Autobauer: Was Opel unter seinen neuen Eigentümern erwartet

Autobauer: Was Opel unter seinen neuen Eigentümern erwartet

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Magna- Chef Frank Stronach: Zu viel Respekt, um die Firmenkultur des Autozulieferers den Opel-Mitarbeitern überzustülpen

Proletarische Grundtöne, museumsreife Montagelinien, Rubel ohne Ende - und die Abwanderung einzelner Produktionsteile ins Ausland: Was Opel erwartet, wenn Magna, GAZ und die Sberbank kommen.

Rudolf Streicher, den Generaldirektor von Steyr-Daimler-Puch, traf es völlig unvorbereitet. „Du hast einen neuen Eigentümer!“, sagten die Kollegen, als er aus dem weihnachtlichen Skiurlaub im Januar 1998 an seinen Schreibtisch zurückkehrte: Frank Stronach, den schrulligen Austro-Kanadier.

Ganz Österreich reagierte nervös. Was wollte der Gründer des österreichisch-kanadischen Automobilzulieferers Magna mit Steyr-Daimler-Puch? Würde er den staatlichen österreichischen Konkurrenten ausweiden, ihm eine neue Firmenphilosophie aufzwingen und eine Hire-and-fire-Kultur verordnen? War der österreichische Bundeskanzler, der hinter dem Deal stand, vielleicht einem Hochstapler aufgesessen?

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Mit Flexibilität und guten Verbindungen zum Erfolg

Die Folgemonate zeigten den wahren Charakter des gebürtigen Steirers mit dem Schwarzenegger-Akzent: Stronach, der eigensinnige, aber auch der flexible Unternehmer. Steyr-Daimler-Puch-Generaldirektor Streicher ging, dafür beließ Stronach die Manager der zweiten Reihe auf ihren Posten. Die neue Tochter musste sich von der Rüstungsproduktion trennen sowie ihre Lizenz zum Verkauf von Fahrzeugen des italienischen Autobauers Fiat  in Österreich abstoßen. Ansonsten ließ Stronach alles beim Alten. Selbst das Gehaltsniveau blieb. Umso mehr setzte Stronach seine guten Verbindungen in die deutsche und amerikanische Autoindustrie ein. „Den neuen Eigentümer haben wir so richtig erst durch die vielen Aufträge gespürt, die plötzlich hereingekommen sind“, sagt Magna-Betriebsrat Reinhard Hofer, seit 1986 bei Steyr. Die Belegschaft verdoppelte sich in wenigen Jahren auf fast 9.300 Mitarbeiter.

Ist es das, worauf sich 26.000 Opelaner in Deutschland und ihre 24.000 Kollegen in Europa einstellen müssen, wenn Magna, wie vor gut einer Woche entschieden wurde, sich nun auch in ihre Fabriken einkauft? Wiederholt sich die Geschichte vom reichen Onkel aus Amerika? Oder wiederholt sich der Fall des einstigen deutschen Baukonzerns Holzmann? Den hatte 1999 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit Übergangskrediten der Banken von umgerechnet rund einer halben Milliarde Euro und einer staatlichen Bürgschaft von rund 125 Millionen Euro zu retten versucht – drei Jahre später war der Riese pleite. Kurzum: Was blüht Opel, wenn Magna und als Geldgeber die russische Sberbank kommen, die nur vorübergehend Investor bleiben will?

Opel-Rettung noch nicht entschieden

Bis Ende September sollen die Übernahmeverträge unter Dach und Fach sein. Endgültig entschieden ist die Opel-Rettung noch nicht, denn mehr als eine Absichtserklärung haben die Bundesregierung und Magna noch nicht unterzeichnet. In der Zwischenzeit hält sich Opel mit einem staatlichen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro über Wasser, die ersten 300 Millionen wurden bereits ausbezahlt.

Klappt der Coup, scheint zumindest eines sicher: Stronachs weltweites Reich mit seiner bizarren Firmenphilosophie dürfte auch künftig in wichtigen Punkten vor den Werkstoren in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach enden. Dafür werden allein die geplante 35-prozentige Beteiligung des derzeit insolventen Mutterkonzerns General Motors (GM), das deutsche Betriebsverfassungsgesetz und die mächtige IG Metall sorgen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum viele Magna-Werke eine "Konzernverfassung" haben

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