Autobauer: Schrecken ohne Ende bei Opel

KommentarAutobauer: Schrecken ohne Ende bei Opel

Am Wochenende stellt Opel seinen neuen Hoffnungsträger vor: Das neue Mittelklasse-Auto Insignia mit seinem Warnsystem "Opel Eye". So etwas hätte den Managern bei Opel und General Motors früher einfallen sollen - und am besten hätten sie das System auch im Sitzungssaal des Aufsichtsrats installiert. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Franz Rother.

Die knapp fünf Meter lange Stufenheck-Limousine Insignia sieht hübsch aus, bietet eine Menge Komfort und lässt sich gegen Aufpreis unter anderem mit Allradantrieb, Autobahnlicht und mit dem „Opel Eye“ ordern – einer kleinen Kamera in der Windschutzscheibe, die die Verkehrsschilder am Wegesrand analysiert und den Fahrer über den Bordcomputer warnt, wenn er beispielsweise trotz Überholverbots den Blinker setzt. Einige deutsche und europäische Kollegen haben sich von derlei Gimmicks offenbar beeindrucken lassen – sie kürten den Opel Insignia in dieser Woche zum „Auto des Jahres“.

Das Warnsystem Opel Eye hätten sich die Manager von Opel und bei General Motors in Detroit früher einfallen lassen sollen. Und es statt im Insignia besser im Sitzungssaal des Aufsichtsrats montiert. Nun aber kann dem Autokonzern ein elektronisches Assistenzsystem nicht mehr aus der Klemme helfen. Eine völlig verfehlte Modell- und Markenpolitik hat den einstmals größten Automobilkonzern vor die Wand fahren lassen. So heftig, dass Gutachter nur noch einen Totalschaden konstatieren können.

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Autoindustrie könnte Untergang von GM verschmerzen

Eigentlich könnte, müsste man jetzt alles verschrotten: Das Mutterhaus in Detroit und auch die deutsche Tochter, die einst mal eine stolze AG war, inzwischen aber nur noch eine Vertriebsgesellschaft ist. Denn die Werke und das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim sind längst Eigentum des US-Mutterkonzerns. Und Opel ist im Grunde nicht mehr als eine Marke im GM-Imperium, neben Chevrolet, Hummer, Vauxhall, Buick, Holden, Saturn und Cadillac.

Die Autoindustrie könnte den Untergang von GM verschmerzen, an Autoherstellern mangelt es auf diesem Globus nicht. VW, Ford, Renault, Toyota und all die anderen würden die Opel-Kunden sicher mit Kusshand nehmen. Das gilt sicher auch für die  Ingenieure des Unternehmens, die sich in den zurückliegenden Jahren trotz immer neuer Sparwellen und vieler falscher Weichenstellungen in der Konzernzentrale ihre  Kreativität bewahrt haben, wie der neue Insignia beweist. Und für die Autos aus der über 100-jährigen Firmengeschichte findet sich sicher irgendwo ein Museum.

Politischer Aktionismus auf allen Seiten

Aber die Politik mag den bitteren Realitäten (noch) nicht ins Auge blicken. In den USA will Barack Obama seine Präsidentschaft nicht mit dem Sturz einer Industrieikone beginnen. Und in Deutschland fürchten die Parteien die Auswirkungen einer GM/Opel-Pleite auf die Arbeitslosenstatistik im Super-Wahljahr 2009. Vollmundig werden deshalb nun auf beiden Seiten des Atlantik Milliardenbürgschaften und andere Staatshilfen gefordert– der Steuerzahlen soll nun richten, was das hochdotierte Management eines Autokonzerns in den zurückliegenden 20 Jahren verbockt hat.

Die 25.000 Opel-Beschäftigten und die rund zwei Millionen Menschen weltweit, die direkt oder indirekt GM abhängig sind, können einem leid tun. Aber mit solchem Aktionismus hilft man ihnen nicht.

Solarworlds Übernahmeangebot ist der richtige Ansatz

Helfen würde ihnen ein industriepolitisches Konzept, das den Automobilwerken von Opel in Deutschland einen Weg in eine bessere Zukunft wiese – beispielsweise als Produktionsstätte für Solarzellen, Windräder oder Elektromobile.

Das Angebot von Solarworld, sämtliche deutschen Opel-Standorte gegen eine Kompensationszahlung von einer Milliarde Euro zu übernehmen, um dort eine neue Generation von Autos mit besonders energieeffizienten und emissionsarmen Antrieben zu montieren, erscheint im ersten Eindruck schräg, ist aber der richtige Ansatz.

Sicher würden dort nicht gleich sämtliche Opelaner Lohn und Brot finden können. Aber macht es denn mehr Sinn, Milliardensummen in eine Automobilproduktion zu stecken, die schon seit Jahren nicht wettbewerbsfähig ist und wahrscheinlich auch in den nächsten zwei Jahren nicht sein wird? Ein Insignia macht jedenfalls noch keinen Sommer. Und die Kürzung der Gehälter für die Opel-Manager ist mehr ein symbolischer Akt. Und die Frage ist auch: Was will die Politik tun, wenn in einigen Monaten vielleicht auch die Manager von BMW und Mercedes um Hilfe rufen? Beide Unternehmen haben schon jetzt massive Absatz- und Finanzierungsprobleme, bereiten neue Sparrunden vor, die tausende Beschäftigte ihre Jobs kosten wird. 

Staatsgarantien für ein Einzelunternehmen – das wissen wir aus dem Fall des Baukonzerns Philipp Holzmann -- können eine Zitterpartie allenfalls um ein einige Monate verlängern. Aber wenn sich ein Unternehmen nicht mehr selbst zu helfen weiß und ein Automobilunternehmen zur Beschäftigungsgesellschaft zu wandeln droht, bleibt nur noch die Liquidation.  So bitter das für die betroffenen Menschen und Regionen auch ist.

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