Autobauer: Verkauf und Image von Toyota leiden unter Gaspedal-Problematik

Autobauer: Verkauf und Image von Toyota leiden unter Gaspedal-Problematik

von Martin Seiwert

Laut Toyota Deutschland-Chef Uyttenhoven ging der Absatz um 20 Prozent zurück. Auch das Image von Toyota hat massiv unter der Rückrufaktion gelitten.

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Toyota Primus: Auch das imageträchtige Modell steht wegen möglicher Brems-Probleme im Fokus der Öffentlichkeit

Toyota wird in den nächsten Tagen damit beginnen, rund 216000 Autos in Deutschland wegen des möglicherweise defekten Gaspedals in die Werkstatt zurückzurufen. Nach Angaben von Alain Uyttenhoven, des Vizepräsidenten und Geschäftsführers von Toyota Deutschland, kann das Kraftfahrtbundesamt erst Ende Februar damit beginnen, die Rückrufbriefe zu verschicken. „Wir wollen aber nicht so lange warten“, sagte Uyttenhoven im Interview mit der WirtschaftsWoche.

„Bereits Ende der kommenden Woche werden wir an die Händler die Teile verschickt haben, die nötig sind, um die Gaspedale von 56.000 Fahrzeugen in Europa zu modifizieren. In den Wochen danach werden wir weitere 90.000 Teile pro Woche ausliefern. Die Modifikation des Bauteils dauert rund 30 Minuten pro Fahrzeug, der Kunde kann also beim Händler darauf warten.“

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„Toyota verabschiedet sich damit vorerst aus der Riege der Top-Automarken"

Die Probleme mit klemmenden Gaspedalen haben das Geschäft von Toyota bereits schwer beeinträchtigt. Uyttenhoven: "Seit die negativen Schlagzeilen vor gut zehn Tagen begannen, ging bei uns in Deutschland der Absatz um rund 20 Prozent zurück."

Nach einer Studie des Kölner Marktforschungsunternehmens YouGovPsychonomics AG, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt, sind auch die Imagewerte des Autoherstellers in den vergangenen Tagen stark eingebrochen: „Aktuell erreicht Toyota nur noch rund 10 Brandindex-Punkte und damit etwa 50 Punkte weniger als noch durchschnittlich im Dezember 2009“, sagt Holger Geißler von YouGovPsychonomics

„Toyota verabschiedet sich damit vorerst aus der Riege der Top-Automarken in Deutschland. Spielte der japanische Autobauer aus Markensicht zuvor noch in einer Liga mit Volvo, Mercedes oder BMW, liegt Toyota nun sogar hinter den französischen Importeuren Renault und Peugeot, die im Mittelfeld abschneiden.“ Mit einer breit angelegten Marketingoffensive und zusammen mit seinen Händlern will Toyota Deutschland nun versuchen, das verloren gegangene Kundenvertrauen zurück zu gewinnen.

Probleme länger bekannt

Wie Uyttenhoven einräumte, waren Toyota Probleme mit klemmenden Gaspedalen durchaus schon seit längerem bekannt. Im Interview mit der WirtschaftsWoche sagte er: „Bei Langzeitüberprüfungen mit einem Toyota Auris kam es 2007 in zwei Fällen vor, dass das Gaspedal Geräusche machte oder ruckelte.“ Nach Angaben von Uyttenhoven gab es 2008 auch erste Berichte von Kunden über klemmende Gaspedale: „Wir haben das Thema im Lauf des Jahres 2008 aus Kundenbeanstandungen erfahren. Das Thema wurde von den Kunden jedoch niemals als ein Sicherheitsproblem geschildert. Keiner der Kunden hat gesagt, dass er sich unsicher fühlte. Die Kunden haben gesagt: Es gibt ein bisschen Reibung in dem Gaspedal. Wir haben sogenannte Field Technical Reports (FTA), die das dokumentieren.“

Erschwerend kam hinzu, dass die Probleme nur sporadisch auftraten. Uyttenhoven: "Unsere Tests haben ergeben, dass das Pedal nur dann klemmt, wenn das Auto in der Kälte war, dann schnell aufgeheizt wird und zusätzlich Nässe im Spiel ist. Es war nicht leicht, das herauszufinden."

Nach Informationen der WirtschaftsWoche waren die Probleme mit dem klemmenden Gaspedal im Jahr 2007 jedoch schwerwiegender, als von Toyota dargestellt. Wie aus vertraulichen Unterlagen hervorgeht, verklemmte bei einem Mittelklassemodell das Gaspedal mehrfach während der Fahrt. Das Gaspedal kehrte nicht in die Ausgangsposition zurück. Der Fahrer des betroffenen Autos musste während der Fahrt den Fuß unter das Pedal schieben, um es in die Ausgangsstellung zurück zu ziehen, sagen beteiligte Personen. Es sei dadurch zu starken Gefährdungen im Straßenverkehr gekommen.

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