans Espace verschoben, und wir wollen beobachten, wie sich die Krise auf das Kundenverhalten auswirkt. Wir haben deshalb alle unsere Pläne für das Segment über dem Laguna auf die Zeit nach der Krise verschoben, deren Ende wir für 2013 erwarten.“

Elektrofahrzeuge statt Oberklasse

Stattdessen setze Renault auf die Produktion von Elektrofahrzeugen und eine noch stärkere Flexibilisierung der Fertigung. „Im Werk Sandouville wollen wir Nutzfahrzeuge produzieren. In einer anderen Fabrik werden wir unsere Elektroautos herstellen. Und wir reduzieren die Kosten. Obwohl die Produktion in Sandouville zwischen 2006 und 2008 um 53 Prozent zurückgegangen ist, haben wir die Kosten pro Einheit in der Fertigung um sechs Prozent gesenkt. Nun gehen wir auch die Kosten in der Verwaltung an, etwa durch Kurzarbeit auch in diesem Sektor.“

Zusätzliche Entlassungen über die 6.000 Stellen hinaus seien nicht notwendig, „denn wir haben unsere Flexibilität deutlich erhöht und schaffen mit dem Elektroauto eine neue Wertschöpfung, indem wir einen Zulieferpark entwickeln“, so Pelata. „Wir prüfen auch die Schaffung neuer Kapazitäten im Umweltbereich und wollen am Bau einer neuen Formel-1-Strecke bei Paris mitwirken. All das zeigt, dass wir unsere Kosten senken können, ohne Werke schließen zu müssen.“

Allerdings kritisiert Pelata die immer noch hohe Belastung von Arbeit in Frankreich durch Steuern, Sozialabgaben und hohe Tarife und lobt die Rolle der Gewerkschaften in Deutschland. „Die Gewerkschaften in Deutschland haben unter Bundeskanzler Gerhard Schröder erhebliche Einkommensrückgänge akzeptiert. Außerdem wurde ein Teil der Sozialabgaben von den Unternehmen auf die Mehrwertsteuer verlagert. Dadurch stieg die Produktivität deutlich“, lobt Pelata.

Stattdessen habe Frankreich die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich eingeführt. „Wir haben der Regierung gesagt, dass sie handeln muss. Sie schafft von 2010 an die Gewerbesteuer ab. Aber das löst nur ein Viertel des Problems.“ Es sei weiterhin „nicht besonders attraktiv, in Frankreich zu investieren. Wir betreiben in Frankreich keinen Protektionismus, sondern eher das Gegenteil. Frankreich kümmert sich nicht in ausreichender Weise um das Problem der hohen Sozialleistungen, die die Unternehmen zu tragen haben. Das kann so nicht weitergehen.“

Pelata schloss eine Rückkehr Renaults in die USA nicht aus. Eine Präsenz dort sei „nicht notwendig, wäre aber gut. Das bleibt eine wichtige Option für Renault.“

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